Was ist eine Zoonose und welche Zoonosen gibt es?

Publiziert: Montag, 6. August 2012

Ein Wellensittich sitzt auf einer Hand

Die Ornithose ist eine Zoonose bei Vögeln. Sind Papageien betroffen, wozu auch der Wellensittich gehört, spricht man von der Psittakose oder der Papageienkrankheit. Foto: vetproduction

Eine Zoonose ist eine Infektionskrankheit bei Wirbeltieren, die auf natürlichem Wege auf den Menschen übertragen werden kann. Das bedeutet, erkrankte Tiere können Menschen mit der Infektion anstecken (und andersherum). Der Begriff „Zoonose“ leitet sich aus dem Griechischen ab: zoon = Lebewesen, nosos = Krankheit. Fast zwei Drittel der bekannten Krankheitserreger bei Menschen können vom Tier auf den Menschen übergehen – weltweit sind über 200 Zoonosen bekannt. Bei einigen Infektionserkrankungen ist noch nicht abschließend geklärt, ob es sich um Zoonosen handelt.

Die Ursachen von Zoonosen sind vielfältig: Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und Prionen können diese Infektionskrankheiten auslösen. Auch die möglichen Übertragungswege sind unterschiedlich. Eine Zoonose kann über den direkten Kontakt mit einem infizierten Tier, über Milch, Fleisch, Eier oder andere tierische Lebensmittel sowie über sogenannte Vektoren erfolgen. Vektoren sind Krankheitsüberträger, welche die Erkrankung nicht selbst hervorrufen und auch nicht daran erkranken. Ein Beispiel für einen Vektor ist zum Beispiel eine Zecke bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Zecke überträgt die FSME-Viren auf den Menschen, wenn sie sticht. Der Zeckenstich an sich ruft die Erkrankung aber nicht hervor – deshalb erkrankt auch nicht jeder, der von einer Zecke gestochen wurde, an FSME.

Zoonosen auf dem Vormarsch

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Zoonosen sind weltweit von großer Bedeutung und verbreiten sich immer weiter. Grund dafür ist unter anderem das veränderte Freizeit- und Reiseverhalten der Menschen: Sie stecken sich im Reiseland mit einer Zoonose an und schleppen diese in ihr Heimatland ein.

Gegen die meisten Zoonose-Erreger gibt es keine vorbeugende Impfung. Daher spielen bei der Bekämpfung dieser Infektionserkrankungen vor allem Hygienemaßnahmen sowie die Infektionsüberwachung eine entscheidende Rolle. Verschiedene Zoonosen sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig – das heißt, der Arzt muss die Infektion (je nach Zoonose auch bereits den Infektionsverdacht) an das zuständige Gesundheitsamt melden. In Deutschland sind die meisten gemeldeten Infektionskrankheiten Zoonosen. Auf europäischer Ebene gibt es zudem die sogenannte Zoonose-Überwachungsrichtlinie. Danach müssen europaweit zum Beispiel alle Fälle von Salmonellose, Giardiasis und Yersiniose sowie deren Erreger erfasst werden. Ziel ist es, die Infektionsquelle schneller finden und dann beseitigen zu können.

Weitere Zoonosen sind zum Beispiel:

  • Brucellose
  • Leptospirose
  • Milzbrand
  • Tollwut
  • Toxoplasmose
  • Campylobacter-Enteritis (bakterielle Durchfall-Erkrankung)
  • Kryptosporidose
  •  Babesiose
  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
  • Borreliose
  • EHEC (Enterohämorrhagische E. coli)
  • Ornithose
  • Aviäre Influenza („Vogelgrippe“)
  • Neue Influenza („Schweinegrippe“)
  • Taeniose (Bandwurm-Befall)
  • Neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Leishmaniose
  • Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS)
  • Malleus (Rotz)

 

Mein Tier hat eine Zoonose – was tun?

Da eine Zoonose sehr vielfältige Ursachen haben kann, gibt es keine allgemeinen Maßnahmen zur Vorbeugung. Generell ist eine gute Hygiene wichtig, um sich vor Infektionskrankheiten aller Art zu schützen. Dazu gehört zum Beispiel, sich regelmäßig gründlich mit heißem Wasser und Seife die Hände zu waschen. Eine hygienische Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln sind ebenfalls wichtige vorbeugende Maßnahmen. Bei manchen Zoonosen hilft es, Lebensmittel zu erhitzen oder einzufrieren – etwa bei Toxoplasmose oder Taeniose. Andere Zoonose-Erreger sind dagegen sehr widerstandfähig und lassen sich auf diese Weise nicht abtöten, zum Beispiel Prionen, welche unter anderem die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit hervorrufen. Manche Zoonose-Erreger können Sie durch eine Desinfektion beseitigen, zum Beispiel Influenza-Viren.

Meist infizieren sich Menschen über ihre Umgebung mit einer Zoonose, vor allem über Lebensmittel. Dennoch sollten Sie vorsichtig sein, wenn der Tierarzt bei Ihrem Haustier eine Zoonose feststellt. Lassen Sie sich deshalb genau erklären, wie Sie sich infizieren können und wie lange Ihr Tier ansteckend ist. Hygiene ist dann das A und O. Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit Ihrem Haustier gründlich die Hände. Achten Sie darauf, dass Ihre Umgebung sauber bleibt und nicht durch Kot etc. verschmutzt wird – reinigen Sie Käfige, Katzenklos etc. mindestens einmal täglich, wenn Ihr Tier unter einer Zoonose leidet.

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Auch wenn Sie einer Zoonose nicht sicher vorbeugen können – mit einer guten Hygiene halten Sie das Risiko einer Infektion möglichst gering. Besteht der Verdacht, dass Sie sich mit einer Zoonose angesteckt haben, sollten Sie unbedingt Ihren Hausarzt aufsuchen – manche Infektionserkrankungen, die bei Tieren relativ harmlos verlaufen, sind für Menschen gefährlich. Weisen Sie den Arzt darauf hin, wenn Ihr Haustier eine Zoonose hat. Er kann entsprechende Untersuchungen durchführen und schneller feststellen, ob Sie sich infiziert haben, und Sie gegebenenfalls entsprechend behandeln.

 

 

 

Weiterführende Informationen

 
 

Autor: M. Sc. Nadja Graßmeier, Ernährungswissenschaftlerin
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Martin Waitz
Datum: August 2012
Quellen:
Alpers, K. et al.: Zoonotische Infektionen beim Menschen. Bundesgesundheitsblatt 2004; 7: 622-632
Krauss, H. et al.: Zoonosen – Von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2004
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2011
Zoonosen: Gesundheitliche Bewertung. Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung: www.bfr.bund.de (Abruf: 06.08.2012)

 

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