Anzeige

Anzeige

Zum Portal für Tiermedizinische Fachangestellte TFA-Portal.de Zum Portal für Tierärzte und Tiermedizin-Studenten

Anzeige


Home » Tierkrankheiten » Kaninchenkrankheiten » Ektoparasiten beim Kaninchen

Ektoparasiten beim Kaninchen

 

Diesen Artikel teilen:

 

Ektoparasiten beim Kaninchen – die liebe Not mit den Lästlingen.

Foto: Pixabay.com

Es kann vorkommen, dass sich Kaninchen plötzlich auffällig anders verhalten: Die Tiere sind aufgeregt, ständig in Bewegung und scheinen unruhig. Zeigt ein Kaninchen dann auch noch Juckreiz, indem es sich ständig kratzt, beknabbert oder gar das Fell ausreißt, stellt sich dem Besitzer spätestens die Frage nach der Ursache für dieses seltsame Verhalten.

Die beschriebenen Symptome sollten Tierhalter alarmieren und auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Denn häufig sind lästige Ektoparasiten die Ursache für das eigentümliche Verhalten ihrer Kaninchen. Ein ausgeprägter Befall mit diesen Schädlingen kann Kaninchen auf längere Sicht erheblich beeinträchtigen und auch schaden.

Anzeige

Was sind eigentlich Ektoparasiten?

Bei Ektoparasiten handelt es sich meist um sehr kleine, zum Teil mit bloßem Auge kaum erkennbare Lebewesen. Charakteristisch für Ektoparasiten ist, dass sie für ihr eigenes Überleben auf ein anderes Lebewesen, den sogenannten Wirt, angewiesen sind. Die griechische Vorsilbe „Ekto“ zu Deutsch „außen“ deutet dabei bereits auf ihren Lebensraum hin: So haben sich Ektoparasiten im Laufe der Zeit darauf spezialisiert, sich vorübergehend oder dauerhaft auf dem Körper ihres Wirts, aufzuhalten. Dort ernähren sie sich von ihm, indem sie dessen Blut saugen oder Hautbestandteile aufnehmen. Manche Ektoparasiten pflanzen sich auch auf ihrem Wirt fort und verbringen verschiedene Entwicklungsphasen in dessen Fell oder Haut. Befallene Wirtstiere können von Ektoparasiten in unterschiedlich starkem Ausmaß beeinträchtigt oder auch geschädigt werden. Für Kaninchen, die mit Ektoparasiten befallen sind, kann dies nicht nur lästig sein, sondern auch krank machen. Denn neben ihren direkten Auswirkungen, können die Schädlinge eine Reihe von Infektionskrankheiten übertragen.

Ektoparasiten bei Kaninchen und ihre typischen Symptome

In der folgenden Übersicht sind einige häufige Ektoparasiten bei Kaninchen, deren Fachbezeichnung bei einem Befall, und ihr typisches Erscheinungsbild zusammengefasst:

EktoparasitKrankheitÄußeres Erscheinungsbild
Raubmilbe
(Cheyletiella parasitovorax)
CheyletielloseHaarausfall im Nacken
/ Zwischenschulterbereich
deutliche Schuppenbildung
/ dicke Schuppenbeläge
Milbe (Psoroptes cuniculi)OhrräudeBlätterteigartige Beläge an den Ohren
Milbe (Listrophorus gibbus)Milbenbefallteilweiser Haarausfall, meist im Nacken, aber auch über andere Körperregionen verteilt;
feine Schuppenbildung
Milben
(Notoedres cati var. cuniculi,
Sarcoptes scabiei var. cuniculi)
Notoedres-/Sarcoptesräuderäudeartige, krustig-borkige Auflagerungen an Kopf bzw. Rumpf und Gliedmaßen
Milben
(Ornithonyssus bacoti,
Liponyssoides sanguineus,
Dermanyssus gallinae)
Befall mit blutsaugenden MilbenUnruhe in den Abend- und Nachtstunden
krustenartige Hautveränderungen
Haarbalgmilbe
(Demodex cuniculi)
Demodikosestellenweiser Haarausfall,
krustige Hautveränderungen vorwiegend in Kopf- und Zwischenschulterbereich
Flöhe
(Ctenocephalides felis,
Spilopsyllus cuniculi
)
FlohbefallKrusten und haarlose Stellen
teilweise Abmagerung
[Myxomatose!]
Laus
(Haemodipsus ventricosus)
Läusebefallkahle Stellen und Krusten infolge von Juckreiz, teilweises Abmagern
Zecke
(Ixodes sp.)
Zeckenbefalllokale Schwellungen und Rötungen

