Reisen mit Hund und Katze: Diese Krankheiten drohen durch Zecken

Das Risiko für Krankheiten durch Zecken ist in bestimmten Urlaubsregionen besonders hoch.
Reisen mit Hund und Katze. Foto: vetproduction
Wer mit Hund oder Katze verreist, sollte an einen ausreichenden Zeckenschutz denken. Foto: vetproduction

Ein Beitrag von ESCCAP e.V.

Bikini, Badeschlappen, Reisepass: nichts vergessen? Ist eine Reise geplant, bedeutet das häufig auch Stress. In der Hektik kann dann leicht untergehen, dass Hund und Katze einen Zeckenschutz brauchen, wenn sie mit auf Reisen gehen. Lesen Sie hier, welche Krankheiten durch Zecken drohen und wie Sie Ihr Tier davor schützen.

Die meisten Menschen, die Hunde oder Katzen besitzen, hatten schon einmal Kontakt mit Zecken. Viele wissen auch, dass die blutsaugenden Parasiten Krankheiten übertragen können. Weniger bekannt ist hingegen oft, dass das Risiko für Krankheiten durch Zecken in bestimmten Urlaubsregionen besonders hoch ist. Ein effektiver Zeckenschutz für Hund und Katze vor Reiseantritt ist also das A & O. Aber welche Krankheiten spielen für Hunde und Katzen eine Rolle? Wie äußern sich die Symptome und in welchen Ländern ist das Risiko besonders hoch?

Wussten Sie schon, …
… dass Zecken auch im Winter aktiv sein können? Erst bei Temperaturen von weniger als 6-7 °C fallen sie in eine Winterstarre. Ein Zeckenschutz ist daher nicht nur im Frühling und Sommer wichtig, sondern auch in milden Wintern.

Ob nah, ob fern: Borreliose kommt in ganz Europa vor

Sie zählt zu den Erkrankungen, von denen die meisten Tierhalterinnen und Tierhalter schon einmal gehört haben: die Borreliose. Dabei wissen viele, dass Menschen an der Borreliose erkranken können. Nicht jedem ist jedoch klar, dass die üblen Beschwerden, wie ständige Gelenkentzündungen, auch ihren Hund betreffen können. Der Hauptüberträger von Borrelien ist eine Zeckenart namens „Gemeiner Holzbock“ (Ixodes ricinus). Diese Zecken sind sehr häufig und von Nord bis Süd und Ost bis West in ganz Europa verbreitet.

Infizierte Zecken tragen die Borrelien in ihrem Verdauungstrakt. Befallen sie Mensch oder Tier, übertragen sie gegen Ende des Saugakts, frühestens nach 16 bis 24 Stunden, die Krankheitserreger über den Zeckenspeichel ins Blut ihres Opfers. Es kann dann vier Wochen oder auch deutlich länger dauern, bis erste Krankheitssymptome der Borreliose auftreten.

Die gute Nachricht: Wird die Zecke sofort und sachgerecht entfernt, ist eine Übertragung von Borrelien unwahrscheinlich. Die schlechte Nachricht: Meist wissen Betroffene nicht, wann die Zecke sich genau festgesaugt hat – daher lässt sich das Übertragungsrisiko nicht einschätzen.

Schwäche, Fieber, Blutungen: Ehrlichiose durch Zecken

Die Ursache der Ehrlichiose beim Hund sind Bakterien, die die Braune Hundezecke überträgt. Die Krankheit kommt – wie auch die Braune Hundezecke – überwiegende im Mittelmeerraum vor. Zwischen dem Zeckenbiss und den ersten Krankheitssymptomen können etwa drei Wochen liegen – ein Zeckenbefall im Urlaub ist dann so lange her, dass die Hundehalterin oder der Hundehalter oft gar nicht auf die Idee kommt, dass es sich bei der Erkrankung um ein „Mitbringsel“ handelt.

Ehrlichiose-Symptome beim Hund sind Fieber, Schwäche und Blutungen. Meist sind die Lymphknoten geschwollen und die Milz ist vergrößert. Es ist auch möglich, dass die Krankheit chronisch verläuft. Es sind zahlreiche weitere Symptome bei Ehrlichiose möglich, die sich von Fall zu Fall unterscheiden. Daher ist es für die Tierärztin oder den Tierarzt manchmal schwierig, eine Ehrlichiose beim Hund festzustellen.

