Wurmkuren bei Tieren

Tabletten
Wurmkuren bei Tieren werden meist als Tabletten verabreicht. Foto: vetproduction

Definition:

Was sind Wurmkuren bei Tieren?

Mit Wurmkuren werden Tiere von Würmern (Helminthen) befreit. Bei dieser Behandlung erhält das Tier bestimmte Medikamente, die Würmer abtöten (sog. Anthelminthika).

Eine Wurmkur wird entweder zur Behandlung einer Wurminfektion (z.B. Würmern beim Hund, Würmern bei der Katze) angewandt. Oder das Tier erhält in regelmäßigen Abständen (z.B. viermal im Jahr) prophylaktisch eine Wurmkur.

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Manche Tiere stecken sich häufiger mit Würmern an als andere oder reagieren empfindlicher auf Wurminfektionen. Dazu gehören zum Beispiel Jungtiere und ältere Tiere, Tiere in Zuchtbetrieben sowie in Gebieten, in denen bestimmte Würmer besonders häufig vorkommen. Generell können sich aber alle Tiere mit Würmern anstecken.

Es ist wichtig, bei einem Tier mit einer Wurminfektion eine Wurmkur durchzuführen. Nicht nur für das Tier ist die Wurminfektion gefährlich; viele Wurmarten können auch auf den Menschen übergehen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen.

In Deutschland sind vor allem Spulwürmer, Hakenwürmer und Bandwürmer bedeutsam.

Durchführung:

Wie werden Wurmkuren bei Tieren durchgeführt?

Bei einer Wurmkur erhält das Tier ein Medikament, das die Würmer abtötet, ein sogenanntes Anthelminthikum. Zur Vorbeugung ist mit den heutigen Präparaten meistens eine einmalige Behandlung ausreichend. Ist das Tier hingegen von Würmern befallen und zeigt es Symptome einer Wurminfektion (z.B. Durchfall, Erbrechen), kann eine mehrwöchige Behandlung nötig sein.

Dies ist notwendig, da die meisten Wurmkuren bei Tieren nur gegen ausgewachsene Würmer wirken. Die Eier und Larven der Würmer töten sie dagegen nicht ab. Bei manchen Wurminfektionen spritzt die Tierärztin oder der Tierarzt das Medikament unter die Haut oder in einen Muskel.

Anthelminthika, die zur Wurmkur bei Hunden und Katzen verwendet werden, enthalten zum Beispiel die Wirkstoffe Praziquantel oder Fenbendazol. Kaninchen erhalten bei einer Wurmkur unter anderem die Wirkstoffe Fenbendazol, Mebendazol, Febantel oder Praziquantel.

Anwendungsgebiete:

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Wann werden Wurmkuren bei Tieren angewandt?

Wurmkuren werden angewandt, wenn ein Tier von Würmern befallen ist oder wenn es wahrscheinlich ist, dass das Tier sich angesteckt hat. Dies soll vermeiden, dass sich die Parasiten im Körper des Tieres ausbreiten oder dass sich andere Tiere und Menschen mit den Würmern anstecken.

Das Risiko eines Tieres, sich mit Würmern zu infizieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Jungtiere und ältere Tiere sind beispielsweise anfälliger als jüngere, ausgewachsene Tiere. Auch die Haltung, das Futter und der Einsatzbereich des Tieres spielen eine entscheidende Rolle.

Wichtig sind Wurmkuren besonders in der Zucht, denn die Würmer können vom Muttertier auf die ungeborenen Jungtiere übergehen. Manche Würmer sind auch über die Milch übertragbar. Umgekehrt kann sich ein Muttertier bei den Welpen beziehungsweise den Jungtieren mit Würmern anstecken.

Daher werden etwa Zuchthündinnen regelmäßig mehrmals pro Jahr entwurmt. Wenn sie Welpen haben, erhalten sie die Wurmkur zum gleichen Zeitpunkt wie ihre Welpen. 

Auch für Tiere, die in Gruppen leben, ist eine regelmäßige Wurmkur wichtig. Dazu gehören zum Beispiel Tiere in Zuchtbetrieben, Zwingern und Tierheimen. Frei lebende und streunende Tiere sind ebenfalls häufiger von Würmern befallen. Ein erhöhtes Risiko für Wurminfektionen haben außerdem Tiere, die rohes Fleisch oder rohen Fisch, Wildtiere und Weichtiere fressen, sowie Tiere, die in Gebieten leben, in denen Wurminfektionen besonders weit verbreitet sind.

Wie oft ist eine Wurmkur nötig?

Wie oft eine Wurmkur erfolgen sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst ist eine Entwurmung immer dann nötig, wenn ein Tier nachgewiesenermaßen von Würmern befallen ist (z.B. Würmern beim Hund, Würmern bei der Katze). Bei manchen Tieren, vor allem Hunden und Katzen, sind zudem prophylaktische Entwurmungen oder alternativ Kotuntersuchungen auf Würmer empfohlen. 

So gibt die europäische Parasitologen-Vereinigung ESCCAP e.V. Empfehlungen zur Parasiten-Prophylaxe. Sie hat ein Schema entworfen, wie oft zum Beispiel ein Hund – je nach seinem individuellen Risiko – entwurmt werden sollte. Bei einem normalen Infektionsrisiko eines Hundes empfiehlt ESCCAP e.V. mindestens vier Entwurmungen bzw. Kot-Untersuchungen auf Würmer pro Jahr. Besteht ein höheres Risiko des Hundes, sich mit Würmern zu infizieren, richtet sich die Empfehlung nach dem ESCCAP-Schema zur individuellen Entwurmung.

Welche Würmer kommen in Deutschland vor?

In Deutschland kommen vor allem Spulwürmer, Hakenwürmer und Bandwürmer vor. Auch der Herzwurm ist für Tiere von Bedeutung. Vor allem für Tiere, die sich im Ausland in betroffenen Gebieten aufhielten beziehungsweise von dort eingeführt wurden (z.B. Süd- und Osteuropa). Bei diesen Tieren ist eine Wurmkur besonders wichtig, da die Würmer auch auf den Menschen übertragbar sind.

Risiken und Komplikationen:

Welche Risiken bergen Wurmkuren bei Tieren?

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Eine Wurmkur bei Tieren birgt in der Regel kaum Risiken. Es sind sehr wenige Fälle bekannt, in denen Würmer sogenannte Resistenzen gegen bestimmte Anthelminthika entwickelt haben. Das bedeutet, dass die Würmer durch die Medikamente nicht abgetötet wurden. Insgesamt scheint dies jedoch sehr selten vorzukommen.

Durch den Abgang der Würmer und das Medikament kommt es vereinzelt nach Gabe der Wurmkur zu Nebenwirkungen wie leichtem Durchfall oder anderen Verdauungsstörungen.

Weiterführende Informationen

Autor: M. Sc. Nadja Graßmeier, Ernährungswissenschaftlerin
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum der letzten Aktualisierung: April 2022
Quellen:
European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP): Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen (Abruf: April 2022)
Kohn, B. Schwarz, G.: Praktikum der Hundeklinik. Enke Verlag 2018
Ewringmann, A.: Leitsymptome beim Kaninchen. Enke Verlag, 2016
Selbitz, H.-J., et al.: Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre, Enke, Stuttgart 2015
Schnieder, T.: Veterinärmedizinische Parasitologie. Parey, Stuttgart 2006

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