Meerschweinchen: Was sind die häufigsten Krankheiten?

Die wichtigsten Meerschweinchen-Krankheiten - so beugen Sie ihnen vor.
Meerschweinchen kratzt sich
Häufiges Kratzen kann ein Zeichen für Krankheiten beim Meerschweinchen sein. Foto: vetproduction

Was gibt es für typische Meerschweinchen-Krankheiten?

Meerschweinchen sind zwar nicht sehr krankheitsanfällig, doch wenn die kleinen Nager einmal erkranken, ist meist schnelles Handeln gefragt. Bestimmte Erkrankungen sind bei Meerschweichen typisch, zum Beispiel Störungen des Verdauungstrakts oder Zahnprobleme. Besonders, weil der Verdauungstrakt der Tiere sehr komplex ist, kann sich der Zustand der Meerschweinchen rasch verschlechtern und ein Gang in die Tierarzt-Praxis ist erforderlich.

Meist sind Haltungs- oder Ernährungsfehler für Meerschweinchen-Krankheiten verantwortlich. Es gibt auch einige arttypische Meerschweinchen-Krankheiten, wie zum Beispiel Lippengrind oder Blähungen. Wir haben die wichtigsten Meerschweinchen-Krankheiten für Sie zusammengefasst und erklären, wie Sie diesen vorbeugen können.

Abszess (Eitergeschwür) bei Meerschweinchen

Bei einem Abszess handelt es sich um eine Entzündung und Ansammlung von Eiter im Gewebe. Manchmal bluten die betroffenen Stellen etwas oder sie sind verkrustet. Es gibt verschiedene Ursachen von einem Abszess bei Meerschweinchen, beispielsweise Verletzungen oder Erkrankungen an Augen und Zähnen.

Backenabszesse kommen bei Meerschweinchen verhältnismäßig häufig vor und können durch spitze Futterstücke oder Knabberäste entstehen. Auch Ballenabszesse sind häufig bei Meerschweinchen. Sie entstehen durch einen falschen oder verschmutzen Untergrund (z.B. durch Urin).

Bei einem Abszess sollten Sie Ihr Meerschweinchen einer Tierärztin oder einem Tierarzt vorstellen. In der Praxis wird der Abszess zunächst lokal durch eine Spülung und Reinigung der Wunde behandelt. Zusätzlich erhält das Meerschweinchen Antibiotika-haltige Salben. Vermeiden Sie es, bis zum Tierarzt-Besuch auf dem Abszess herumzudrücken, dies verschlimmert die Entzündung meist nur. Abszesse bei Nagetieren treten häufig wiederholt auf. Eventuell muss der Abszess mitsamt der Abszess-Kapsel operativ entfernt werden, damit er nicht erneut auftritt.

Mit einer guten Hygiene (z.B. Reinigung des Meerschweinchenkäfigs) und der richtigen Ernährung können Sie jedoch die Verletzungs- und Erkrankungsgefahr Ihres Meerschweinchens verringern.

Zahnkrankheiten bei Meerschweinchen

Zahnkrankheiten bei Meerschweinchen umfassen unter anderem Zahnfehlstellungen, Zahnanomalien oder eine Überlänge der Zähne durch unzureichende Abnutzung. Bei Zahnerkrankungen fressen Meerschweinchen meistens schlecht, speicheln und haben eine verklebte Mundpartie.

Durch die schlechte Futteraufnahme kann es im weiteren Verlauf zu einer gestörten Verdauung und Abmagerung kommen. Falls das Meerschweinchen unter einer Zahnfehlstellung leidet, kann es notwendig sein, die Zähne in regelmäßigen Abständen von einer Tierärztin oder einem Tierarzt kürzen zu lassen.

Die Zähne der Nagetiere wachsen ein Leben lang und müssen durch das Fressen abgerieben werden. Stellen Sie Ihrem Meerschweinchen deshalb immer genug Material zum Nagen in Form von Knabberhölzern oder Knabberstangen zur Verfügung.

Parasiten und Pilze bei Meerschweinchen

Zu den häufigsten Meerschweinchen-Krankheiten zählt der Befall mit Parasiten und Pilzen, da diese auch zwischen Artgenossen übertragen werden. Milben, Haarlinge und Flöhe lösen einen starken Juckreiz bei den Meerschweinchen aus und führen zu schweren Hauterkrankungen. Manche fragen sich etwa: „Wie erkennt man Räude beim Meerschweinchen?

