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Kranke Aquarienfische: Tipps für Notfälle

 

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Foto: Sandra Lechleiter

Ein Gesellschaftsaquarium ist ein ganzer Zoo unter Wasser – denn die dort zusammen gehaltenen Fischarten sind hinsichtlich ihrer Lebensweise und Bedürfnisse unter Umständen so verschieden wie Löwe und Zebra. Eine erste Hilfe kann daher mit Sicherheit eine gründliche Problemanalyse nicht ersetzen. Sie umfasst den gesamten Lebensraum Aquarium mit Filtertyp, gegebenfalls Bepflanzung, Beleuchtung, Alter des Beckens, Wasserwechsel, Futter und Futtermengen und nicht zuletzt auch die verschiedenen gehaltenen Fischarten und ihre Besatzgeschichte.

In der Fischmedizin richten wir unsere Aufmerksamkeit zuallererst auf die Wasserqualität

Schritt 1: Wasserwerte messen oder messen lassen

Viele Zoogeschäfte mit Aquaristik bieten dies ihren Kunden an. Wichtig: Ein aussagekräftiger Wassertest wird mit Tropftests oder einem Photometer durchgeführt. Die Ergebnisse von Tests mit diversen Indikatorstäbchen sind nicht zuverlässig und daher nicht hilfreich. Die Werte zum Zeitpunkt der Beobachtung, dass etwas nicht stimmt, sollte man sich unbedingt aufschreiben.
Wichtige und relevante Werte sind:

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  • Wassertemperatur (°C) und ihre Geschichte
  • (großer Wasserwechsel, Heizer ausgefallen, sommerliche Hitze/winterliche Kälte am Standort
  • pH-Wert
  • Karbonathärte (KH)
  • Gesamtammonium (NH4/NH3)
  • Nitrit (NO2)
  • Nitrat (NO3)
  • Phosphat (PO4)
  • und, wenn möglich, Sauerstoff (O2)

Schritt 2: Fast immer bessert sich die Lage nach einem Teilwasserwechsel von 20-40%

Ist dies nicht der Fall, ist das ein wichtiger Hinweis für die Problemanalyse. Dann sollte das Leitungswasser ebenfalls gründlich getestet werden.

Schritt 3: Reduktion der Futtermenge

Bis auf sehr kleine Fische (z.B. Neons) und Jungfische können Fische sehr gut mit sehr wenig Futter auskommen. Ein Tag ohne Futter oder die Halbierung der Ration über eine Woche entlastet die Kiemen und verbessert auch die Wasserqualität. Das Futter muss auf Verderb kontrolliert werden und darf nicht stinken oder schimmelig sein.

Schritt 4: Die Fischpatienten genau beobachten und Auffälligkeiten aufschreiben oder versuchen, sie zu fotografieren oder zu filmen

Es gibt eine wichtige Infektionskrankheit, die man schnell erkennen und behandeln muss: Pünktchenkrankheit oder auch „Ichthyo“ genannt. Sie ist eine der wenigen für praktisch alle Fischarten gefährlichen Krankheiten. Der Lebenszyklus des Einzellers führt zu einer Massenvermehrung in wenigen Tagen. Daher sollte man dann, wenn man weiße Pünktchen auf kranken, apathischen, sich scheuernden oder gestorbenen Fischen sieht, sofort eines der im Zoohandel erhältlichen Mittel gegen „Pünktchen“ oder „Ichthyo“ einsetzen. Die Beschaffung hat keine Zeit bis zum Wochenende!


