Vidalta®

Vidalta® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel für Katzen, das zur Behandlung der Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) verabreicht wird.
Tiermedikamente (Symbolbild). Foto: Pixabay.com
Tiermedikamente (Symbolbild). Foto: Pixabay.com

Was ist Vidalta®?

Vidalta® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel für Katzen, das zur Behandlung der Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) verabreicht wird. Vidalta® ist als Retard-Tablette in zwei Dosierungen (Vidalta® 10 mg, Vidalta® 15 mg) erhältlich.

Welche Wirkstoffe enthält Vidalta®?

Vidalta® enthält den Wirkstoff Carbimazol. Je nach Dosierung sind in einer Retardtablette 10 mg Carbimazol oder 15 mg Carbimazol enthalten. Das Medikament hemmt die Bildung von Schilddrüsen-Hormonen und gehört somit zu den sogenannten Thyreostatika.

Wann wird Vidalta® angewendet?

Tierärztinnen und Tierärzte verordnen Vidalta® bei einer Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) bei Katzen.

Der Wirkstoff Carbimazol ist ein sogenanntes Prodrug, das heißt, dass Carbimazol unmittelbar nach der Aufnahme in den Tierkörper in seine eigentliche Wirkform, ein Molekül namens Thiamazol, umgewandelt wird. Thiamazol hemmt die Bildung der Schilddrüsen-Hormone T3 und T4, welche die Schilddrüse bei einer Überfunktion im Überschuss produziert.

Da Vidalta® nur die Bildung, aber nicht die Wirkung von T3 und T4 beeinflusst, ist die Dauer, bis sich die Konzentration der beiden Hormone im Blut normalisiert, von Katze zu Katze unterschiedlich.

Vidalta® darf nicht angewendet werden bei:

  • trächtigen oder laktierenden Katzen
  • Katzen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder schweren Lebererkrankungen
  • Katzen mit einer Autoimmunerkrankung
  • Katzen mit veränderten roten oder weißen Blutbild oder einer Störung der Blutplättchen (Thrombozyten)
  • Katzen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Carbimazol oder Thiamazol

Wie soll Vidalta® verabreicht werden?

Retard-Tabletten wie Vidalta® setzen, anders als gewöhnliche Tabletten, den Wirkstoff gleichmäßig über einen bestimmten Zeitraum frei (Retardierung). Da diese kontinuierliche Wirkstoff-Freisetzung verloren geht, wenn die Tabletten geteilt, zerkleinert oder zerdrückt werden, müssen Sie die Tabletten der Katze unbedingt als Ganzes geben.

Um eine möglichst konstante Konzentration des Wirkstoffs im Körper der Katze zu gewährleisten, sollten Sie Vidalta® der Katze immer zur gleichen Uhrzeit verabreichen. Halten Sie außerdem den Abstand zwischen der Arzneimittelgabe und Fütterung immer konstant, weil das Futter die Aufnahme des Wirkstoffs in den Tierköper erhöht.

In der Einstellungsphase verabreichen Sie der Katze eine Tablette mit 15 mg bzw. 10 mg Carbimazol einmal täglich. Therapiebegleitend bestimmt die Tierärztin oder der Tierarzt regelmäßig die Gesamt-Thyroxin-Konzentration im Blut (gesamtes T4-Schilddrüsen-Hormon). Befindet sich der Wert im Normbereich, erfolgt in der Erhaltungsphase eine Dosisanpassung. Diese hängt von der Gesamtthyroxin-Konzentration sowie von den Symptomen der Katze ab.

Die sogenannte Erhaltungsdosis ist die minimale Arzneimitteldosis, die Sie der Katze täglich verabreichen müssen, damit die Gesamt-Thyroxin-Konzentration innerhalb des Normbereichs bleibt. In der Regel liegt diese zwischen 10 mg (einmal eine 10 mg Tablette täglich) und 25 mg (einmal eine 10 mg sowie eine 15 mg Tablette täglich). Die Tierärztin bzw. der Tierarzt bestimmt weiterhin, jedoch in größeren Abständen (drei bis sechs Monate), die Gesamt-Thyroxin-Konzentration.

Welche Nebenwirkungen hat Vidalta®?

Die kontinuierliche Wirkstoff-Freisetzung von Vidalta® verringert das Auftreten von Nebenwirkungen.

Folgende unerwünschte Wirkungen von Vidalta® wurden beobachtet:

  • Häufig: Erbrechen, Durchfall, verminderter Appetit, Verschlechterung des äußeren Erscheinungsbilds, Antriebslosigkeit, Herzrasen (Tachykardie), gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie), vermehrte Harnausscheidung (Polyurie) und Flüssigkeitsmangel (Dehydration) sowie nässende Hautentzündungen, Juckreiz, Rötungen oder Haarausfall. Diese Nebenwirkungen stellen keinen Grund für einen Therapieabbruch dar, da die Symptome normalerweise mild und gut behandelbar sind.
  • Selten: Gewichtsverlust, Atembeschwerden, aggressives Verhalten, Orientierungslosigkeit, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) oder Fieber.
  • In einigen Fällen: Blutiges Erbrechen, Blutungen aus dem Maul oder dunkler Kot. Diese Symptome können auf Blutungen im Bereich des Magen-Darm-Trakts (gastrointestinale Blutungen) hinweisen. Hier entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt, ob die Dosis reduziert oder die Therapie ganz abgebrochen werden muss.
  • Nierenprobleme (Reduzierung der sogenannten glomerulären Filtrationsrate), Erhöhung der Leberwerte. In schweren Fällen kann es nötig sein, die Behandlung mit Vidalta® vorübergehend oder ganz abzubrechen.
  • Während der ersten vier bis sechs Behandlungswochen können Nebenwirkungen wie eine Blutarmut (Anämie), eine erhöhte oder verringerte Anzahl an weißen Blutkörperchen, ein Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie) oder der Lymphozyten (Lymphopenie) auftreten. Bei anhaltenden oder schweren Störungen sollte die Behandlung eingestellt werden. In den meisten Fällen klingt diese Veränderung innerhalb eines Monats nach Beendigung der Therapie ab.

Die beobachteten Nebenwirkungen verschwinden normalerweise nach dem Therapieabbruch wieder.

Weiterführende Informationen

Wichtiger Hinweis: Bitte beachten Sie, dass dieser Text keine Beratung, Empfehlung oder Aufforderung im Hinblick auf den Kauf und/oder die Anwendung von Medikamenten darstellt. Die medizinischen Informationen stellen weder derartige Beratungen dar noch haben sie zum Zweck, den Tierarzt-Besuch, d.h. eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch approbierte Tierärztinnen und Tierärzte, zu ersetzen. Sie dienen ausschließlich Ihrer Information und sollen weder zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung bei Ihrem Tier auffordern. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Problemen Ihres Tieres immer an eine Tierärztin oder einen Tierarzt!

Autorin: Dr. Silke Kerscher-Hack, Apothekerin
Datum der letzten Aktualisierung: Mai 2022
Quellen:
MSD Tiergesundheit: Information: Vidalta®.
https://www.msd-tiergesundheit.de/produkte/vidalta/ (Abruf: Mai 2022)

University of Zurich. Institute of Veterinary Pharmacology and Toxicology: Vidalta.
http://www.vetpharm.uzh.ch/ (Abruf: Mai 2022)