Vergiftungen beim Pferd

Häufig ist der Verzehr von Giftpflanzen die Ursache einer Vergiftung beim Pferd. Foto: Pixabay.com

Vergiftungen beim Pferd kommen vor, wenn Pferde mit Weidehaltung Kontakt zu Pilzen, Giftpflanzen oder „gespritzten“ Pflanzen haben. Erfahren Sie hier, wie es zu Vergiftungen kommt, welche Symptome sie hervorrufen und wie Sie Vergiftungen beim Pferd vorbeugen.

Definition

Was sind Vergiftungen beim Pferd?

Eine Vergiftung beim Pferd wird durch die Aufnahme bestimmter Giftstoffe verursacht. Neben anderen giftigen Substanzen ist häufig der Verzehr von Giftpflanzen die Ursache.

Vergiftungserscheinungen treten in vielen Formen auf, abhängig davon, welches Gift und vor allem, in welcher Menge es aufgenommen wurde. Mögliche Symptome sind Bewegungsstörungen, starkes Schwitzen, Atemprobleme oder vermehrtes Speicheln.

Da eine Vergiftung zu einem akuten Kreislaufversagen und damit zu einem potenziell lebensbedrohlichen Zustand für das Pferd führen kann, ist es unbedingt angeraten, einen Tierarzt bzw. eine Tierärztin zu kontaktieren. Durch bestimmte Medikamente lässt sich der Kreislauf des Pferdes stabilisieren. Zudem unterstützen Abführmittel eine Ausschwemmung mancher Gifte.

Ursachen

Was sind die Ursachen für Vergiftungen beim Pferd?

Bei einer Vergiftung zeigt sich eine Reaktion des Körpers auf Giftstoffe. Eine häufige Ursache für Vergiftungen bei Pferden ist die Aufnahme giftiger Pflanzen, die sich auf Weiden, in Wäldern oder an Wegrändern befinden. Die Liste der Giftpflanzen ist lang, wobei häufig nur bestimmte Bestandteile der Pflanze giftig sind. Von Bedeutung sind beispielsweise die Blätter des Buchsbaums oder des Kirschlorbeers sowie alle pflanzlichen Bestandsteile von Eibe und Tollkirsche.

Blumen, wie die Herbstzeitlose oder der Fingerhut, stellen ebenfalls eine Gefahrenquelle für Pferde dar. Hochgiftig sind die Samen des Bergahorns, die beim Pferd Auslöser einer schwerwiegenden Erkrankung der Muskulatur sind (atypische Weidemyopathie). Die Aufnahme von Ferkelkraut führt zu Veränderungen im Bewegungsablauf des Tieres mit einem hahnentrittähnlichen Gangbild.

Giftpflanzen sind im frischen und im getrockneten Zustand giftig. Der teilweise bittere Geschmack frischer Giftpflanzen hindert Pferde häufig an einer Aufnahme. Im getrockneten Zustand werden die Pflanzen jedoch leichter aufgenommen, sodass auch Heu mögliche eine Quelle für giftige Pflanzen ist. Oftmals sind es junge beziehungsweise unerfahrene, gelangweilte oder unzureichend mit Raufutter gefütterte Pferde, die Giftpflanzen fressen.

Neben den Giftpflanzen sind Substanzen, die von Bakterien gebildet werden (z.B. Botulinum-Toxin), sowie bestimmte chemische Inhaltsstoffe von Farben, Bausubstanzen oder Schädlings-Bekämpfungsmitteln mögliche Auslöser für Vergiftungen beim Pferd.

Bestimmte Zusatzstoffe (z.B. Salinomycin aus der Wirkstoffgruppe der Ionophore), die für die Futtermittel-Herstellung anderer Tierarten zugelassen sind, sind für Pferde hochgiftig. So kann auch die Verfütterung eines nicht für Pferde geeigneten Futtermittels eine Vergiftung verursachen.

Symptome

Wie äußert sich eine Vergiftung beim Pferd?

Verschiedene Faktoren beeinflussen, welche Symptome beim Pferd durch eine Vergiftung auftreten. Dabei sind vor allem die Art und die Menge des Gifts entscheidend. Die Symptome treten einzeln oder in Kombination auf. Je nach Giftstoff ist der Bewegungsapparat, der Magen-Darm-Trakt, der Atmungstrakt oder das gesamte Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt.