 

Da ein Befall mit Ektoparasiten bzw. durch die möglichen übertragenen Krankheiten, die Gesundheit des Kaninchens gefährden kann, ist es wichtig sich mit diesem Problem zu beschäftigen. Gerade im Sommer möchten viele Tierhalter ihren Kaninchen die Möglichkeit bieten, an die frische Luft zu kommen. Doch genau in dieser Zeit ist das Risiko, dass Tiere von Ektoparasiten befallen werden, besonders hoch. Denn jetzt haben auch diese Kleinstlebewesen – wie Flöhe, Läuse, Milben, Mücken oder Zecken – ihre jahreszeitliche Hochsaison. Sie schwärmen aus, auf der Suche nach Nahrung, Partnern zur Fortpflanzung oder direkt nach einem neuen Lebensraum: ihrem neuen Wirtstier. Gewissenhafte Tierhalter, die sichergehen möchten, dass ihr Kaninchen vor diesen Plagegeistern und vor möglichen übertragenen Krankheiten geschützt ist, sollten daher einige Dinge beachten.

Wie schütze ich mein Kaninchen am besten vor Ektoparasiten?

Um zu vermeiden, dass sich Ektoparasiten bei Kaninchen einnisten oder an ihnen leben können, ist es empfehlenswert alle Tiere in einem Haushalt in regelmäßigen Abständen mit schützenden Medikamenten, sogenannten Ektoparasitika, zu behandeln. Diese Präparate werden in der Regel im Nacken auf das gescheitelte Fell der Tiere aufgetragen und verteilen sich dann schützend über den gesamten Körper. Diese Wirkstoffe haben dann meist einen vergleichbaren Effekt wie Abwehrmittel gegen Mücken oder Wespen für den Menschen. Die Schädlinge werden direkt vom Körper der Tiere abgewiesen, oder sie stoßen bei dem Versuch beim Wirt Blut zu saugen auf chemischen Widerstand. Welches Präparat dabei für das jeweilige Kaninchen das richtige ist, erfahren Tierhalter am besten in einem Beratungsgespräch mit ihrem Tierarzt. Heute gibt es eine große Anzahl verschiedener Präparate, die teilweise auch in Kombination gegen eine Reihe verschiedener Ektoparasiten eingesetzt werden können. Grundsätzlich dürfen nur Präparate verabreicht werden, die ausdrücklich für Kaninchen geeignet sind.

Neben Medikamenten gegen Ektoparasiten, können Tierhalter auch zusätzlich sinnvolle Maßnahmen zum Schutz vor einem Schädlingsbefall anwenden. Gerade in der warmen Jahreszeit, in der Kaninchen ihren täglichen Auslauf im Freien genießen, sollten die Tiere regelmäßig – z. B. einmal täglich – auf unerwünschte Mitbewohner hin untersucht werden. Dasselbe gilt dabei auch für Kaninchen, die mit anderen, fremden (Wild-) Tieren in Kontakt gekommen sind. Zudem ist es sehr wichtig auch Verunreinigungen wie z. B. Futter- oder Kotreste aus dem Fell zu entfernen. Diese können im feuchtwarmen Hochsommer Fliegen anlocken, die ihre Eier im verschmutzten Fell des Kaninchens ablegen. Bleiben diese unentdeckt, entwickeln sich schnell Maden aus den Eiern der Fliegen – Tierärzte sprechen dann auch von Myiasis. Diese Maden ernähren sich von Hautgewebe und Körperflüssigkeiten und dringen besonders über kleinere Verletzungen oder über Körperöffnungen in ihren Wirt ein. Bleibt der Fliegenmadenbefall unbemerkt, entstehen massive Hautschädigungen. Im schlimmsten Fall sind die Schäden soweit fortgeschritten, dass ein Tierarzt die betroffenen Tiere nur noch erlösen kann. Um Kaninchen in Freigehegen gegen Fliegen zu schützen, bietet es sich an, eine feinmaschige Gaze als Abschirmung zu verwenden.

