Vetoryl®

Vetoryl® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung des Cushing-Syndroms beim Hund. Vetoryl® enthält den Wirkstoff Trilostan.
Tiermedikamente (Symbolbild). Foto: Pixabay.com
Tiermedikamente (Symbolbild). Foto: Pixabay.com

Was ist Vetoryl® ?

Vetoryl® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung des Cushing-Syndroms beim Hund. Vetoryl® ist als weißliche Hartkapseln mit schwarzer Kappe erhältlich.

Welche Wirkstoffe enthält Vetoryl®?

Vetoryl® enthält den Wirkstoff Trilostan. Typisch für das Cushing-Syndrom beim Hund ist eine übermäßige Nebennieren-Funktion.

Was bewirkt Vetoryl®beim Hund?

Vetoryl® wirkt bei der Behandlung des Cushing-Syndroms, indem es ein Enzym hemmt, das in der Nebenniere an der Bildung der Hormone Kortisol, Kortikosteron und Aldosteron beteiligt ist.

Eine Kapsel Vetoryl® enthält entweder 10, 30, 60 oder 120 mg Wirkstoff. Die Wirkstoff-Menge ist auf der Kapsel aufgedruckt.

Wann wird Vetoryl® angewendet?

Vetoryl® wird angewendet, um das Cushing-Syndrom beim Hund zu behandeln. Eine andere Bezeichnung für das Cushing-Syndrom ist Hyperadrenokortizismus.

Typisch für diese Erkrankung ist eine Überfunktion der Nebennierenrinde. Es gibt verschiedene Ursachen für das Cushing-Syndrom:

  • Beim zentralen Cushing-Syndrom gibt das Gehirn der Nebennierenrinde fälschlicherweise die Anweisung, zu viele Steroidhormone herzustellen. Der Grund ist häufig ein Hypophysen-Tumor im Gehirn.
  • Beim adrenalen Cushing-Syndrom setzt die Nebennierenrinde dagegen von selbst zu viele Hormone frei, oft infolge eines Nebennieren-Tumors.

Um das Cushing-Syndrom zu heilen, ist oft eine operative Entfernung des Tumors notwendig. Allerdings ist nicht jeder Tumor operabel, und die Tierärztin bzw. der Tierarzt muss abwägen, ob die Risiken einer Operation vertretbar sind.

Die Symptome des Cushing-Syndroms lassen sich auch medikamentös mittels Vetoryl® behandeln. Eine solche Behandlung muss meist lebenslang erfolgen, da Vetoryl® die Krankheit nicht heilt, sondern lediglich die Symptome bekämpft.

Typische Symptome des Cushing-Syndroms sind vermehrter Durst, begleitet von verstärktem Wasserlassen, Muskelschwäche und Lethargie, verstärkter Appetit, Hängebauch, exzessives Hecheln, Haarausfall sowie dünne, krankheitsanfällige Haut.

Mit Vetoryl® lässt sich sowohl das zentrale, als auch das adrenale Cushing-Syndrom erfolgreich behandeln. Indem Vetoryl® das Enzym hemmt, das an der Bildung von Steroidhormonen in der Nebennierenrinde beteiligt ist, senkt das Arzneimittel die Menge an Steroidhormonen im Blut. Hohe Dosen Vetoryl® hemmen zusätzlich die Bildung von Steroidhormonen in den Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke).

Wie lange dauert es bis Vetoryl® hilft?

Beschwerden wie übermäßiger Durst können einige Wochen nach der Einnahme abklingen, bis sich Symptome an Haut und Fell bessern, können auch drei Monate vergehen.

Vetoryl® darf nicht angewendet werden bei:

  • Hunden mit weniger als drei Kilogramm Körpergewicht
  • Hunden, die an einer Leberentzündung (Hepatitis) oder einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) leiden
  • Trächtigen und säugenden Hunden
  • Zuchttieren
  • Hunden, bei denen eine Überempfindlichkeit gegen Trilostan oder einen anderen Inhaltsstoff von Vetoryl® vorliegt oder vermutet wird

Wie soll Vetoryl® verabreicht werden?

Tierärztinnen und Tierärzte verordnen Vetoryl® nur, nachdem sie das Cushing-Syndrom sicher diagnostiziert haben. Hierzu werden Blut und Urin des Hundes mittels spezieller Tests untersucht. Durch eine Ultraschall-Untersuchung lässt sich feststellen, ob ein Tumor in der Nebenniere vorliegt. Ein Tumor in der Hypophyse lässt sich mittels Computertomografie oder Magnet-Resonanz-Tomografie diagnostizieren.