Betroffene Tiere zeigen anfangs häufig Verhaltensveränderungen. Dies äußert sich durch vermehrte Unruhe bis hin zur Teilnahmslosigkeit. Starkes Schwitzen, Zittern, Koordinationsstörungen, Speicheln und Atemnot sind weitere Symptome, die bei einer Vergiftung häufig auftreten. Oft leiden die Tiere an akutem Durchfall, oder sie scheiden Blut über den Harn oder Kot aus.

Reichert sich ein Gift durch eine kontinuierliche Aufnahme im Körper an, bezeichnet man dies als chronische Vergiftung. Abmagerung oder wiederkehrende Verdauungsprobleme lassen sich als Symptome einer chronischen Vergiftung beim Pferd beobachten.

In akuten Fällen kann ein Herz-Kreislauf-Versagen die Folge einer Vergiftung sein.

Diagnose

Wie wird eine Vergiftung beim Pferd diagnostiziert?

Eine Vergiftung zu diagnostizieren, stellt aufgrund der Vielzahl an Beschwerden oft eine Herausforderung für den Tierarzt oder die Tierärztin dar. Andere Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Kolik oder eine Allergie, zeigen häufig ähnliche Symptome.

Stehen die Symptome in zeitlichem Zusammenhang mit der Aufnahme einer Giftpflanze oder einer bestimmten giftigen Substanz, ist dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass eine Vergiftung vorliegt. Eine detaillierte Beschreibung des aufgenommenen Gifts sowie von Menge und Zeitpunkt der Aufnahme liefern weitere Informationen. Hilfreich ist auch das Mitbringen oder die Aufnahme eines Fotos der aufgenommenen Substanz oder der Pflanze.

Um zusätzliche Hinweise auf die Umstände einer möglichen Vergiftung zu erhalten, erkundigt sich der Tierarzt beziehungsweise die Tierärztin über die Haltung und Fütterung des Pferdes und fragt, ob mehrere Tiere der Herde betroffen sind. Dies kann darauf hindeuten, dass eine Kontamination des Futtermittels vorliegt oder dass Giftpflanzen im Stall oder auf der Weide vorhanden sind.

Anschließend folgt eine gründliche Untersuchung des Pferdes, bei welcher der Tierarzt oder die Tierärztin andere Krankheiten auszuschließen versucht.

Zunächst wird das Herz-Kreislauf-System untersucht und Atmung, Herzschlag und Puls kontrolliert. Dabei sind außerdem äußerliche Auffälligkeiten des Tieres wichtig: Ein verschwitztes Haarkleid oder Zittern deuten auf eine Vergiftung hin. Wichtig ist auch, das Pferd im Stand sowie in Bewegung zu beobachten, um eine mögliche Beeinträchtigung des Bewegungsapparats zu erkennen.

Der Tierarzt oder die Tierärztin betrachtet zudem den Maulbereich des Pferdes im Hinblick auf Veränderungen der Schleimhäute oder vermehrtes Speicheln. Der Magen-Darm-Trakt wird mit einem Stethoskop abgehört.

Je nach Symptomatik sind weitere Untersuchungen sinnvoll. So liefern zum Beispiel eine Blutuntersuchung und die Untersuchung des Mageninhalts sowie des Urins weitere Informationen über den Giftstoff. Ziel ist es, die Ursache sowie den Schweregrad der Vergiftung einzuschätzen, um so mit einer geeigneten Therapie zu beginnen.

Die Einweisung des Pferdes in eine Tierklinik kann bei einer schweren Vergiftung nötig sein.

Behandlung

Wie kann eine Vergiftung beim Pferd behandelt werden?

Die Behandlung einer Vergiftung hängt von der Art des Gifts und den auftretenden Symptomen ab. Als erste wichtige Maßnahme gilt es, die weitere Aufnahme der giftigen Substanz zu verhindern. Häufig ist kein Gegengift verfügbar, sodass bei Vergiftungen eine symptomatische Therapie erfolgt.

