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So groß ist der CO2-Fußabdruck eines Hundes

 

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Foto: Pixabay.com

Ein Hund möchte fressen, täglich ausgeführt und verwöhnt werden, weshalb seine Haltung ein außerordentlich kostspieliges und zeitintensives Hobby darstellt. Doch welchen Einfluss hat ein Hundeleben eigentlich auf unsere Umwelt? Dieser Frage ist ein Team um Prof. Dr. Matthias Finkbeiner des Fachbereichs Sustainable Engineering an der Technischen Universität Berlin auf den Grund gegangen – Mit verblüffenden Ergebnissen.

Immer wieder stolpert man in den letzten Jahren über den Begriff „ökologischer Fußabdruck“ und Tipps, wie man diesen verringern kann. Man solle weniger tierische Produkte essen, kürzer duschen und auf die altbewährte Bahn setzen, statt zu fliegen. Gewiss haben nur die Wenigsten in diesem Zusammenhang auch schon einmal an ihre geliebten Vierbeiner gedacht. Dabei haben Forscher der Technischen Universität Berlin nun erschreckende Zahlen offenbart: Circa 8,2 Tonnen CO2 verursacht der durchschnittliche Hund im Laufe seines Lebens, eine Menge, die 13 Hin- und Rückflügen von Barcelona nach Berlin entspricht.

15 Kilogramm und 13 Lebensjahre

Auf Grundlage dieser Daten untersuchten Kim Maya Yavor und Dr. Annekatrin Lehmann unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Finkbeiner am Fachgebiet Sustainable Engineering die umfassende Ökobilanz eines durchschnittlichen Hundes. Die Studie „Environmental Impacts of a Pet Dog: An LCA Case Study“ ist die erste ihrer Art, denn nie zuvor erfolgte eine solch umfangreiche Analyse des ganzen Hundelebens. Ob die notwendige Futter- und Verpackungsproduktion, Kot und Urin oder die Produktion der Tüten zum Einsammeln der Exkremente: Alle auf die Umwelt wirkenden Stoff- und Energieströme wurden in der Untersuchung berücksichtigt. 

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Exkremente sind ein großer Schadträger

Knapp 2000 Liter Urin und rund eine Tonne Kot scheidet ein Hund im Laufe seines Lebens aus. Insbesondere in einer der 15 untersuchten Umweltkategorien wie Klimawandel, Smog und Landnutzung fiel diese große Menge an Ausscheidungen ins Gewicht. Bis zu 90 Prozent der Süßwasser-Eutrophierung sei laut Studie eine Folge von Kot- und Urinbestandteilen.

„Da es zum Hundekot keine Stoffdaten gab, mussten wir entsprechende Analysen in Auftrag geben, um die ausgeschiedenen Mengen an Phosphor, Stickstoff und Schwermetallen zu ermitteln. Phosphor und Stickstoff haben erheblichen Einfluss auf die Eutrophierung, also die unerwünschte Nährstoffzunahme in den Gewässern, die Schwermetalle auf die Vergiftung des Bodens“, so Finkebeiner.

Hundekot sollte daher stets eingesammelt werden. Die Produktion der Kotbeutel stellt zwar ebenfalls eine Belastung für die Umwelt dar, jedoch eine weitaus kleinere, als zurückgelassene Häufchen.

Jede Menge Fleisch im Hundefutter

Der Hund ist ein Fleischfresser und daher besteht auch sein Futter zu einem Großteil aus verschiedenen Fleischsorten. Wenn es nach dem Halter geht, gibt es dabei keine Grenze nach oben. Möglichst nah soll die Nahrung des Hundes dem des Wolfes kommen, weshalb es in Bezug auf Fleisch gilt: „Mehr ist mehr.“

Wo diese Tonnen an Hundefutter jährlich produziert werden, beziehungsweise woher das zu verarbeitende Fleisch stammt, wird dabei oft nicht bedacht. Massentierhaltung ist hier das Stichwort und diese steht bei Verbrauchern zunehmend in der Kritik. Und das zurecht, denn der konventionellen Nutztierhaltung wird ein beachtlicher Anteil an der globalen Klimaerwärmung zugesprochen.

