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Cannabis in der Tiermedizin

 

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(von Pascale Huber, Tierärztin)

Foto: Pixabay.com

Mit medizinischem Cannabis werden nicht nur Menschen behandelt, sondern zunehmend auch Hunde, Katzen, Pferde und weitere Tiere. Vor allem das sogenannte CBD-Öl ist in aller Munde – doch was ist das genau und wogegen wirkt es?

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Hanf (Cannabis) ist eine der ältesten Nutz-, Zier- und Heilpflanzen der Erde, die auch zur Gewinnung von Arzneimitteln – und seit einiger Zeit zudem zur Behandlung bestimmter Krankheiten und Beschwerden von Menschen und Tieren – eingesetzt wird. Als Genuss- und Rauschmittel kennt man Cannabis insbesondere als Marihuana (das sind die getrockneten Blätter und Blütenstände der Pflanze) und als Haschisch (das ist das Harz der Blütenhaare der weiblichen Hanfpflanze). Für den nicht medizinisch indizierten Konsum sind diese hierzulande allerdings nach wie vor verboten.

Wie wirkt Cannabis?

Die Hauptwirkung von Cannabis erfolgt über das sogenannte endogene Cannabinoid-System (Endocannabinoid-System), welches alle Säugetiere aufweisen – also neben Tieren wie Hunden, Katzen oder Pferden, auch der Mensch. Das Endocannabinoid-System ist ein Teil des Nervensystems und besteht aus zwei Rezeptor-Typen, an die Cannabinoide andocken können:

  • Der Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) findet sich vorwiegend im Gehirn und im peripheren Nervensystem
  • Der Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2) kommt vor allem in bestimmten Zellen des Immunsystems (Mastzellen, B-Lymphozyten und T-Lymphozyten), sowie in den Knochen-auf- und -abbauenden Zellen (Osteoblasten und Osteoklasten) vor.

Medizinisch wirksame Stoffe von Cannabis

Hanf enthält eine Vielzahl an Stoffen: In der Human- und Veterinärmedizin werden Zubereitungen aus Pflanzenteilen sowie cannabinoide Wirkstoffe angewendet, die isoliert oder synthetisch gewonnen wurden. Neben den über einhundert verschiedenen Cannabinoiden und den Terpenen in der Pflanze, wurden in jüngster Zeit vor allem das sogenannte Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) und das Cannabidiol (CBD) als pharmakologisch besonders wirksame Bestandteile von Hanf entdeckt und weiter erforscht. Diesen beiden Wirkstoffen wollen wir uns in ihrer Bedeutung für die Tiermedizin im Folgenden näher widmen.

Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC)

Lange Zeit fokussierte sich die medizinische Forschung auf das Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), einen psychoaktiv wirksamen Bestandteil der Hanfpflanze. Besonders reich an THC sind die unbefruchteten weiblichen Blütenstände der Pflanze. THC hat eine berauschende Wirkung und beeinflusst die Cannabinoid-Rezeptoren 1 und 2 (CB1 und CB2).

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Cannabidiol (CBD)

Cannabidiol, kurz CBD, ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid, das aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen wird. Es bindet agonistisch an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Medizinisch wirkt Cannabidiol:

  • krampflösend
  • antientzündlich
  • schmerzlindernd
  • hemmend auf das Immunsystem
  • schützend auf Nervengewebe
  • angstlösend
  • gegen Übelkeit

Weitere mögliche Effekte von Cannabidiol, wie zum Beispiel eine antipsychotische Wirkung, werden erforscht.

Gegen welche Krankheiten und Beschwerden kann Cannabis helfen?

Die pharmakologischen Wirkungen von Cannabis, insbesondere von THC und CBD, sind hauptsächlich in der Humanmedizin erforscht, es gibt aber auch Studien und vor allem Erfahrungsberichte über die erfolgreiche Anwendung von Cannabis bei Tieren. Zudem besitzen alle Säugetiere das Endocannabinoid-System mit den CB1- und CB2-Rezeptoren, also sowohl Menschen als auch Hunde, Katzen, Pferde und weitere Säugetiere.

In der Tiermedizin kann Cannabis unter anderem angewendet werden:

  • als CBD-Öl einzeln oder ergänzend zur Schmerztherapie (v.a. bei Schmerzen im Bewegungsapparat und Harntrakt)
  • als CBD-Öl oder Cannabis-Präparat mit niedrigem THC-Gehalt möglicherweise bei Epilepsie und anderen epilepsieartigen Erkrankungen
  • als Hanf-Öl bei Neurodermitis und chronischen Darmerkrankungen

Nebenwirkungen von medizinisch angewendetem Cannabis werden in der Praxis sehr selten beobachtet, sind aber grundsätzlich – wie bei jedem Präparat – möglich. Hierzu zählen zum Beispiel Magen-Darm-Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen.

Worin unterscheiden sich CBD-Öl und Hanf-Öl?

Es gibt zahlreiche Cannabis-Präparate auf dem Markt, und vor allem CBD-Öle und Hanf-Öle sind zurzeit sehr gefragt. Bei CBD-Öl und Hanf-Öl handelt es sich aber nicht um dasselbe:

  • Hanf-Öl ist ein Nahrungsöl, das aus der Pressung der Hanfsamen gewonnen wird. Es handelt sich um ein sehr wertvolles Nahrungsöl, das medizinisch vor allem bei Patienten mit chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis eingesetzt werden kann.
  • CBD-Öl hingegen enthält Cannabis-Extrakte aus der Blüte und dem Kraut der Hanfpflanze.

Viele CBD-Öle enthalten sowohl Hanf-Öl als auch CBD-Öl, sowie weitere Zusatzstoffe. In manchen Ölen finden sich auch zusätzliche Cannabinoide.

Wenn Sie sich als Tierhalter für die Anwendung von Cannabis-Präparaten bei Ihrem Tier interessieren, fragen Sie Ihren Tierarzt. Bitte wenden Sie grundsätzlich keine Arzneimittel (auch nicht, wenn diese freiverkäuflich sind) ohne Rücksprache mit dem Tierarzt bei Ihrem Haustier an.

 

Autorin: Pascale Huber, Tierärztin, Chefredakteurin, vetproduction GmbH

Quellen:

1 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Cannabis als Medizin. https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Hinweise_Aerzte/_node.html;jsessionid=86E108384149363080866F89ED737483.2_cid329 (Abruf: 05/2019)

2 Nadig, Dr. med. vet. Alexandra: CBD-Öl in der Tiermedizin – Pharmakologie, Anwendung & Fallbeispiele. Veterinärspiegel, Ausgabe 28, 2018

3 OʼShaughnesseyWB. On the Preparations of the Indian Hemp, or Gunjah (Cannabis indica): The Effects on the Animal System in Health, and their utility in the treatment of Tetanus and other convulsive disease. Transaction of the Medical and Physical Society of Bengal (1838–1840): 421–461

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