Einige Fische zeigen die charakteristischen weißen Pünktchen der Pünktchenkrankheit. Foto: Sandra Lechleiter


Die weißen Pünktchen sind klar erkennbar und deuten auf die Erkrankung hin. Foto: Sandra Lechleiter

Viele Aquarianer, die häufiger neue Fische kaufen und einsetzen, haben dieses Mittel deswegen sicherheitshalber bei sich zu Hause im Vorrat. Die Behandlung geht über eine Woche und wird mit einem großen Teilwasserwechsel und 24 Stunden Aktivkohlefilterung abgeschlossen. Aktivkohle und Zeolithsteine im Filter, UV-Licht und Ozon müssen vor der Behandlung ausgeschaltet beziehungsweise entfernt werden. Die Wirkstoffe der frei verkäuflichen Medikamente können die Filterbiologie schädigen. Auch kann es selten zu einer Wassertrübung kommen. Daher muss man die Behandlung gründlich überwachen und gegebenenfalls abbrechen. Kinder, Haustiere und die Haut des Anwenders sollte von den Wirkstoffen ferngehalten werden.

Schritt 5: Spezialisten für eine Untersuchung finden

Die Diagnose der meisten anderen Fischkrankheiten ist etwas für den Fachmann. Man benötigt mindestens ein Mikroskop und manchmal auch eine Laborausrüstung, um nach einer Untersuchung zu einer klaren Diagnose zu kommen. Viele Zoogeschäfte kennen solche hilfreichen Spezialisten oder können selbst einen Abstrich unter dem Mikroskop beurteilen. Man sollte dafür Verständnis haben, dass ohne diese Untersuchung jeder Rat zu einer Behandlung ein Stochern im Heuhaufen ist und nicht zu einer seriösen Diagnose führen kann – egal, ob ein geschulter Zoohändler oder ein fachkundiger Tierarzt ins Mikroskop sieht.

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Umgang mit toten Fischen, die untersucht werden sollen

Fische, die untersucht werden sollen, müssen am Tag ihres Todes untersucht werden. Daher ist es wichtig, sich vorher mit dem Untersucher zu verständigen, ob eine Untersuchung stattfinden kann und wie der Fisch am schnellsten zum Untersucher kommt. Plastiktüten, Alufolie oder alles, was zu Luftabschluss führt, sollte NICHT zur Aufbewahrung verwendet werden. Tote Fische müssen SOFORT auf dem Wasser herausgenommen werden, denn bei den üblichen 22-28°C verwesen sie extrem schnell! Dann wird der Fisch lose in ein feuchtes Zellstoffpapier gewickelt und gekühlt – NICHT eingefroren. Nochmal: Tote Fische nicht im Wasser liegen lassen!

Foto: Sandra Lechleiter

Wasserprobe aus dem Aquarium nehmen

Eine Wasserprobe sollte mindestens 500 ml (1/2 Liter) umfassen. Das Gefäß vorher 5-10x mit dem Aquarienwasser ausspülen und unter Wasser befüllen, bis keine Luft mehr darin ist. Dann unter Wasser verschließen und im Kühlschrank aufbewahren. Auch diese Probe muss schnellstmöglich untersucht werden.

 

Über die Autorin

Dr. med. vet. Sandra Lechleiter, Fachtierärztin für Fische

Sandra Lechleiter ist seit über 20 Jahren als Fachtierärztin für Fische mit der Haltung von Zierfischen aller Art und ihren Erkrankungen beschäftigt. Sie ist seit 1998 mit ihrer eigenen Praxis in Neuenbürg bei Pforzheim ausschließlich für Zierfische in Süß- und Meerwasser tätig.  Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt in der Fischtierarztpraxis ist die Fortbildung und Weiterbildung von Zierfischhändlern, Privathaltern und Tierärzten. Daher sind viele Artikel in Fach- und Hobbyzeitschriften und mittlerweile fünf Bücher, eine Koikrankheiten App und ein Online-Lexikon der Koimedizin erschienen. Etwa 50 Webinare und mittlerweile sechs Vetinare sind eine gute Ergänzung dieser Tätigkeit.
Auf ihrer Webseite www.fishcare.de werden viele News über ihre Tätigkeit und spezielle Krankheitsbilder in regelmäßigen News vorgestellt. Ein Online-Lexikon der Koimedizin ist dort zu finden, sowie Hinweise auf Fischtierarztkollegen in ganz Deutschland.

 

 

 

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