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Läufigkeit beim Hund – Der Zyklus der Hündin

 

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Foto: Pixabay.com

Die Läufigkeit ist ein ganz natürlicher Vorgang, der bei gesunden Hündinnen im fruchtbaren Alter zu beobachten ist. Einige Anzeichen einer Läufigkeit können für Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer jedoch irritierend oder verunsichernd sein. Hier erfahren Sie, was Sie über die Läufigkeit wissen sollten, welche Vorgänge normal sind und was Sie beachten können, um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden.

Erste Läufigkeit: Die Hündin in der Pubertät

Die erste Läufigkeit setzt in der Regel im Alter von sechs bis zwölf Monaten ein. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Hündin physisch und psychisch mitten in der Pubertät. Wie alt genau das Tier beim Eintritt in die Geschlechtsreife ist, variiert je nach Hunderasse und Individuum: Während kleine Hündinnen meist schon mit etwa sechs Monaten zum ersten Mal läufig werden, sind große Rassen oft erst im zweiten Lebensjahr zum ersten Mal läufig.

Maßgeblich für den Zeitpunkt der ersten Läufigkeit ist vor allem, dass die Hündin ihr ausgewachsenes Körpergewicht erreicht. Dies geschieht nicht nur bei Hunden großer Rassen etwas später, sondern auch, wenn das heranwachsende Tier nicht genug Futter bekommt (zum Beispiel in schlechter Haltung) oder eine Krankheit durchlebt hat. Doch jeder Hund ist anders: Einige Tiere sind fast noch im Welpen-Alter, und manch andere gesunde kleine Hündin wird erst mit zwei Jahren zum ersten Mal läufig.

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Dazu kommt, dass die erste Läufigkeit beim Hund oft nicht ganz typisch verläuft, da die Hündin gerade erst in die Geschlechtsreife kommt und körperlich noch nicht fertig entwickelt ist. Manchmal kommt es beispielsweise zu einer stillen Läufigkeit: Hier sind trotz der typischen hormonellen Vorgänge keine äußeren Anzeichen einer Läufigkeit, wie der blutige Ausfluss, sichtbar. So kann ein Hund auch völlig unbemerkt läufig werden. In anderen Fällen treten zwar zunächst typische Anzeichen einer Läufigkeit auf, klingen dann aber für ein paar Tage wieder ab, bevor sie wieder auftauchen – dies nennt man Split-Östrus.

Demnach besteht kein Grund zur Sorge, wenn eine Hündin mit zwei Jahren noch nicht offensichtlich läufig war oder wenn die erste Läufigkeit nicht ganz klassisch verläuft. Beides kommt relativ häufig vor. Falls Sie dennoch unsicher sind oder falls Sie andere Fragen haben, sprechen Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt an. Diese untersuchen den Hund gründlich und können Sie auch beraten, ob und wann eine Kastration sinnvoll ist, falls Sie dies in Betracht ziehen. Bei einer frühzeitig kastrierten Hündin (vor allem vor der ersten Läufigkeit oder zwischen der ersten und zweiten Läufigkeit) ist einerseits das Risiko von bestimmten Erkrankungen vermindert (z. B. PyometraGesäugetumoren). Andererseits birgt eine Kastration auch Nebenwirkungen (z. B. Inkontinenz). Tipp: Suchen Sie den Tierarzt auch dann auf, wenn Sie weitere Anzeichen bei der läufigen Hündin bemerken, die möglicherweise auf eine krankhafte Ursache schließen lassen. Ist zum Beispiel der Bauch des Hundes sehr gespannt, scheint der Hund starke Schmerzen zu haben oder entdecken Sie eitrigen Ausfluss, klären Sie die Ursache beim Tierarzt ab.

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Typischer Ablauf und Dauer einer Läufigkeit

Der Zyklus des weiblichen Hundes gliedert sich in vier Phasen:

1. Proöstrus (Vorbrunst): Im Durchschnitt dauert die erste Phase der Läufigkeit, der Proöstrus, neun Tage, die Dauer kann jedoch zwischen drei und 17 Tagen variieren. Erste Anzeichen sind, dass die Vulva anschwillt und blutiger Scheidenausfluss austritt. Die Menge der Blutung variiert von Hund zu Hund: Während sie bei einigen Hündinnen kaum auffällt, bluten andere relativ stark. Die Hündin ist in dieser Phase zwar noch nicht fruchtbar, riecht jedoch für Rüden bereits sehr interessant. Sie weicht nun jedoch aus oder beißt andere Hunde weg, wenn sie zudringlich werden. Verlassen sollten Sie sich jedoch nicht darauf, denn manchmal sind die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen schwierig bis gar nicht eindeutig festzustellen.

2. Östrus (Brunst): In dieser Phase der Läufigkeit ist die Hündin deckbereit – man nennt diese Zeit auch Standhitze, da die Hündin nun bereitwillig stehen bleibt und die Rute auf die Seite dreht, wenn sich ein interessierter Rüde nähert. Durchschnittlich dauert der Östrus neun Tage an, die Dauer schwankt dabei je nach Hündin zwischen drei und 21 Tagen. Die Vulva ist nun nicht mehr ganz so stark geschwollen, und der Scheidenausfluss wird wässriger, manchmal auch schleimig. Während des Östrus finden mehrere Eisprünge statt, meist am zweiten bis vierten Tag. In diesem Zeitrahmen liegen die fruchtbaren Tage des Tieres.

