Tierkrankenversicherung: Warum sie jetzt sinnvoll ist

Die Tierkrankenversicherung: Beste Versorgung für Deinen Liebling (© iStock.com/ Sviatlana Barchan)

Wer Hund oder Katze hat, dem liegt viel am Wohlergehen seines Vierbeiners. Ein Notfall oder eine Erkrankung des Tieres kann jedoch schnell zur finanziellen Herausforderung werden – ein Alptraum, dem eigenen Tier nicht die notwendige medizinische Versorgung ermöglichen zu können. Kein unrealistisches Szenario, meinen Fachleute, denn die gestiegenen Tierarztkosten verschärfen aktuell die Situation. Aber lohnt sich eine Tierkrankenversicherung wirklich? Die eindeutige Antwort aus Fachkreisen lautet: Ja! Erfahren Sie hier mehr.

Tierarztrechnung: Warum ist sie so teuer?

So manches Herrchen oder Frauchen staunt nicht schlecht beim Anblick der Tierarztrechnung. Und jüngst scheinen die Kosten noch einmal zusätzlich zu explodieren, denn nach 20 Jahren ist im November 2022 eine neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) in Kraft getreten. So kostete etwa eine allgemeine Untersuchung von Hund oder Katze nach der alten GOT nach einfachem Satz 13,47 Euro, nach der neuen GOT nun 23,62 Euro (einfacher Satz), beziehungsweise 70,86 Euro bei Berechnung des dreifachen Satzes. Das Beispiel zeigt, wie massiv die Kosten nun zu Buche schlagen können.

Was ist die GOT?
Die GOT legt fest, was tierärztliche Leistungen kosten. Sie überlässt dem Tierarzt bzw. der Tierärztin jedoch einen gewissen Spielraum, indem der einfache, zweifache oder dreifache Satz abrechnet werden kann. Im Nacht- oder Notdienst wird in der Regel der vierfache GOT-Satz verlangt. Zusätzlich haben Veterinär*innen die Möglichkeit, auch einen 1,5 oder 1,7-fachen Satz abzurechnen, etwa bei besonders aufwendigen Untersuchungen.

Die neue GOT belastet den Geldbeutel der Tierhalter*innen deutlich, gilt jedoch als notwendiger und längst überfälliger Schritt: Viele moderne Diagnostik- und Therapieverfahren, die heute zum Einsatz kommen, waren in der alten Gebührenordnung als Leistung nicht aufgeführt. Auch das Ausbildungsniveau von Tiermediziner*innen und TFAs bewegt sich inzwischen auf einem deutlich höheren Niveau als vor 20 Jahren. Die gestiegenen Personal- und Ausstattungskosten für Tierarztpraxen finden nun in der neuen GOT Berücksichtigung. Sie sichert daher vielen Tierarztpraxen ihre Existenz und ist die Grundlage einer breitflächigen, qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung von Haustieren.

Tipps: So bringen Sie Tierarztkosten unter Kontrolle

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Grundsätzlich gilt: Wer sich ein Haustier halten möchte, sollte ein gewisses Budget einplanen, das über die medizinische Grundversorgung wie Impfungen oder Parasitenprophylaxe hinausreicht. Eine gesunde, artgerechte Haltung und Ernährung bilden zudem eine gute Basis, damit Tiere lange gesund bleiben. Bei aller Mühe bleibt es letztlich aber unvorhersehbar, ob ein Tier erkrankt. Unfälle oder aufwendige Operationen können rasch mehrere Tausend Euro kosten und trotz Rücklagen schnell in finanzielle Nöte treiben. Was also tun?

Expert*innen empfehlen Tierkrankenversicherungen

Um Tierarztkosten abzufedern und die notwendige medizinische Versorgung von Tieren sicherzustellen, sind Tierkrankenversicherungen eine ratsame Lösung. So rät die Bundestierärztekammer (BTK) Tierhalter*innen ausdrücklich zum Abschluss einer Tierkrankenversicherung. Um eine geeignete Versicherung für Hund oder Katze zu finden, sollten sich ihre Besitzer*innen allerdings etwas Zeit nehmen. Denn zum einen gilt es genau zu beachten, welches Spektrum die jeweilige Versicherung umschließt, zum anderen sind Tierart, Haltung, Rasse, Alter oder bereits bestehende Erkrankungen Faktoren, die es bei der Wahl der Versicherung zu berücksichtigen gilt.

