Kreuzverschlag beim Pferd – Ursachen und Behandlung

Pferdehufe
Der Kreuzverschlag, auch Belastungsmyopathie genannt, ist eine Muskelerkrankung beim Pferd. Foto: vetproduction

Definition:

Was ist ein Kreuzverschlag beim Pferd?

Unter Kreuzverschlag versteht man eine Muskelerkrankung, die nach einer Belastung beim Pferd auftritt. Der medizinische Fachbegriff lautet Belastungsmyopathie.  Oftmals stand das Pferd vorher einen Tag oder mehrere Tage im Stall – daher heißt der Kreuzverschlag im Volksmund Feiertagskrankheit. Die Muskulatur des Pferdes ist geschädigt und schmerzt stark.

Tierärztinnen und Tierärzte unterscheiden verschiedene Formen des Kreuzverschlags beim Pferd:

  • Bei der milderen Form ist das Pferd unwillig sich zu bewegen, seine Muskeln sind verspannt, vor allem am Rücken und an der Kruppe, und das Pferd schwitzt stark.
  • Bei starken Formen des Kreuzverschlags haben die Pferde Probleme, ihre Beine zu bewegen, zeigen kolikartige Schmerzen und setzen Urin ab, der stark dunkel gefärbt ist. Durch das starke Schwitzen trocknen sie aus, sie atmen schneller und haben eine erhöhte Temperatur.

Milde Formen heilen oft durch schnelle und umsichtige Behandlung aus, während bei starkem Kreuzverschlag die Muskulatur stark geschädigt wurde. Es können mehrere Monate bis zur Ausheilung vergehen. In schweren Fällen verläuft die Belastungsmyopathie tödlich.

Ursachen:

Wie entsteht Kreuzverschlag beim Pferd?

Es gibt verschiedene Formen von Kreuzverschlag beim Pferd, die sich durch ihre Symptome und ihre Auslöser unterscheiden. Beim Kreuzverschlag im ursprünglichen Sinne treten die Symptome meist auf, wenn die Pferde einen Tag oder mehrere Tage geruht haben und dann wieder belastet werden.

Während der Ruhephase hat der Muskel Glykogen gespeichert – eine Energiereserve, die den Muskel versorgt. Arbeitet der Muskel, so baut er Glykogen ab; hierfür benötigt er Sauerstoff. Ist nicht genügend Sauerstoff vorhanden, so kann der Muskel das Glykogen nicht komplett abbauen, es bildet sich Milchsäure (Laktat). Dieses wird dann durch das Blut in die Leber und in die Niere transportiert.

Fällt zu viel Laktat an, wie es beim Kreuzverschlag des Pferdes passiert, schädigt die Milchsäure den Muskel. Der Muskel wird zudem schlechter durchblutet und weiter geschädigt. Tierärztinnen und Tierärzte gehen davon aus, dass die Störung der Muskelarbeit auch auf eine Fehlfunktion im Muskel zurückzuführen ist:

  • Während der Muskelarbeit wird Kalzium freigesetzt.
  • Dieses wird bei Pferden mit Kreuzverschlag nicht mehr normal transportiert und sammelt sich in der Muskulatur an.
  • Dadurch sammelt sich Flüssigkeit im Muskel an (Ödem) und zerstört die Zellen.
  • Durch die Muskelschäden setzt der Körper das Muskel-Eiweiß Myoglobin frei – das Pferd scheidet dieses Myoglobin über den Urin aus (Myoglobinurie). Daher ist der Harn beim Kreuzverschlag dunkel verfärbt.

Oftmals entsteht gerade bei gut trainierten Pferden ein Kreuzverschlag. Dies ist häufiger der Fall, wenn die Pferde eine hohe Kraftfutter-Ration erhalten und hauptsächlich im Stall stehen. Erste Symptome können einige Minuten bis Stunden nach dem Beginn der Belastung auftreten – bereits leichte Arbeit kann zu einem Kreuzverschlag beim Pferd führen. Auch nach Schwergeburten bei Stuten kommt es mitunter zu einer Belastungsmyopathie beim Pferd.

In Fachkreisen ist zudem das „Ty-up-Syndrom“ im Zusammenhang mit der Belastungsmyopathie bekannt. Hierbei zeigen die Pferde ähnliche Symptome, nachdem sie eine lange und erschöpfende Arbeit verrichtet haben. Im Gegensatz zum eigentlichen Kreuzverschlag sind die Energiereserven des Muskels hierbei vollkommen aufgebraucht. Diese Energie wird aber benötigt, um die Muskulatur zu entspannen. So treten beim Ty-up-Syndrom Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen auf, vor allem in den stark muskulösen Anteilen. Die Symptome gleichen der Belastungsmyopathie, die Ursache ist nur eine andere.

Symptome:

Wie äußert sich ein Kreuzverschlag beim Pferd?

Ein Kreuzverschlag macht sich je nach Verlauf mit milden oder starken Symptomen bemerkbar. Das Pferd wird unruhig, es zeigt Koliken, geht steif und hat den Rücken gekrümmt. Oftmals überstreckt es die Sprunggelenke. Die Tiere möchten sich nicht mehr bewegen, sie beginnen zu schwitzen. Die Muskulatur des Pferdes ist verkrampft und schmerzt – vor allem die Muskulatur der Kruppe und des Rückens ist betroffen.

Sind die Symptome beim Kreuzverschlag stärker, können sich die Pferde kaum bewegen. Sie haben vor allem Probleme, die Hintergliedmaßen nach vorne zu setzten. Durch das starke Schwitzen trocknen sie aus und ihr Salzhaushalt gerät ins Ungleichgewicht. Die Pferde atmen schnell, ihr Puls ist ebenfalls beschleunigt. Sie setzen dunklen Urin ab, der an Kaffee erinnert. In schweren Fällen der Belastungsmyopathie liegen die Pferde fest und versterben.

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