Hüftgelenk-Dysplasie (HD) beim Hund

Diagnose:

Hund bei der Röntgen-Untersuchung
Den Grad einer Hüftgelenk-Dysplasie stellt die Tierärztin durch eine Röntgen-Untersuchung fest. Foto: vetproduction

Wie wird eine Hüftgelenk-Dysplasie (HD) beim Hund diagnostiziert?

Tierärztinnen und Tierärzte diagnostizieren eine Hüftgelenk-Dysplasie (HD) beim Hund durch eine Röntgen-Untersuchung. Sie machen eine Röntgen-Aufnahme, indem sie den Hund auf den Rücken legen und seine Hinterbeine nach hinten strecken. Damit die Muskeln entspannt sind und das Röntgen dem Hund keine Schmerzen bereitet, ist für diese Untersuchung eine Kurznarkose sinnvoll.

Es gibt mehrere Anzeichen auf der Röntgen-Aufnahme, die auf eine Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund hinweisen:

  • Der Kopf des Oberschenkel-Knochens ist abgeflacht und sitzt nicht tief in der Gelenkpfanne (Subluxation). Manchmal ist er ganz ausgerenkt (Luxation).
  • Die Gelenkpfanne ist abgeflacht, sie umgreift den Kopf des Oberschenkel-Kopfs nicht mehr.
  • Der Hals des Oberschenkel-Kopfs ist bei einer Hüftgelenk-Dysplasie dick.
  • Der Tierarzt bestimmt auf den Röntgen-Aufnahmen mithilfe einer Schablode den sogenannten Norberg-Winkel: Er zieht eine Verbindungslinie zwischen dem Mittelpunkt beider Oberschenkel-Köpfe und bestimmt den Winkel, den diese Linie zu einer Linie am vorderen Pfannenrand einnimmt. Dieser Winkel sollte bei einem gesunden Hüftgelenk über 105° betragen; bei einer Hüftgelenk-Dysplasie ist er kleiner als 105°.
  • Im Falle einer Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund sind oft Anzeichen einer Arthrose (Gelenkverschleiß) beim Hund zu sehen – sie sind als knöcherne Zubildungen am Rand der Pfanne und am Übergang des Oberschenkel-Kopfs zum Oberschenkel-Hals zu erkennen. Liegen diese knöchernen Zubildungen genau an der Stelle der Gelenkkapsel, sprechen Tierärztinnen und Tierärzte von der Morgan-Linie.

In einigen Ländern ist noch eine zweite Röntgen-Lagerung gefordert, um eine Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund zu diagnostizieren: die sogenannte „Frosch-Aufnahme“. Der Hund liegt dabei auf dem Rücken und seine Beine sind stark gebeugt.

Es gibt eine HD-Klassifizierung nach der F.C.I. (Fédération Cynologique Internationale). Diese ordnet die Hunde entsprechend ihrer Hüftgelenk-Dysplasie-Befunde bei der Röntgen-Untersuchung in fünf verschiedene Kategorien ein:

  1. A = kein Hinweis auf HD
  2. B = fast normale Hüftgelenke
  3. C = leichtgradige HD
  4. D = mittelgradige HD
  5. E = schwere HD

Behandlung:

Wie kann eine Hüftgelenk-Dysplasie (HD) beim Hund behandelt werden?

Zur Behandlung der Hüftgelenk-Dysplasie (HD) beim Hund stehen Tierärztinnen und Tierärzten verschiedene Methoden zur Verfügung. Welche Therapie sie und die Besitzer auswählen, variiert je nachdem wie alt, wie groß und wie schwer der Hund ist und wie stark seine Beschwerden sind.

Eine komplette Heilung der Hüftgelenk-Dysplasie ist zurzeit nicht möglich und es gibt keine Behandlung, die ganz vermeiden kann, dass durch die Hüftgelenk-Dysplasie wieder eine Arthrose (Gelenkverschleiß) beim Hund entsteht.

Konservative Behandlung der Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund:

Am häufigsten wird die Hüftgelenk-Dysplasie konservativ – also nicht-operativ – behandelt. Hierbei arbeitet die Tierärztin bzw. der Tierarzt mit einer „multimodalen Schmerztherapie“. Das Ziel ist es, die Schmerzen und die Entzündung zu kontrollieren, die Gelenke des Hundes beweglich zu halten und eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Durch den Schmerz bewegen die Hunde sich weniger, die Muskeln nehmen ab, der Hund nimmt an Gewicht zu – wodurch das Gelenk weiter belastet und geschädigt wird („Teufelskreis des Gelenkschmerzes“). Dieser Kreis soll unterbrochen werden.

