Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) bei Tieren

Hund bei der Narkose
Vor der Bestrahlung bekommt das Tier in der Regel ein Narkosemittel in die Vene gespritzt. Foto: vetproduction

Definition:

Was ist eine Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) bei Tieren?

Mit einer Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) behandeln Tierärztinnen und Tierärzte in erster Linie Krebserkrankungen bei Tieren. Sie kann alleine oder in Kombination mit einer Operation oder Chemotherapie durchgeführt werden.

Bei der Bestrahlung entstehen im Gewebe sogenannte Radikale – diese schädigen Tumorzellen und verhindern ihre Vermehrung. Das Ziel einer Strahlentherapie ist es, so viele Tumorzellen wie möglich zu zerstören und das gesunde Gewebe so wenig wie möglich zu schädigen.

Zur Durchführung der Strahlentherapie gibt es verschiedene Strahlengeräte und Strahlenarten. Man unterscheidet Gammastrahlung, Elektronenstrahlung und Röntgenstrahlung. Welche Strahlung eingesetzt wird, hängt von der Tumorart ab. Eine Bestrahlung kann das Tier heilen (kurative Behandlung) oder den Tumor verkleinern und die Lebensqualität des Tieres verbessern (palliative Behandlung).

Es gibt Tumoren, die relativ strahlensensibel sind – also gut auf eine Strahlentherapie reagieren. Hierzu zählen beispielsweise bestimmte Formen von Lymphdrüsenkrebs wie maligne Lymphome und das Plasmozytom, sowie das Sticker-Sarkom, eine Krebserkrankung der äußeren Geschlechtsorgane von Hunden.

Die Strahlentherapie beim Tier kann örtlich (lokal) oder über den ganzen Körper (systemisch) erfolgen. Bei der örtlichen Radiotherapie bestrahlt die Tierärztin bzw. der Tierarzt den Tumor – dies wird am häufigsten durchgeführt.

Eine systemische Strahlentherapie ist zum Beispiel die Gabe von Jod 131 bei Katzen, die an einer Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) leiden. Hier nimmt die Katze „verstrahltes“ Jod auf, dieses reichert sich in der Schilddrüse an und bestrahlt einen vorliegenden Schilddrüsen-Tumor.

Durchführung:

Wie wird eine Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) bei Tieren durchgeführt?

Tierärztinnen und Tierärzte passen eine Strahlentherapie der jeweiligen Krebserkrankung des Tieres an. Sie bestimmen den Bereich, der bestrahlt werden soll, sowie die Häufigkeit der Bestrahlung. Im Gegensatz zur Humanmedizin erfolgt die Bestrahlung bei Tieren nicht täglich, da hierfür eine Kurznarkose notwendig ist. Meist wird die Strahlentherapie bei Tieren dreimal pro Woche über wenige Wochen durchgeführt.

Oftmals wird die Strahlentherapie bei Tieren, die an Krebs leiden, mit einer Operation oder Chemotherapie kombiniert. Die Bestrahlung findet in der Regel ambulant statt – der Besitzer bringt sein Tier in ein Bestrahlungszentrum, wartet die Strahlentherapie ab und kann es wieder mit nach Hause nehmen.

Bei der Bestrahlung müssen die Tiere ruhig liegen, daher ist eine Kurznarkose notwendig. Die Tiere erhalten ein Narkosemittel in die Vene, durch welches sie sofort einschlafen. Schlafend legt der Tierarzt das Tier unter den Strahlenbeschleuniger. Die Bestrahlung an sich dauert nur wenige Minuten. Die Tiere erholen sich nach kurzer Zeit wieder von der Narkose und können mit ihrem Besitzer nach Hause gehen.

Anwendungsgebiet:

Wann wird eine Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) bei Tieren angewandt?

Tierärztinnen und Tierärzte wenden eine Strahlentherapie bei Tieren in erster Linie an, um eine Krebserkrankung zu behandeln. Die Bestrahlung ist sinnvoll, wenn sich die bösartigen Tumoren nicht komplett entfernen lassen oder wenn eine Chemotherapie alleine keine gute Prognose hat.

In Kombination mit einer Operation kann die Strahlentherapie vor oder nach der Operation eingesetzt werden: vorher, um den Tumor zu verkleinern, sodass eine Operation besser durchführbar ist, oder nachher, falls es nicht möglich war, den kompletten Tumor zu entfernen. In Kombination mit einer Chemotherapie kann eine Strahlentherapie die Überlebenschance des Tieres bei bestimmten Tumoren erhöhen.

Häufig eingesetzt wird die Strahlentherapie beispielsweise bei Krebserkrankungen der Maulhöhle, der Schilddrüse, der Nasenhöhlen, der Haut und des Gehirns. Es gibt Tumoren, die relativ strahlensensibel sind – sie reagieren gut auf eine Bestrahlung. Strahlensensibel sind unter anderem bestimmte Formen von Lymphdrüsenkrebs wie maligne Lymphome und das Plasmozytom, sowie das Sticker-Sarkom, eine Krebserkrankung der äußeren Geschlechtsorgane von Hunden.

Risiken und Komplikationen:

Welche Risiken birgt eine Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) bei Tieren?

Die Strahlentherapie schädigt nicht nur den bösartigen Tumor, sondern auch umliegendes gesundes Gewebe. Man unterscheidet bei Nebenwirkungen akute Effekte, die direkt oder kurz nach der Bestrahlung auftreten, und chronische Effekte, die später auftreten können.

Akute Nebenwirkungen einer Strahlentherapie bei Tieren können beispielsweise sein:

Mögliche chronische Nebenwirkungen einer Strahlentherapie bei Tieren sind:

  • Farbänderung von Haut und Haaren
  • Hautverletzungen
  • Mundtrockenheit
  • Schilddrüsen-Unterfunktion
  • Lungenentzündung
  • Nervenschäden
  • Knochenschäden, Knochentumoren

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Weiterführende Informationen

Autor: Dr. med. vet. Iris Kiesewetter
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2021
Quellen:
Baumgärtner, W. Gruber, A.D.: Spezielle Pathologie für die Tiermedizin. Thieme 2020
Simon, D.: Vorlesungsunterlagen Kleintierkrankheiten: Welche Tumoren können bei Hund und Katze erfolgreich bestrahlt werden? Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (Abruf: Oktober 2021)
Kessler, M.: Kleintieronkologie. Enke, Stuttgart 2012