3. Metöstrus (Nachbrunst): In der Metöstrus-Phase klingen die Symptome ab. Die Vulva schwillt ab, der Ausfluss wird zunächst oft gelblich und verschwindet schließlich ganz. Obwohl die Hündin ab diesem Zeitpunkt äußerlich keine Anzeichen einer Läufigkeit mehr zeigt, gibt es noch über einige Wochen eine hormonelle Veränderung: Die Gelbkörper, die nach dem Eisprung an den Eierstöcken entstehen, produzieren das Hormon Progesteron. Dieses Hormon sorgt dafür, dass der Embryo die für seine Einnistung und sein Wachstum benötigten Bedingungen in der Gebärmutter vorfindet. Die Gelbkörper produzieren das Hormon in dieser Zyklusphase unabhängig davon, ob es zu einer Befruchtung gekommen ist oder nicht. Erst nach neun bis zwölf Wochen sind die Gelbkörper abgebaut (Luteolyse). Bei manchen Hündinnen stößt der nun sinkende Progesteron-Spiegel die Ausschüttung des Hormons Prolaktin an. Prolaktin kurbelt unter anderem die Milchproduktion an – so kann es bei einigen Hunden zu einer Scheinträchtigkeit kommen.

4. Anöstrus: Die letzte Phase der Läufigkeit, der Anöstrus, ist die Ruhephase des Zyklus. Die Hündin zeigt keine äußeren Anzeichen einer Läufigkeit. Ihre Sexualhormone bleiben auf einem Level (Progesteron) oder schwanken leicht (Östrogen). Diese Phase kann je nach Tier sehr unterschiedlich lang sein: Sie dauert mehrere Wochen oder Monate an und endet erst mit der Einleitung des nächsten Proöstrus und somit der nächsten Läufigkeit. In der Übergangsphase von Anöstrus zu Proöstrus (Präproöstrus) bilden sich allmählich Eibläschen, sogenannte Follikel, an den Eierstöcken. In diesen reifen die Eizellen bis zum Eisprung (der erst im Östrus stattfinden wird) heran.

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Das Verhalten der Hündin während der Läufigkeit

Im Durchschnitt wird eine Hündin alle sieben Monate läufig. Hunde vom Urtyp – zum Beispiel der Basneji oder der Thai Ridgeback – weisen häufig nur eine Läufigkeit im Jahr auf, ähnlich wie Wölfe und Dingos. Die meisten Hundebesitzer und -besitzerinnen sind jedoch zweimal jährlich mit einer Läufigkeit ihres Tiers konfrontiert, wenn keine Kastration der Hündin stattgefunden hat. Je besser Sie darüber informiert sind, was in dieser Zeit mit dem Hund geschieht und was es zu beachten gibt, umso stressfreier können Sie die Zeit der Läufigkeit gestalten.

Noch bevor die läufige Hündin die ersten Blutstropfen verliert, lassen sich oft an ihrem Verhalten einige Auffälligkeiten feststellen: So urinieren die meisten Tiere zunächst öfter als sonst. Manchmal erinnert ihr Verhalten an das eines markierenden Rüden, da die Hündin in der Hocke ihr Bein anhebt und scheinbar alle paar Meter “muss”. Damit setzt sie instinktiv die ersten Duftmarken – und diese werden von Rüden auch wahrgenommen. Nicht selten erkennt man eine Läufigkeit zuerst an dem auffälligen Anstieg von vierbeinigen Verehrern, die das läufige Tier begeistert beschnüffeln und hartnäckig um es herumtänzeln.

Ob und wie sich das Verhalten der Hündin in der Läufigkeit verändert, ist sehr unterschiedlich. Viele Tiere vergessen zumindest zeitweise ihre gute Erziehung, wenn sie läufig sind. Einige entfernen sich auf Spaziergängen weiter von ihrer Besitzerin oder ihrem Besitzer und lassen sich schlechter abrufen. Andere werden anhänglicher und fordern viele Streicheleinheiten. Nicht selten schlafen läufige Hündinnen mehr als sonst, wirken etwas faul oder melancholisch. Gönnen Sie Ihrem Hund dann diese Ruhephase. Einige Vierbeiner machen dagegen einen eher ruhelosen Eindruck und wechseln alle paar Minuten den Liegeplatz. Nicht zuletzt gibt es auch Hündinnen, die von der Läufigkeit kaum aus dem Konzept gebracht werden und sich genauso benehmen wie sonst auch.

