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Thymom und Lymphom bei Kaninchen

 

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Foto: Pixabay.com

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Tumorerkrankungen des Thymus bei Kaninchen auftreten können. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf dem Thymom – die bei Kaninchen häufigste Tumorerkrankung des Thymus, sowie dessen Abgrenzung zu Lymphomen des Thymus. Neben den typischen Krankheitsanzeichen erhalten Sie zudem einen Überblick der gängigen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von Thymomen sowie eine Übersicht zu Lymphomen bei Kaninchen. 

Der Thymus ist ein lymphatisches Organ, das eine wichtige Rolle für die Reifung des Immunsystems spielt. Hier findet die Prägung bestimmter Immunzellen (T-Lymphozyten) statt, damit diese ihre Aufgaben in der Abwehr korrekt übernehmen können. Das Organ befindet sich kopfwärts (kranial) des Herzens im Brustkorb und bildet sich bei Kaninchen – im Gegensatz zu anderen Tierarten – mit zunehmendem Alter nicht zurück.

Folgende Tumorerkrankungen des Thymus können bei Kaninchen auftreten:

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Thymome sind gutartige Tumore des Thymus, die für gewöhnlich langsam wachsen und nur selten metastasieren. Durch ihr Wachstum führen sie jedoch zu einer Beeinträchtigung der im Brustkorb (Thorax) liegenden Organe wie Herz und Lunge sowie weiterer Strukturen (z. B. Gefäße). Dies kann sich negativ auf den Gesundheitszustand betroffener Kaninchen auswirken und im fortgeschrittenen Verlauf zum Tod der Tiere führen.

Im Gegensatz zum Thymom handelt es sich bei Thymuslymphomen um bösartige Tumore, die bei Tieren jeden Alters auftreten können. Thymuslymphome sind durch eine Entartung bestimmter Zellen – den sogenannten T-Lymphozyten – gekennzeichnet und können auf Grundlage zytologischer Untersuchungen leicht mit einem Thymom verwechselt werden. Lymphome des Thymus treten bei Kaninchen jedoch deutlich seltener und meist im Zusammenhang mit einem sogenannten multizentrischen Lymphom auf. Multizentrisch bedeutet hier, dass die Erkrankung mehrere Organe gleichzeitig betrifft.

Auch bei dem Thymuskarzinom handelt es sich um einen bösartigen Tumor des Thymus, der ebenfalls selten auftritt.

Was ist ein Thymom?

Ein Thymom ist ein gutartiger Tumor und die bei Kaninchen am häufigsten auftretende Tumorerkrankung des Thymus. Thymome machen darüber hinaus bis zu zehn Prozent aller Tumorerkrankung des Kaninchens aus. Obgleich sich diese Erkrankung auch bei jungen Kaninchen entwickeln kann, erkranken zumeist ältere Tiere an einem Thymom. Eine Rasse- oder Geschlechtsprädisposition besteht nicht. In der Regel wächst ein Thymom langsam und bildet nur in seltenen Fällen Metastasen. Obwohl es sich hierbei um einen gutartigen Tumor handelt, kann dieser zu einer starken gesundheitlichen Beeinträchtigung bis hin zum Tod der Tiere führen.

Je größer der Tumor wird, desto mehr Raum nimmt er schließlich im Brustkorb (Thorax) ein, wodurch andere Organe (z. B. Herz und Lunge) verdrängt und ihre Funktionsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird. Oftmals sind die Organe über einen längeren Zeitraum noch dazu in der Lage, ihre Funktion weiter aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund kann es passieren, dass erste Krankheitsanzeichen erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt werden.

Welche Symptome weisen auf ein Thymom hin?

Symptome eines Thymoms lassen sich zumeist bei älteren Kaninchen ab einem Alter von etwa sechs Jahren beobachten. Häufig beginnt die Erkrankung mit einem allmählich zunehmenden Konditionsverlust, der anfangs nicht bemerkt oder irrtümlich mit dem fortgeschrittenen Alter des Kaninchens in Verbindung gebracht wird. Darüber hinaus können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:

  • beidseitig hervortretende Augen (Exophthalmus)
  • Atemprobleme bis hin zu Atemnot
  • Schwäche
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung
  • gedämpfte Herztöne
  • Nickhautvorfall
  • Husten
  • Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb (Hydrothorax) oder im Herzbeutel (Hydroperikard)
  • Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) im Bereich von Kopf, Hals und vorderen Gliedmaßen

Begleiterkrankungen durch den Tumor (sogenanntes paraneoplastisches Syndrom) wie etwa eine bestimmte Art der Hautentzündung (exfoliative Dermatitis) oder eine bestimmte Art der Blutarmut (hämolytische Anämie) treten bei Kaninchen vergleichsweise selten auf und lassen sich bei anderen Tierarten häufiger beobachten. Das Blutbild weist bei Kaninchen im Falle eines Thymom meist keine Veränderungen auf.

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Wie diagnostiziert die Tierärztin oder der Tierarzt ein Thymom?