Was ist wichtig bei einer Tierkrankenversicherung?

Eine Krankenversicherung, etwa für den Hund, sollte folgende Leistungen beinhalten:

  • Freie Tierarztwahl: Für spezielle Untersuchungen oder Eingriffe ist mitunter eine Überweisung an einen Spezialisten erforderlich – ohne freie Wahl des Tierarztes oder der Tierärztin greift die Versicherung unter Umständen in diesem Fall nicht
  • Therapiefreiheit der Tierärztin/des Tierarztes
  • Ambulante und stationäre Heilbehandlungen, Operationen, schmerzstillende Zahnbehandlungen
  • Kostenübernahme bis zum dreifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT)
  • Transparente Auflistung, welche Leistungen nicht im Versicherungsschutz enthalten sind (z. B. Ausschluss der Behandlung von genetischen bzw. rassebedingten Erkrankungen, wie Folgen des brachycephalen Syndroms, Hüftgelenkdysplasie (HD) oder Ellbogengelenkdysplasie)

Was zahlt eine Tierkrankenversicherung?

Versicherungen bieten meist verschiedene Tarife an, die sich in der Regel auf ambulante, stationäre und chirurgische Behandlungen, Medikamente und diagnostische Untersuchungen beziehen. Je nach gewähltem Tarif zahlt die Versicherung einen bestimmten Prozentsatz der Kosten oder übernimmt sie vollständig. Meist deckelt ein festgelegter Höchstbetrag den Anteil der Versicherung. Mitunter bieten Versicherungen eine telemedizinische Erstberatung an, bei der eine Tierärztin oder ein Tierarzt einschätzt, ob eine Behandlung erforderlich ist. Dadurch lassen sich unnötiger Stress für das Tier vermeiden und – falls keine Behandlung erforderlich ist – Tierarztkosten einsparen.

Wie teuer ist eine Tierkrankenversicherung?

Was eine Tierkrankenversicherung im Monat kostet, variiert je nach Anbieter, Tarif und Tierart. Tierhalter*innen können für eine Tierkrankenversicherung für den Hund, welche die wichtigsten Kriterien umfasst, mit rund 25 Euro im Monat rechnen. Bei älteren Tieren oder bestimmten Rassen kann der monatliche Beitrag aber auch höher sein.

Was haben Tierkrankenversicherungen mit Tierschutz zu tun?

Tierkrankenversicherungen können mehr als Tierarztkosten im Zaum halten: Sie sind ein wichtiger Aspekt in Sachen Tierschutz. Tatsächlich zeigte eine Studie aus dem Jahr 2020, dass versicherte Tiere besser Chancen auf ein gesundes Leben haben und seltener eingeschläfert werden. Tiermediziner*innen vermuten, dass dies an der besseren medizinischen Versorgung liegen könnte und versicherte Tiere eher Vorsorgeuntersuchungen und Prophylaxemaßnahmen erhalten, als nicht versicherte. Eine Win-Win-Situation für Mensch und Tier.

Weiterführende Informationen

Autorin:
Pascale Huber, Tierärztin, Chefredaktion vetproduction GmbH
Datum: Januar 2023
Quellen:
Online-Informationen der Bundestierärztekammer: Bundestierärztekammer empfiehlt ausdrücklich eine Tierkrankenversicherung, unter https://www.bundestieraerztekammer.de/presse/2019/08/Tierkrankenversicherung.php (Abruf: 01/2023)
Zenz-Spitzweg D. et al.: Mehr Tierschutz mit Versicherung? Empirische Studie zu Tierkrankenversicherungen für Hund und Katze aus der Perspektive von Tierärztinnen und Tierärzten sowie Tierhalterinnen und Tierhaltern im deutschsprachigen Raum. Berl Münch Tierärztl Wochenschr DOI 10.2376/1439-0299-2020-16Online-Informationen DA Direkt: Tierkrankenversicherungen, unter https://www.da-direkt.de/hundekrankenversicherung* (Abruf: 01/2023)