Da das Cushing-Syndrom meist erst bei älteren Tieren (10 bis 15 Jahre) auftritt, liegen oft weitere Erkrankungen vor. Vor der Verabreichung von Vetoryl® sind daher unbedingt Leber- und Nierenkrankheiten beim Hund auszuschließen, da diese Erkrankungen eine Behandlung mit Vetoryl® ausschließen. Außerdem muss die verabreichte Dosis sorgfältig gewählt und bei Bedarf angepasst werden. Hierzu ist es notwendig, bestimmte Blutwerte wie Harnstoff, Kreatinin, Leberenzyme und Elektrolyte regelmäßig tierärztlich zu überprüfen.

Zu Beginn der Behandlung mit Vetoryl® erhält der Hund morgens mit dem Futter zwei bis sechs Milligramm Trilostan pro Kilogramm Körpergewicht. Um diese Dosierung zu erreichen, können Kapseln mit unterschiedlichen Wirkstoff-Mengen kombiniert werden. Nach zehn Tagen untersucht die Tierärztin oder der Tierarzt erneut das Blut und passt gegebenenfalls die Dosierung von Vetoryl® an.

Der Hund sollte immer die geringste Wirkstoff-Menge erhalten, die gerade noch ausreicht, um die Symptome des Cushing-Syndroms zu unterdrücken. Wenn die optimale Vetoryl®-Dosis gefunden ist, sind nur noch alle drei Monate tierärztliche Kontrollbesuche notwendig.

Bitte waschen Sie sich nach der Verabreichung von Vetoryl® die Hände. Die Vetoryl®-Hartkapseln dürfen nicht zerbrochen oder geöffnet werden, weil der Inhalt der Kapseln zu Haut- und Augenreizungen führen kann. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten den Kontakt mit den Vetoryl®-Kapseln meiden.

Bei Personen mit einer bekannten Unverträglichkeit gegen Trilostan oder einen anderen Inhaltsstoff des Arzneimittels ist es ebenfalls empfehlenswert, auf den Kontakt mit den Kapseln zu verzichten.

Was kostet Vetoryl®?

Der Preis für Vetoryl® kann je nach Anbieter variieren.

Welche Nebenwirkungen hat Vetoryl® ?

Da Vetoryl® die Funktion der Nebennieren hemmt, kann eine Überdosierung zu denselben Symptomen wie eine Nebennieren-Unterfunktion führen. Sollten bei Ihrem Hund Appetitlosigkeit, Schwäche, Lethargie, Zittern, Fieber, Erbrechen, Durchfall, Herz-Kreislauf-Probleme oder ein Zusammenbruch auftreten, setzen Sie Vetoryl® sofort ab und suchen Sie unverzüglich Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt auf.

Weiterführende Informationen

Wichtiger Hinweis: Bitte beachten Sie, dass dieser Text keine Beratung, Empfehlung oder Aufforderung im Hinblick auf den Kauf und/oder die Anwendung von Medikamenten darstellt. Die medizinischen Informationen stellen weder derartige Beratungen dar noch haben sie zum Zweck, den Tierarzt-Besuch, d.h. eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch approbierte Tierärztinnen und Tierärzte, zu ersetzen. Sie dienen ausschließlich Ihrer Information und sollen weder zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung bei Ihrem Tier auffordern. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Problemen Ihres Tieres immer an eine Tierärztin oder einen Tierarzt!

Autorin: Dr. Annukka Aho-Ritter, Diplom-Biologin
Tierärztliche Qualitätssicherung: Pascale Huber, Tierärztin 
Datum der letzten Aktualisierung:
Januar 2023
Quellen:
University of Zurich. Institute of Pharmacology and Toxicology: Informationssystem CliniPharm CliniTox. Vetoryl® 30 mg ad us. vet., Hartkapseln. https://www.vetpharm.uzh.ch/tak/05000000/00057692.01 (Abruf: Juni 2022)
Dechra: Vetoryl. https://www.dechra.de/produkte/de/hund/arzneimittel/verschreibungspflichtig/vetoryl#Vetoryl-5-mg (Abruf: Juni 2022)