Beidseitiger Exophthalmus, der sich in Stresssituationen noch verstärkt, gilt als typisches Anzeichen einer Thymom-Erkrankung beim Kaninchen. Mithilfe einer Röntgenaufnahme kann die Tierärztin oder der Tierarzt im Falle eines Thymoms eine Verschattung vor dem Herzen, eine sogenannte präkardiale Masse, feststellen. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass es sich bei einer solchen Masse neben einem Thymom auch um eine andere Umfangsvermehrung handeln kann. Infrage kommen beispielsweise mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume des Thymus (Thymus-Zysten), Lymphome, Thymussarkome, Tumore anderer Organe (z. B. der Schilddrüse) sowie Abszesse. Eine genauere Identifizierung erfolgt mittels Ultraschalluntersuchung. Um das Thymom besser von anderen Erkrankungen unterscheiden zu können, entnehmen Tiermediziner*innen zusätzlich eine Gewebeprobe. Dies geschieht beispielsweise durch eine Feinnadelaspiration, bei der mit einer dünnen Nadel eine Zellprobe der Umfangsvermehrung entnommen werden kann. Im Anschluss daran werden die gewonnenen Zellen im Rahmen einer zytologischen Untersuchung genauer untersucht, um weitere Hinweise auf die zugrundeliegende Erkrankung zu erhalten.

Wie werden Thymome behandelt?

Kaninchen, die unter starker Atemnot leiden, müssen häufig eingeschläfert werden. Wird ein Thymom jedoch frühzeitig erkannt, stehen verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung. So kann die Tierärztin oder der Tierarzt beispielsweise bestimmte Medikamente verordnen, welche den Blutdruck senken und das Herz unterstützen. Zusätzlich kann versucht werden, das Tumorwachstum durch die Gabe von Kortison, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Prednisolon zu hemmen. Je nach Einzelfall lässt sich das Thymom aber auch in einer Operation vollständig oder teilweise entfernen. Allerdings ist solch ein Eingriff mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt zudem die Strahlentherapie dar. Im Rahmen einer Studie verstarben nur drei der insgesamt 19 behandelten Tiere innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Strahlentherapie. Die überlebenden Kaninchen wiesen eine mediane Überlebenszeit von 727 Tagen auf.

Lymphome des Kaninchens

Lymphome treten (im Gegensatz zum Thymom) zumeist in mehreren Organen gleichzeitig auf („multizentrisch”). Die Beschwerden erkrankter Tiere variieren somit je nachdem, welche Organe von der Erkrankung betroffen sind. Bei Lymphomen handelt es sich um die zweithäufigste Tumorart bei Kaninchen und um den häufigsten Tumor bei Jungtieren. Lymphome sind bösartige Tumore, die unter anderem in Leber, Nieren, Milz, und Lymphknoten häufig auftreten. Sie können darüber hinaus auch in weiteren Organen, zum Beispiel in der Lunge oder im Thymus (Thymuslymphom), vorkommen. Eine Rasse- oder Geschlechtsprädisposition besteht nicht.

Bei betroffenen Kaninchen kann – sofern vorhanden – ein Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut (Leukozytose) auf die Erkrankung hinweisen. Neben Appetitlosigkeit und Blutarmut (Anämie) lassen sich beispielsweise auch eine krankhafte Schwellung von Lymphknoten oder Hautveränderungen beobachten. Tiermediziner*innen können darüber hinaus Organvergrößerungen und an verschiedenen Stellen lokalisierte Umfangsvermehrungen sowie charakteristische Veränderungen im Knochenmark feststellen. Die Diagnose von Lymphomen beruht auf den jeweiligen Symptomen und den Untersuchungsergebnissen (z. B. Blutbild, Röntgen, Ultraschall, zytologische Untersuchung etc.). Eine spezifische Behandlungsmöglichkeit besteht nicht. Neben der Gabe von Prednisolon kann gegebenenfalls auch eine Strahlentherapie zum Einsatz kommen.

Thymuslymphome entstammen wie auch Thymome dem Thymusgewebe, gehen jedoch aus unterschiedlichen Zellgruppen hervor. Beide Tumorarten auf Grundlage einer zytologischen Untersuchung oder anhand bestehender Symptome voneinander zu unterscheiden kann schwierig sein, sodass gegebenenfalls eine histopathologische Untersuchung erforderlich ist.

Weiterführende Informationen

Autorin: Dr. vet. Freya Fuchs, Tierärztin, Redaktion vetproduction GmbH
Datum: Mai 2021
Quellen:
Ewringmann, A.: Leitsymptome beim Kaninchen. Enke, Stuttgart 2016
Fehr, M. et al.: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche, Hannover 2015
Graham, J.: Rabbit thymoma vs lymphoma: Diagnostic and therapeutic options. (https://www.michvma.org/resources/Documents/MVC/2018%20Proceedings/graham_03.pdf) (Abruf: 05/2021)
Huston, S. et al.: Cardiovascular Disease, Lymphoproliferative Disorders, and Thymomas. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7152098/) (Abruf: 05/2021)
Klopfleisch, R.: Veterinäronkologie kompakt. Springer, Berlin, Heidelberg 2017
Künzel, F.: Thymom -ein unterdiagnostiziertes klinisches Problem beim Kaninchen? veterinäspiegel 2013; 1: 22-25
Lumpp, L.: Hilfe, ein Notfall! – Dyspnoemanagement beim Kaninchen. kleintier konkret 2019; 22(S 02): 17-27

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