Ohrenreinigung bei Tieren

Hund bei der Ohrenreinigung
Bei einer Ohrenreinigung bei Tieren werden Schmutz oder Absonderungen des äußeren Gehörgangs aus dem Ohr entfernt. Foto: vetproduction

Definition:

Was ist eine Ohrenreinigung bei Tieren?

Bei einer Ohrenreinigung werden Schmutz oder Absonderungen des äußeren Gehörgangs aus dem Ohr des Tieres entfernt. Darüber hinaus kann man bei stärkeren Verschmutzungen oder bei Entzündungen eine Ohrenspülung durchführen, bei der eine Spüllösung in das Ohr des Tieres gegeben wird. Durch eine Ohrenreinigung lassen sich zum Beispiel Fremdkörper, Schmutz sowie überschüssiges Ohrsekret aus dem Ohr des Tieres entfernen.

Durchführung:

Wie wird eine Ohrenreinigung bei Tieren durchgeführt?

Bei der Ohrenreinigung werden Ohrmuschel und Ohrläppchen des Tieres vorsichtig mit einem feuchten Wattebausch ausgewischt. Der Wattebausch ist zum Beispiel mit einer zur Ohrenreinigung geeigneten Lösung getränkt. Meist gibt man vorher Reiniger ins Ohr und säubert es danach, indem man die eingewirkte Flüssigkeit ausputzt. Für die Ohrenreinigung bei Tieren dürfen weder Seifen noch scharfe oder stark alkoholhaltige Lösungen verwendet werden. Diese Substanzen können die empfindliche Haut der Ohrmuschel reizen, beim Tier Schmerz verursachen und sogar zu einer Ohrenentzündung führen.

Außerdem darf man bei der Ohrenreinigung niemals Wattestäbchen in den Gehörgang des Tieres einführen: Dies würde Ohrenschmalz und andere Ablagerungen in der Ohrmuschel weiter in den Gehörgang drücken, was zu Trommelfell-Verletzungen oder Ohrinfektionen beim Tier führen kann. Gerade bei Abwehrbewegungen des Tieres ist eine Verletzung möglich.

Falls sich im Gehörgang des Tieres eine große Menge an Ohrenschmalz angesammelt hat oder das Ohr des Tieres flüssiges Sekret absondert, nass oder gerötet ist, sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden. Diese säubern den Gehörgang des Tieres mit einem speziellen Ohrreiniger.

Auch bei einem hartnäckigen Ohrenschmalz-Pfropf im Gehörgang bei unverletztem Trommelfell, kann die Tierärztin bzw. der Tierarzt Lösungen zur Ohrenreinigung in den Gehörgang des Tieres einbringen. Diese Ohrenreiniger enthalten Wirkstoffe, die verhärtetes Ohrenschmalz und anderen Schmutz aufweichen. Nach dem Eingeben der Lösung wird das Ohr des Tieres einige Zeit lang massiert.

Ist der Gehörgang des Tieres erfolgreich gespült, folgen Hunde meist dem ihnen angeborenen Reflex, den Kopf zu schütteln, sodass die Flüssigkeit und der Schmutz aus dem Gehörgang entfernt werden und das Ohr von selbst wieder trocknet. Katzen hingegen muss man nach der Ohrenreinigung zum Kopfschütteln anregen. Alternativ kann die Tierärztin bzw. der Tierarzt die Reinigungslösung mit einem Gummiballon oder einem Absauggerät wieder aus dem Ohr entfernen. Dies ist sinnvoll, falls das Tier vor der Spülung ein Beruhigungsmittel erhalten hat, wobei die meisten Hunde und Katzen die Reinigung ohne Beruhigungsmittel tolerieren.

Anwendungsgebiete:

Wann wird eine Ohrenreinigung bei Tieren angewandt?

Bei Haustieren ist eine regelmäßige Ohrenreinigung normalerweise nicht erforderlich. Es ist durchaus normal, wenn im Gehörgang des Tieres kleinere Mengen Ohrenschmalz zu finden sind. Ohrenschmalz ist gelb bis hellbraun und hat eine wachsartige Konsistenz. Die Talg- und Schweißdrüsen des äußeren Gehörgangs bilden das Ohrensekret, das die natürliche Funktion hat, abgeschilferte Hautzellen sowie Haare und Schmutzpartikel im äußeren Gehörgang zu binden und nach außen zu leiten. Enthält die Ohrmuschel des Tieres jedoch übermäßig viel Ohrenschmalz oder Schmutzpartikel, ist eine Ohrenreinigung mithilfe eines feuchten Wattebausches sinnvoll.

Ist das Ohrenschmalz dunkelbraun bis schwarz gefärbt, riecht das Ohr des Tieres faulig oder läuft flüssiges Sekret aus dem Ohr, so deutet dies auf eine Ohrenentzündung oder einen Befall des Ohres mit Parasiten (wie Milben bei der Ohrräude) hin. Weitere Hinweise auf eine Ohrenentzündung sind häufiges Kopfschütteln oder Kratzen am Ohr, das Schräghalten des Kopfs sowie ein heißes oder gerötetes Ohr des Tieres. Bei diesen Anzeichen sollte man unbedingt eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen. Im Fall einer Ohreninfektion wird der Tierarzt zunächst eine Ohrenreinigung vornehmen und anschließend Antibiotika als Ohrentropfen oder Ohrensalbe verordnen.

Eine Ohrenreinigung kann auch dann sinnvoll sein, wenn der Tierarzt die Ohren des Tieres mit einem Ohrenspiegel (Otoskop) untersuchen will. Manchmal ist eine Untersuchung der Ohren nicht möglich, weil sich dort in übermäßigem Maße Schuppen gebildet haben oder ein Ohrenschmalz-Pfropf den Gehörgang des Tieres verstopft. In diesem Fall weicht die Tierärztin bzw. der Tierarzt das verhärtete Ohrenschmalz mit einer Lösung zur Ohrenreinigung auf und säubert das Ohr, um den äußeren Gehörgang und das Trommelfell des Tieres mittels Ohrenspiegelung (Otoskopie) einsehen zu können.

Risiken und Komplikationen:

Welche Risiken birgt eine Ohrenreinigung bei Tieren?

Generell muss eine Ohrenreinigung bei Tieren immer behutsam durchgeführt werden, da die zarte Haut der Ohrmuschel und des Ohrläppchens sehr empfindlich ist. Außerdem kann das Trommelfell des Tieres verletzt werden.

Tierärztinnen und Tierärzte nutzen spezielle Instrumente zur Ohrreinigung. Verwenden Sie niemals selbst herkömmliche Wattestäbchen oder andere spitze Gegenstände zur Ohrenreinigung Ihres Tieres!

Wird die Ohrenreinigung nicht professionell ausgeführt, kann es neben Ohrenverletzungen auch zu Ohreninfektionen beim Tier kommen.

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Weiterführende Informationen

Autor: Melanie Geiser, M.A.
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum der letzten Aktualisierung: September 2021
Quellen:
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch Online. De Gruyter (Abruf: September 2021)
Kohn, B. et al.:
Praktikum der Hundeklinik. Enke,  2017