Bei der konservativen Therapie der Hüftgelenk-Dysplasie erhält der Hund Schmerzmittel. Unter der Schmerzmittel-Gabe wird versucht, den Hund zu bewegen und seine Muskeln aufzubauen. Schmerzmittel der Wahl sind hierbei Nicht-Steroidale-Antiphlogistika (NSAID). Diese Medikamente, beispielsweise die Wirkstoffe Carprofen, Meloxicam oder Firocoxib, wirken schmerzstillend und entzündungshemmend.

Zusätzlich ist eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Hunden mit Hüftgelenk-Dysplasie empfehlenswert, um die Gelenke zu entlasten. Begleitend ist es ratsam, eine Physiotherapie durchzuführen, um die Muskulatur des Hundes zu stärken. Futter-Ergänzungsmittel, wie Omega-3-Fettsäuren, Glycosamino-Glykane oder Extrakte aus den Grünlipp-Muscheln, sollen die Gelenkheilung fördern. Ob sie bei einer Hüftgelenk-Dysplasie dem Hund helfen, ist wissenschaftlich allerdings bislang nicht ausreichend untersucht worden.

Operative Behandlung der Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund:

Verschiedene Operationen können dem Hund bei einer Hüftgelenk-Dysplasie helfen. Bei der sogenannten Pectineus-Myoektomie wird der Pectineus-Muskel, ein Muskel, der das Hüftgelenk beugt, durchtrennt. Hierdurch soll das Hüftgelenk besser schließen. Bei der PIN-Methode durchtrennt die Tierärztin bzw. der Tierarzt die schmerzleitenden Bahnen an der Gelenkkapsel.

Ein anderer Ansatz bei der Hüftgelenk-Dysplasie sind Operationen, welche die Grundsituation am Hüftgelenk des Hundes verändern. Bei jungen Hunden kann eine Umstellung der Gelenkpfanne (Acetabulum) erfolgen. Bei der sogenannten Triple pelvic osteotomie (TPO) wird die Gelenkpfanne aus ihrer ursprünglichen Lage so versetzt, dass sie den Oberschenkel-Kopf besser umfasst. Bei dieser Operation durchtrennt die Tierärztin bzw. der Tierarzt alle drei Knochen des Beckens fügt sie neu zusammen. Diese umfassende Operation soll bei jungen Hunden verhindern, dass die schmerzhaften Veränderungen der Hüftgelenk-Dysplasie überhaupt entstehen.

Künstliches Hüftgelenk zur Behandlung der Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund:

Eine Hüftgelenk-Dysplasie bei älteren Hunden lässt sich durch den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks (Gelenkersatz, Totale Endoprothese, TEP) behandeln. Hierbei ersetzt die Tierärztin oder der Tierarzt das gesamte Hüftgelenk durch ein künstliches Gelenk.

Eine weitere Operation bei der Hüftgelenk-Dysplasie des Hundes ist die Femur-Kopf-Hals-Resektion. Tierärztinnen und Tierärzte entfernen dabei den Oberschenkel-Kopf des Hundes. Das Bindegewebe bildet eine Verbindung zwischen dem Becken und dem Oberschenkel aus. Hunde, die unter dauerhaften Schmerzen leiden, können durch diese Operation an Lebensqualität gewinnen. Die Operation wird eher bei kleineren Hunderassen empfohlen.

Alternative Behandlungsmethoden bei der Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund:

Als alternative Methoden zur Behandlung der Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund sind die Neuraltherapie und die Goldimplantation bekannt. Bei der Neuraltherapie betäubt die Tierärztin bzw. der Tierarzt die schmerzenden Stellen örtlich (Lokalanästhesie). Die Wirkung soll länger anhalten als die eigentliche Betäubung durch das Schmerzmittel. Bei der Goldimplantation verpflanzen Tierärztinnen und Tierärzte unter Narkose kleine Goldpartikel an bestimmte Akupunktur-Punkte (Goldakupunktur). Die Wirksamkeit beider Methoden ist wissenschaftlich allerdings nicht ausreichend belegt.

Prognose:

Wie ist die Prognose einer Hüftgelenk-Dysplasie (HD) beim Hund?

Die Prognose einer Hüftgelenk-Dysplasie (HD) beim Hund ist sehr unterschiedlich. Bei leichten Symptomen kann die Tierärztin bzw. der Tierarzt mit einer Kombination aus Schmerzmitteln und Physiotherapie die Situation für den Hund stark verbessern.

Hat der Hund mit Hüftgelenk-Dysplasie bereits starke Schmerzen und ist das Gelenk sehr stark degenerativ verändert (Arthrose, Gelenkverschleiß beim Hund), ist eine komplette Heilung meist nicht möglich. In einigen Fällen kommt dann aber ein Gelenkersatz in Betracht. Oftmals lässt sich erreichen, dass auch Hunde mit einer fortgeschrittenen Hüftgelenk-Dysplasie beschwerdefrei oder zumindest beschwerdearm sind.

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