Etwa drei bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit kommt es bei manchen Hündinnen aus hormonellen Gründen zu einer sogenannten Scheinträchtigkeit. Sie zeigen dann körperliche und psychische Auffälligkeiten. Von einer Scheinträchtigkeit oder Scheinschwangerschaft sprechen Tierärzte und Tierärztinnen, wenn sich die Hormonlage einer Hündin nach der Läufigkeit so verändert, als wäre sie trächtig, obwohl sie nicht von einem Rüden gedeckt wurde und damit keine Trächtigkeit vorliegt. Ursache ist das Hormon Prolaktin: Gegen Ende der Läufigkeit produziert der Körper der Hündin weniger Progesteron (Gelbkörper-Hormon). Dadurch steigt die Konzentration des Hormons Prolaktin im Blut. Prolaktin sorgt unter anderem dafür, dass das Drüsengewebe des Gesäuges wächst, und regt die Milchbildung an. Die Hündin fühlt sich, als läge eine echte Trächtigkeit vor. Besonders häufig sind kleine Hunderassen (z. B. Dackel) von einer Scheinträchtigkeit betroffen. Tipp: Kommt eine Scheinträchtigkeit regelmäßig nach der Läufigkeit vor oder sind die Symptome sehr stark ausgeprägt, suchen Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt auf.

Höschen und Hunde-Begegnungen in der Läufigkeit

Eine häufige Frage ist, wie man mit der Blutung in der Läufigkeit am besten umgeht. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. In der Regel putzen sich Hündinnen in der Zeit der Läufigkeit sehr häufig und ausgiebig, wobei es sehr reinliche und eher nachlässige Hunde gibt, und die Blutung auch unterschiedlich stark sein kann. Wenn Sie eine läufige Hündin von der gründlich putzenden Sorte haben und Ihre Wohnung mit einem Fliesenboden ausgestattet ist, müssen Sie im Grunde keine weiteren Maßnahmen ergreifen, außer vielleicht vereinzelt verlorene Tropfen aufzuwischen. Anderenfalls können Sie Ihrem Hund ein spezielles Schutzhöschen, eine sogenannte Läufigkeitshose, anziehen, um zu verhindern, dass die Blutung auf dem Teppich oder im Hundebett landet. Ein guter Tipp ist, die läufige Hündin bereits vorher langsam an das Höschen zu gewöhnen – die meisten Hunde sind nämlich erstaunlich schnell darin, sich aus unliebsamen Wäschestücken zu befreien.

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Die wichtigste Regeländerung gibt es in der Zeit der Läufigkeit jedoch bei Begegnungen mit anderen Hunden, vor allem mit Rüden. Wenn Sie keinen Deckakt, keine Trächtigkeit und keinen Wurf mit der Hündin planen – und dies sollte sehr gut überlegt sein – ist es essenziell, dass Sie sie von unkastrierten Rüden fernhalten, insbesondere während des Östrus (Standhitze). Vorsichtshalber sollten Sie Ihre läufige Hündin in dieser Zeit nur an der Leine spazieren führen und Orte meiden, die stark von anderen Hunden frequentiert sind. Sagen Sie anderen Hundebesitzern vor dem direkten Kontakt auf jeden Fall Bescheid, dass Ihr Tier läufig ist.

Falls die läufige Hündin Ihnen zum Beispiel während eines Spaziergangs für eine Weile entlaufen ist und Sie nicht wissen, ob in der Zwischenzeit ein Deckakt stattgefunden haben könnte, kann die Tierärztin oder der Tierarzt durch einen Scheidenabstrich feststellen, wie weit Ihr Tier noch von einem Eisprung entfernt ist und ob eine Trächtigkeit wahrscheinlich ist. Wenn Sie ganz sichergehen wollen, können Sie nach drei Wochen noch eine Ultraschall-Untersuchung vornehmen und nachschauen lassen, ob sich Welpen in der Gebärmutter befinden oder nicht.

Auch abseits der fruchtbaren Tage riecht die läufige, unkastrierte Hündin für Rüden – kastrierte wie unkastrierte – sehr spannend. In der Regel ist es daher besser, die Hunde während der Läufigkeit nicht im Freilauf spielen zu lassen. Vor lauter überschießenden Hormonen neigen männliche Hunde dazu, die Hündin zu bedrängen, während diese meist in eine Abwehrhaltung geht, ausweicht und schnappt. Dies ist für die Tiere eher eine Stresssituation als ein entspanntes Spiel. Warten Sie mit Hunde-Begegnungen lieber, bis die Läufigkeit abgeklungen ist; es sei denn, es handelt sich um freundliche Rüden oder Welpen. Unter Beachtung dieser Regeln kommen Sie und Ihre läufige Hündin weitgehend stressfrei durch die Läufigkeit.

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Weiterführende Informationen

Autor: Christina Trappe, B.A.
Tierärztliche Qualitätssicherung: Pascale Huber, Tierärztin
Datum der letzten Aktualisierung: Januar 2021
Quellen:
Kohn, B. et al.: Praktikum der Hundeklinik, Enke, Stuttgart 2017, Stuttgart 2017
Neiger, R.: Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze. Vom Leitsymptom zur Diagnose. Thieme 2019
Schroll, S. Dehasse, J.: Verhaltensmedizin beim Hund. Leitsymptome, Diagnostik, Therapie und Prävention. Thieme/Enke. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2016
Wehrend, Axel: Leitsymptome Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund. Thieme Verlag, Stuttgart 2010

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