Pferde können nicht erbrechen. Um den Mageninhalt zu entleeren, schiebt der Tierarzt oder die Tierärztin einen flexiblen Schlauch über die Nase des Pferdes bis zum Magen (Nasen-Schlund-Sonde). Über diese lässt sich der Magen mithilfe von Paraffinöl oder Glaubersalz spülen. Ziel ist es, den Magen zu entleeren und den Giftstoff aus dem Körper des Tieres zu entfernen. Dadurch lässt sich außerdem die weitere Aufnahme von Giftstoffen im Darm verhindern. Oft erhält das Pferd auch Aktivkohle über die Nasen-Schlund-Sonde, um das Gift zu binden.

Bei einer akuten Vergiftung ist es besonders wichtig, den Kreislauf des Pferdes zu stabilisieren. Leidet das Pferd an akuter Atemnot, ist die Gabe eines atemstimulierenden Medikaments (schnellwirksames Glukokortikoid) nötig. Bei Krampfanfällen werden krampflösende Medikamente (z.B. Diazepam) eingesetzt.

Durch die Gabe von Flüssigkeit (isotone Kochsalzlösung) über die Vene des Tieres lässt sich das Gift im Körper verdünnen. Außerdem unterstützt dies die Ausscheidung über die Nieren und stabilisiert den Flüssigkeitshaushalt.

Prognose

Wie ist die Prognose bei Vergiftungen beim Pferd?

Die Prognose einer Vergiftung beim Pferd hängt von der Art und Menge des aufgenommenen Gifts ab. Häufig hilft den Pferden, die nur milde Symptome aufweisen, eine zeitnahe, medizinische Versorgung.

Bei einer starken Symptomatik infolge einer hohen Giftdosis kann sich ­– trotz einer intensivmedizinischen Behandlung – die Prognose verschlechtern. Grundsätzlich gilt: Je früher eine tierärztliche Versorgung erfolgt, desto besser ist die Prognose und damit die Heilungschance.

Chronische Vergiftungen beeinträchtigen oft die Funktion von Leber und Nieren und machen eine langfristige Medikamentengabe erforderlich.

Vorbeugen

Wie kann man Vergiftungen beim Pferd vorbeugen?

Die Ursachen einer Vergiftung beim Pferd sind vielfältig. Je besser Sie über Giftpflanzen und andere giftige Substanzen Bescheid wissen, desto besser können Sie Vergiftungen bei Ihrem Tier vorbeugen.

Überprüfen Sie die Weide, den Stall sowie die Reitanlage auf Giftpflanzen oder andere potenzielle Giftquellen. Achten Sie auch darauf, dass möglichst keine Schädlings-Bekämpfungsmittel in der Umgebung des Pferdes zum Einsatz kommen.

Eine einwandfreie Qualität von Futtermittel und Trinkwasser sowie eine ausreichende Fütterung mit hochwertigem Raufutter (Heu) sind prinzipiell ratsam.

Dann ist der Tierarzt-Besuch ratsam

Muss ein Pferd mit einer Vergiftung tierärztlich vorgestellt werden?

Eine Vergiftung beim Pferd stellt in akuten Fällen eine lebensbedrohliche Situation für das Tier dar. Deuten die Symptome auf eine Vergiftung hin, ist es unbedingt angeraten, einen Tierarzt oder eine Tierärztin zu kontaktieren.

Haben Sie beobachtet, dass Ihr Pferd eine Giftpflanze oder eine andere giftige Substanz aufgenommen hat, holen Sie schnellstmöglich professionelle Hilfe – das gilt auch, wenn noch keine oder nur milde Symptome bestehen.     

Weiterführende Informationen

Autorin: Nicola Rinn, Tierärztin
Datum der letzten Aktualisierung: April 2022
Quellen:
Pschyrembel Online: Intoxikation. Walter de Gruyter (Abruf: April 2022)
Fritz C. et al.: Zivilisationskrankheiten des Pferdes. Thieme, Stuttgart 2020
Coenen M. et al.: Pferdefütterung. Enke, Stuttgart 2019
Gehlen, H. et al.: Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd. Enke, Stuttgart 2017
Brehm, W. et al.: Handbuch Pferdepraxis. Enke, Stuttgart 2016

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