Urinuntersuchung bei Tieren

Urinuntersuchungen beim Tier werden durchgeführt, wenn Veränderungen des Harns auftreten.
Beim Hund wird Spontanharn entnommen
Mit einem Beutel oder Becher lässt sich der Harn auffangen. Foto: vetproduction

Definition:

Was ist eine Urinuntersuchung bei Tieren?

Bei Urinuntersuchungen wird der Harn des Tieres auf verschiedene Eigenschaften (z.B. Farbe, Geruch, pH-Wert) und Inhaltsstoffe – wie Eiweiß, Zucker und Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) – hin untersucht. Es gibt verschiedene Urinuntersuchungen bei Tieren.

Beispiele für physikalische Urinuntersuchungen

Hierbei werden unter anderem folgende Eigenschaften des Urins untersucht:

  • Harnmenge
  • Farbe
  • Geruch
  • Konsistenz
  • Durchsichtigkeit
  • Spezifisches Gewicht

Beispiele für chemische Urinuntersuchungen

Bei chemischen Urinuntersuchungen lässt die Tierärztin oder der Tierarzt unter anderem folgende Laborwerte im Urin des Tieres untersuchen:

  • pH-Wert
  • Harnstoff bzw. Harnsäure
  • Eiweiß
  • Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
  • Myoglobin (Muskelfarbstoff)
  • Gallenfarbstoffe
  • Zucker (Glukose)

Beispiele für mikroskopische Urinuntersuchungen

Zu den mikroskopischen Urinuntersuchungen bei Tieren zählen unter anderem:

  • Harnsediment (z.B. rote und weiße Blutkörperchen, Zellen aus der Blase und den Harnwegen)
  • Urinuntersuchung auf Bakterien und andere Erreger

Durchführung:

Wie wird eine Urinuntersuchung bei Tieren durchgeführt?

Je nach Art der Urinuntersuchung kann der Spontanharn des Tieres verwendet werden – man muss also den Urin des Tieres mit einem Becher auffangen. Der Spontanharn ist jedoch durch Bakterien aus den Harnwegen des Tieres verunreinigt. Für bakteriologische Untersuchungen wird der Urin deshalb besser mithilfe eines Katheters oder einer Blasenpunktion gewonnen.

Bei Kleintieren wie Katzen oder Hunden entnimmt die Tierärztin oder der Tierarzt den Harn für Urinuntersuchungen in der Regel durch eine Blasenpunktion. Dazu wird zunächst die Bauchwand des Tieres rasiert und desinfiziert. Der Tierarzt sticht nun mit einer Kanüle in die Blase ein und gewinnt den Harn.

Für Urinuntersuchungen bei Großtieren wie Pferden eignet sich Spontan- oder Katheter-Harn. Ein Katheter wird über die Harnröhre in die Blase eingeführt und der Urin abgesaugt. Die Harnprobe ist mit Bakterien aus den unteren Harnwegen verunreinigt, deshalb verwirft der Tierarzt die ersten Milliliter.

Um den Spontanharn beim Tier zu gewinnen, ist etwas Geduld nötig. Zum Auffangen verwendet man beim Hund und bei Großtieren ein sauberes, weites Gefäß und befestigt es an einer Stange. Bei manchen Tierarten gibt es kleine Tricks, die den spontanen Harnabsatz fördern: Schafe und Ziegen lassen zum Beispiel Wasser, wenn man ihnen kurz die Nasenöffnungen zuhält. Pferde können zum Urinieren animiert werden, indem man sie im Freien bewegt und anschließend in eine Strohbox bringt. Für bakteriologische Untersuchungen ist Spontanurin wegen der möglichen Verunreinigung mit Keimen allerdings weniger geeignet.

Für die physikalischen Urinuntersuchungen bei Tieren sind meist keine Geräte notwendig. Vielmehr nimmt die Tierärztin oder der Tierarzt sie durch Sehen und Riechen vor. Ein geringes spezifisches Gewicht des Harns kann beispielsweise ein Hinweis auf eine Nierenerkrankung des Tieres sein. Ist der Urin rot oder rosa verfärbt, leidet das Tier möglicherweise unter einem Harnwegsinfekt, zum Beispiel einer Blasenentzündung (Zystitis). Eine Ausnahme stellen Kaninchen und Meerschweinchen dar: Ihr Urin ist normalerweise gelb bis braunrot.

Chemische Urinuntersuchungen beim Tier erfolgen in der Regel mit Teststreifen, die verschiedene Werte gleichzeitig im Harn überprüfen und das Ergebnis auf einer Farbskala anzeigen. Zu hohe Eiweißwerte im Urin können darauf hindeuten, dass die Nieren des Tieres nicht ausreichend mit Blut versorgt werden. Aber auch bei Bluthochdruck oder einer bestimmten Form der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) treten erhöhte Eiweißwerte auf. Zucker (Glukose) im Harn ist dagegen ein mögliches Anzeichen für einen Diabetes mellitus beim Tier.

Bei der mikroskopischen Urinuntersuchung betrachtet die Tierärztin oder der Tierarzt die zellulären und nicht-zellulären Bestandteile des Urins, das sogenannte Harnsediment. Im Fall von Harnsteinen können Kristalle im Urin Aufschluss über ihre Zusammensetzung und die nötige Behandlung geben. Unter dem Mikroskop sind neben dem Harnsediment auch Bakterien im Urin des Tieres sichtbar.

Anwendungsgebiete:

Wann wird eine Urinuntersuchung bei Tieren angewandt?

Urinuntersuchungen beim Tier werden durchgeführt, wenn Veränderungen des Harns auftreten, zum Beispiel in Farbe, Geruch oder Menge. Weitere Gründe für eine Urinuntersuchung sind Schwierigkeiten beim Wasserlassen, eine Gelbsucht (Ikterus) oder allgemeine Beschwerden des Tieres.

Auch bei Störungen des Flüssigkeitshaushalts, zum Beispiel infolge von Erbrechen oder Durchfällen, sind Urinuntersuchungen beim Tier sinnvoll. Sie geben der Tierärztin und dem Tierarzt Aufschluss über die Funktion verschiedener Organe und Stoffwechselsysteme, zum Beispiel:

  • Nierenfunktion
  • Funktion der Harnwege
  • Leberfunktion
  • Kohlenhydratstoffwechsel
  • Muskelstoffwechsel
  • Blutstoffwechsel

Risiken und Komplikationen:

Welche Risiken bergen Urinuntersuchungen bei Tieren?

Wird für die Urinuntersuchung Spontanharn verwendet, bestehen keine Risiken, da dazu nicht in den Körper des Tieres eingegriffen werden muss. Beim Legen eines Katheters und bei der Blasenpunktion hingegen kann es zu Verletzungen und Blutungen kommen. Ein Katheter kann vor allem bei weiblichen Kleintieren Blasenentzündungen hervorrufen. Insgesamt sind Komplikationen im Rahmen einer Urinuntersuchung bei Tieren aber selten.

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Weiterführende Informationen

Autor: M. Sc. Nadja Graßmeier, Ernährungswissenschaftlerin
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2021
Quellen:
Baumgärtner, W. Gruber, A.D.: Spezielle Pathologie für die Tiermedizin. Thieme 2020
Kohn, B. Schwarz, G.: Praktikum der Hundeklinik. Enke Verlag 2017
Maddison, J. et al: Vom Symptom zur Diagnose in der Kleintierpraxis. Thieme 2016
Baumgartner, W. (Hrsg.): Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere. Parey, Stuttgart 2014