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Rassekrankheiten beim Kaninchen

 

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Foto: Pixabay.com

Die Bandbreite von Kaninchenrassen ist groß – rassebedingt variiert nicht nur das Aussehen der Tiere in Größe, Haarlänge, Kopf- oder Ohrenform. Innere und äußere Rassemerkmale können auch die Neigung zu verschiedenen Krankheiten beeinflussen. Erfahren Sie hier, welche Erkrankungen bei bestimmten Kaninchenrassen häufiger vorkommen können.

Bei bestimmten Kaninchenrassen können charakteristische äußerliche Merkmale Krankheiten begünstigen. Daneben können auch genetische Faktoren mit dem Risiko von Erkrankungen oder Fehlbildungen einhergehen. Bevor Sie sich ein Kaninchen als Haustier anschaffen, sollten Sie über diese möglichen Rassekrankheiten informiert sein.

Erkrankungen des Bewegungsapparates

Krankhafte Veränderungen an den Gliedmaßen und der Wirbelsäule können bei bestimmten Kaninchenrassen gehäuft auftreten. Ein relativ bekanntes Beispiel sind wunde Läufe bei Kaninchen, auch Sohlengeschwüre oder medizinisch als Pododermatitis bezeichnet. Schwere Rassen wie Deutsche Riesen, aber auch Rex-Kaninchen leiden häufiger unter einer Pododermatitis als andere Kaninchenrassen. Typisch sind zunächst Rötungen im Fußungsbereich der Hintergliedmaßen, die durch das darüberliegende Fell anfangs unentdeckt bleiben können. Später kommt es zu einer Entzündung des Hautbereichs, zudem dringen über die defekte Haut Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze ein. Abszesse und tiefgreifende Infektionen, die im Extremfall bis zum Knochen reichen, können die Folge sein. Die Ursache für die Sohlengeschwüre ist ein zu starker Druck auf die Haut der Hinterläufe, etwa durch ein rassebedingtes hohes Körpergewicht (Riesenrassen) oder aufgrund einer spärlichen polsternden Behaarung der Gliedmaßen (Rexe). Allerdings kann eine Pododermatitis auch unabhängig von der Kaninchenrasse durch Haltungsfehler (zu wenig Bewegungsfreiheit, zu harter, unhygienischer Untergrund) auftreten.

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Riesenrassen, wie Deutsche Riesen, Riesenschecken oder Weiße Riesen, haben aufgrund ihres mitunter enormen Körpergewichts ein größeres Risiko für Verformungen im Bereich des Rückens und der Gliedmaßen sowie für eine Überlastung der Gelenke. In der Folge kann es zu einem vorzeitigem Gelenkverschleiß (Arthrose) kommen, der mit Schmerzen, Lahmheit oder einer eingeschränkten Beweglichkeit einhergehen kann.

Abb. 1: Deutsche Riesen können bis zu 12 Kilogramm schwer sein. Das Körpergewicht kann zu Problemen im Bewegungsapparat führen. Foto: Pixabay.com

Gebisserkrankungen

Zahnfehlstellungen beim Kaninchen sind ein häufiges Problem. Besonders bei kurzköpfigen Kaninchenrassen, zum Beispiel Zwergkaninchen, Farbenzwerge oder Zwergwidder, kommen Zahnfehlstellungen vor allem aufgrund eines verkürzten Oberkiefers nicht selten vor. Werden die Zahnprobleme nicht rechtzeitig bemerkt, können die Folgen fatal sein: Der fehlende Abrieb lässt die Zähne ungehindert weiterwachsen und erschwert den Tieren die Nahrungsaufnahme. Bohren sich Zahnspitzen in die umgebende Maulschleimhaut, leiden die Kaninchen zudem unter Schmerzen. Die Kurzköpfigkeit, medizinisch auch als Brachyzephalie bezeichnet, ist ein gewolltes Zuchtmerkmal, da das rundliche Aussehen der Köpfchen dem Kindchenschema entspricht und den Tieren ein besonders niedliches Aussehen verleiht. Eine entsprechend sachgemäße Zucht, die eine ausgeprägte Brachyzephalie vermeidet, sollte aus Tierschutzgründen erfolgen.

Abb. 2: Kurzköpfige Zwergkaninchen neigen zu Zahnfehlstellungen aufgrund des verkürzten Oberkiefers. Foto: Pixabay.com