Welche weiteren Maßnahmen gilt es zu beachten?

Zusätzlich zu den Abwehrmaßnahmen gegen die Ektoparasiten, sollten Schritte unternommen werden, um Kaninchen auch vor Krankheiten zu schützen, die von manchen Ektoparasiten übertragen werden können. Dazu zählt z. B. die Kaninchenseuche (Myxomatose) – eine Viruskrankheit, die über direkten Kontakt mit infizierten Tieren, aber eben auch durch blutsaugende Fluginsekten übertragen werden kann. Zum Schutz vor Myxomatose ist es empfehlenswert Jungtiere bereits im Alter ab 6 Wochen zu impfen. Und auch gegen die Chinaseuche (Rabbit Haemorrhagic Disease, RHD), eine weitere von Insekten übertragene Virusinfektion bei Kaninchen, ist ein möglichst frühzeitiger Impfschutz empfehlenswert.

Anzeige

Was tun, wenn Kaninchen von Ektoparasiten befallen wurden?

Wenn Tierbesitzer bereits Ektoparasiten bei ihrem Kaninchen entdeckt haben, bzw. Symptome einen Befall andeuten, sollte ein Besuch beim Tierarzt nicht auf die lange Bank geschoben werden. Mittels verschiedener Untersuchungen, wie z. B. der Betrachtung einer Hautprobe unter dem Mikroskop, kann der Tierarzt dem Schädling auf die Spur kommen. In bestimmten Fällen können aber auch weitere Untersuchungen in Speziallaboren notwendig sein und manche Parasiten nur auf diesem Weg eindeutig identifiziert werden. Das Ergebnis der Untersuchungen kann dabei einige Tage in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit beginnt der Tierarzt jedoch bereits mit der Behandlung des Kaninchens. So kann er beispielsweise geschädigte Hautareale vorsichtig schären, reinigen, desinfizieren und pflegend behandeln. Eventuell beginnt er auch schon mit der Gabe von Antibiotika sowie entzündungshemmender Medikamente, um Entzündungen und Juckreiz zu lindern.

Außerdem wird der Tierarzt den Tierhalter darüber beraten, welche weiteren Maßnahmen er zu Hause umsetzen kann. Dies ist besonders bei Ektoparasiten wichtig, die nicht dauerhaft auf ihrem Wirt, sondern auch in der Umgebung leben und dort Eier ablegen. Die Bekämpfung solcher Ektoparasiten kann nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn alle Aufenthaltsorte der Kaninchen großflächig mitbehandelt werden. Außerdem müssen alle Gegenstände aus dem direkten Umfeld der Tiere entweder entsorgt, oder zumindest so behandelt werden, dass keinerlei Parasitenstadien darin überleben können. Häufig sind dazu eine intensive Reinigung und Desinfektion z. B. von Käfig und Böden mit heißem Wasser und geeigneten Desinfektionsmitteln erforderlich. Der Tierarzt kann darüber beraten, welche Mittel dazu geeignet sind.

 

Weiterführende Informationen

 

Autor: Dr. med. vet. Philipp A. Zimmermann
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2018
Quellen:

Erwingmann A.: Leitsymptome beim Kaninchen – Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Enke Verlag Stuttgart 2015

Gabrisch K et al.: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2008

 

Newsletter abonnieren - Kostenlos per Mail, nützliche Infos, verständlich aufbereitet

Anzeige

Anzeige

© PixabayAnzeige

Anzeige

Aktuelle Stellenangebote
Auszeichnungen
Gewinner Health Media Award 2016 - Kategorie Tiermedizin