Babesiose („Hundemalaria“): Nicht nur im Mittelmeerraum

Bei den Erregern der sogenannten Hundemalaria handelt es sich um mikroskopisch kleine Parasiten, sogenannte Babesien, die im Darm bestimmter Zecken vorkommen. Die Buntzecke und die Braune Hundezecke können die Babesiose auf Hunde übertragen. Ursprünglich sind beide Zeckenarten vor allem in Mittelmeerländern heimisch – und dort, wo die Zecken leben, ist auch das Risiko für die Babesiose am höchsten.

Besonders oft kommt die Babesiose südlich von Zentralfrankreich vor. Aber Achtung: Die Zecken sind inzwischen von ihren Ursprungsländern aufgebrochen und nun auch in Deutschland angekommen – auch, weil sie aus Urlaubsländern eingeschleppt werden.

Babesien schädigen die roten Blutkörperchen von Hunden. Zu den Symptomen der Babesiose beim Hund zählen Blutarmut, Gelbsucht und blutiger Urin. Die Babesiose ist eine schwerwiegende Erkrankung und ohne rechtzeitige Behandlung verläuft sie oft tödlich.

Wussten Sie schon, …
… dass gerade infizierte Zecken besonders widerstandsfähig gegenüber Hitze und Kälte sind? Zu diesem Ergebnis kamen Forscherinnen und Forscher in einer Untersuchung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten deswegen sogar, dass das Risiko für übertragbare Krankheiten gerade bei warmen, trockenen oder kalten Wetterlagen höher ist.

Zecken übertragen Anaplasmose beim Hund

Vor allem der Gemeine Holzbock kann die Erreger der Anaplasmose übertragen. Es handelt sich dabei um spezielle Bakterien, die sich in den weißen Blutkörperchen infizierter Hunde befinden. Hunde können sich überall in Europa mit der Anaplasmose infizieren.

Die Symptome der Anaplasmose, wie Abgeschlagenheit, Durchfall und Erbrechen oder Lahmheiten, kommen auch bei vielen anderen Krankheiten vor. Daher ist die Anaplasmose nicht immer leicht festzustellen. Infizierte Zecken können auch Katzen infizieren, allerdings kommt dies nur sehr selten vor.

FSME: Vor allem für Menschen eine Gefahr

Zecken können neben Bakterien und einzelligen Parasiten auch Viren übertragen. So ist der Gemeine Holzbock bekannt als Überträger der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, kurz FSME. Die Viren verursachen beim Menschen eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute.

Es ist theoretisch auch möglich, dass Hunde an FSME erkranken, allerdings passiert das extrem selten. Für Menschen, ganz besonders Kinder oder ältere Personen, kann die Krankheit jedoch gefährlich sein. Wenn Sie ein Tier besitzen, sollten Sie also im eigenen Interesse auf einen geeigneten Zeckenschutz von Hund und Katze Wert legen.

Schutz vor Zecken – nicht nur auf Reisen!

Antiparasitika gegen Zecken können Hunde und Katzen vor übertragbaren Krankheiten schützen. Wann ein Zeckenmittel erforderlich ist und wie häufig Sie es bei Ihrem Tier anwenden sollten, hängt vom Risiko für einen Zeckenbefall ab. Bei reinen Wohnungskatzen, die nicht mit verreisen und keinen Kontakt zu anderen Haustieren haben, reicht es aus, wenn Sie immer wieder das Fell nach Parasiten absuchen.

Für Hunde und Katzen, die regelmäßig nach draußen kommen, ist ein Schutz vor Zecken empfehlenswert – auch hierzulande. In Regionen, in denen durch Zecken übertragbare Krankheiten vorkommen, sollten Hunde und Katzen mit entsprechendem Risiko kontinuierlich vor Zecken geschützt werden.

Weitere Informationen

Autorin: Pascale Huber, Tierärztin
Datum der letzten Aktualisierung:
Juli 2022
Quelle:
ESCCAP e.V.: https://www.esccap.de/ (Abruf: Juli 2022)