Erkrankungen der Ohren

Besonders Kaninchenrassen mit Hängeohren (Widderrassen) haben ein höheres Risiko für Ohrenkrankheiten. Ihre Ohrenform mit geknicktem Ohrknorpel lässt zum einen keine ausreichende Belüftung des äußeren Gehörgangs zu, zum anderen kann das Ohrenschmalz (Cerumen) schlechter aus dem Gehörgang nach außen abtransportiert werden. Sehr enge Gehörgänge können auch bei Zwergkaninchen vorkommen und führen zu ähnlichen Problemen. Im schlecht belüfteten Gehörgang herrscht schließlich ein Milieu, indem sich Bakterien und Hefepilze gut vermehren und eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa) hervorrufen können. Unbehandelt kann der Prozess vom äußeren Gehörgang auf das Mittelohr (Otitis media) und im äußersten Fall auch auf das Innenohr (Otitis interna) übergreifen. Kaninchen, deren Ohrenform Entzündungen im Ohr begünstigt, sollten eine sorgfältige Ohrenpflege erhalten. Das behutsame Reinigen mit geeigneten Spüllösungen erleichtert zum Beispiel, dass das Ohrenschmalz abfließen kann. Außerdem fällt dem Besitzer oder der Besitzerin bei einer regelmäßigen Ohrenkontrolle frühzeitig auf, wenn sich eine Ohrenentzündung beim Kaninchen anbahnt. Eine rechtzeitige Behandlung erspart dem Tier dann Leiden und ernste Gesundheitsprobleme.

Abb. 3: Widder-Kaninchen leiden aufgrund der Hängeohren häufig unter Ohrenerkrankungen. Foto: Pixabay.com

Erkrankungen der Augen

Bedingt durch die runde Schädelform mit einem verkürzten Gesichtsschädel, leiden brachyzephale Kaninchenrassen wie Zwergkaninchen häufiger unter Augenproblemen. Auslöser ist meist ein gestörter Tränenabfluss durch einen verengten oder verstopften Tränen-Nasen-Kanal. Dies macht sich zum Beispiel durch Augen- oder Nasenausfluss bemerkbar. Entzündungen des Tränen-Nasen-Kanals können zudem auf die Zahnwurzeln übergreifen.

Andere rassebedingte Augenprobleme können eine erbliche Sehschwäche und Blindheit sein, die sich häufiger bei weißen Widdern und Albinos beobachten lassen. Auch auffällige Seitwärtsbewegungen des Kopfes, das sogenannte „Scannen“, können bei weißen Widdern vorkommen und auf Sehprobleme hinweisen.

Abb. 4: Sehschwächen kommen bei Albinos häufiger vor. Foto: Pixabay.com

Erbkrankheiten des Nervensystems

Aufgrund eines Erbdefekts, der vor allem bei Englischen Schecken auftritt, kommt es zu einer Lähmung der Hintergliedmaßen, die bei jungen, wenige Monate alten Tieren auftritt und in der Regel tödlich verläuft. Tiermediziner*innen bezeichnen die neurologische Erkrankung auch als spastische Spinalparalyse.

Selten kann bei Zwergkaninchen durch einen Gendefekt eine Spaltbildung im Rückenmark (Syringomyelie) vorkommen. Diese führt zu Bewegungsstörungen und krampfartigen (spastischen) Lähmungen der Hintergliedmaßen. Betroffene Kaninchen versterben meist an den Folgeerkrankungen, sofern sie nicht zuvor euthanasiert werden.

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Bei weißen, blauäugigen Kaninchen kann Epilepsie häufiger vorkommen als bei anderen Kaninchenrassen.

Störungen des Magen-Darm-Trakts

Alle langhaarigen Kaninchen (z. B. Angora-Kaninchen, Cashmere-Kaninchen) haben ein höheres Risiko, dass sich Haarballen, sogenannte Bezoare, im Magen bilden. Die Tiere nehmen die Haare bei der Fellpflege auf. Das Problem kann durch Haarausfall beziehungsweise durch den Fellwechsel verstärkt werden. Die Haarballen können je nach Größe zu Verdauungsproblemen bis hin zum Darmverschluss führen. Um der Bildung von Bezoaren bei Kaninchen vorzubeugen, ist es empfehlenswert, dass Besitzer*innen ihr Tier bei der Fellpflege unterstützen, indem sie abgestorbene Haare auskämmen.

Grundsätzlich liegt eine große Verantwortung in den Händen von Züchter*innen, wenn es darum geht, Rassekrankheiten bei Kaninchen zu vermeiden. Künftige Kaninchenbesitzer*innen sollten bei der Auswahl eines Haustieres nicht das vermeintlich putzige Aussehen in den Vordergrund stellen – im Mittelpunkt sollte die Gesundheit des Tieres stehen. Ein Kaninchen mit einer stabilen Gesundheit belohnt Sie und Ihre Familie letztlich mit seiner Lebensfreude.

Abb. 5: Angora-Kaninchen leiden häufiger an Haarballenbildung im Verdauungstrakt. Foto: Pixabay.com

Weitere Informationen

Autorin: Pascale Huber, Tierärztin, Chefredaktion, vetproduction GmbH
Datum: April 2021
Quellen:
Ewringmann, A.: Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie. Enke, Stuttgart 2005
Gabrisch, K., Zwart, P.: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche, Hannover 2014
Varga, M.: Textbook of Rabbit Medicine. Elsevier Health Sciences, Amsterdam 2013

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