Die Größe macht den Unterschied

Dackel oder Dogge – Die Größe des Hundes hat laut Finkebeiner einen entscheidenden Einfluss auf seinen ökologischen Fußabdruck. Was ganz logisch erscheint, wurde in der Studie anhand der analysierten Ökobilanz eines 7,5 Kilogramm schweren achtjährigen Hundes (drei Tonnen CO2-Produktion) sowie eines 30 Kilogramm schweren 18 Jahre alten Hundes (19 Tonnen CO2-Produktion) veranschaulicht.

Die Ökobilanz ist bei der Wahl einer Hunderasse sicherlich nicht der bestimmende Faktor. Vielleicht verleiten die Ergebnisse der Studie den ein oder anderen Hundehalter trotzdem dazu, die Größe in die Entscheidung künftig mit einfließen zu lassen. Schließlich leben immer mehr Hunde in Deutschland, so waren im Jahr 2000 noch fünf Millionen der Tiere gemeldet während sich die Zahl bis zum letzten Jahr bereits verdoppelt hatte (10,1 Millionen Hunde). Ob Chihuahua oder Golden Retriever, macht bei diesen Dimensionen einen gewaltigen Unterschied für unsere Umwelt aus.

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Ein Großteil des menschlichen „Umweltbudgets“ verbraucht

Die Idee der Studie rührt von einer vergleichbaren Untersuchung des menschlichen ökologischen Fußabdrucks her. Auf eigenen Wunsch krempelte der mittlerweile 52 Jahre alte Dirk Gratzel seinen Lebensstil komplett um und schaffte es so, seinen jährlichen CO2-Ausstoß von 27 Tonnen auf 7,2 Tonnen zu reduzieren. Begleitet wurde er während dieser Zeit durch das Projekt „Life-LCA: Ökobilanzierung eines Menschen“, ebenfalls geleitet von Prof. Finkebeiner.

Einer umfassenden Analyse seiner bisherigen Ökobilanz folgten rund 60 Maßnahmen, mit dem Ziel, die Umwelt künftig weniger zu belasten. Von einem „Luxushobby“ wollte Gratzer sich jedoch auf keinen Fall trennen. Auch wenn die Studie erstmals aufzeigte, welch beachtlichen Einfluss ein Haustier auf die Umwelt hat, durfte Familienhund Emil bleiben.

Insgesamt zeigte diese Studie, dass ein weitaus umweltfreundlicherer Lebensstil mit viel Selbstdisziplin zu erreichen ist. Von den empfohlenen umweltkompatiblen 2 Tonnen CO2 jährlich blieb Gratzer trotzdem weit entfernt.

Die im Rahmen des auf Gratzers Fall aufgebauten Projekts „Environmental Impacts of a Pet Dog: An LCA Case Study“ ermittelte jährliche CO2-Produktion eines durchschnittlichen Hundes entspricht dabei mit 630 Kilogramm bereits einem Drittel des empfohlenen Ausstoßes seines Halters.

Weitere Informationen

Autorin: Hannah Marks, Cand. med. vet.
Datum: September 2020
Quellen:
Forschung-und-wissen: Ökobilanz eines Hundes ermittelt. (https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/umwelt/oekobilanz-eines-hundes-ermittelt-13374107) (Abruf: 09/2020)
Technische Universität Berlin: Ein Hundeleben und sein CO2-Fußabdruck. (https://www.tu.berlin/ueber-die-tu-berlin/profil/pressemitteilungen-nachrichten/2020/august/oekobilanz-eines-hundes/) (Abruf: 09/2020)
Technische Universität Berlin: Ökologische Inventur eines Menschen. (https://www.tu.berlin/ueber-die-tu-berlin/profil/pressemitteilungen-nachrichten/2020/august/oekologische-inventur-eines-menschen/) (Abruf: 08/2020)
Yavor, K. M. et al.: Environmental Impacts of a Pet Dog: An LCA Case Study. Sustainability 2020, 12(8), 3394

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