Parasiten sind zwar nicht lebensgefährlich, müssen aber tierärztlich behandelt werden. Gleiches gilt für einen Pilzbefall bei Meerschweinchen, welcher ebenfalls mit Kratzen und zusätzlich mit einem kreisrunden Haarausfall einhergeht.

Bei einem Parasitenbefall kann die Tierärztin oder der Tierarzt den Wirkstoff (das Antiparasitikum) mit einem Spot-on-Präparat oder einer Spritze verabreichen. Manchmal ist ein medizinisches Bad mit einem speziellen Shampoo erforderlich.

Um Parasiten beim Meerschweinchen vorzubeugen, achten Sie stets auf eine gute Käfighygiene und waschen Sie Frischfutter gründlich mit lauwarmem Wasser ab.

Lippengrind (entzündete Lippen und Mundwinkel) bei Meerschweinchen

Lippengrind bei Meerschweinchen entsteht vor allem durch einen Mangel an den Vitaminen A, B und C oder einen Proteinmangel bei der Ernährung. Dabei kommt es zu einer Verdickung der Lippen und Entzündungen der Mundwinkel.

Tierärztinnen und Tierärzte behandeln den Lippengrind bei Meerschweinchen meist mit Salben. Besonders ein Vitamin-C-Mangel kann Meerschweinchen-Krankheiten auslösen, da Meerschweinchen das Vitamin nicht selbstständig im Körper herstellen können.

Versorgen Sie die Nagetiere deshalb immer mit genügend Frischfutter und reichhaltigem Grünfutter, wie beispielsweise Brokkoli oder Petersilie. Diese enthalten besonders viel Vitamin C.

Tympanie (Gasansammlung) bei Meerschweinchen

Unter einer Tympanie bei Meerschweinchen versteht man eine Gasansammlung im Darm oder Magen des Tieres. Das Meerschweinchen ist apathisch und hat einen aufgeblähten Bauch. Durch die Aufgasung frisst es nur sehr unregelmäßig und magert ab.

Der Magen von Meerschweinchen ist sehr anfällig für Futter, welches Gärungsprozesse und Fäulnisprozesse in Gang setzen kann. Eine Tympanie entsteht häufig durch schlecht gewordenes Grünfutter und in einigen Fällen auch durch Infektionen. Die Tiere zeigen dann oft eine beschleunigte Atmung und Bauchschmerzen beim Hochheben.

Eine Tierärztin oder ein Tierarzt erkennt eine Tympanie durch das Abtasten und eine Röntgen-Untersuchung des Meerschweinchens. Eine akute Tympanie lässt sich in der Regel gut mit Medikamenten behandeln. Eine schwere Tympanie erfordert dagegen meist tierärztliche Sofortmaßnahmen und gegebenenfalls die Entgasung des Magens über eine Sonde.

Wie erkennt man ein krankes Meerschweinchen?

Ist ein Meerschweinchen erkrankt, können verschiedene Anzeichen bestehen. Zeigt das Tier etwa Fressunlust, ist auffallend ruhig oder gar apathisch, ist ein Tierarztbesuch ratsam. Daneben können zum Beispiel Durchfall oder starker Juckreiz Hinweise auf Probleme des Verdauungstrakts oder auf Hauterkrankungen sein.

Welche Krankheiten von Meerschweinchen sind auf Menschen übertragbar?

Vor allem Infektionen mit Hautpilzen (Dermatomykosen) sind leicht auf Menschen übertragbar. Dann können juckende Hautveränderungen vor allem an den Händen, Unterarmen und mitunter auch im Gesicht auffallen. Besonders Kinder schmusen gerne mit ihren Haustieren. Um Infektionen zu vermeiden, ist es ratsam, Kindern Hygienemaßnahmen zu zeigen. Dazu zählt zum Beispiel gründliches Händewaschen nach dem Kontakt mit Haustieren.

Tipps für den Transport des Meerschweinchens zur Tierarzt-Praxis

Erkundigen Sie sich am besten schon im Vorfeld nach einer Tierarzt-Praxis in Ihrer Nähe, die auf die Behandlung von Nagetieren spezialisiert ist. Transportieren Sie das Meerschweinchen in einer kleinen Transportbox, dies ist für das Tier meist stressärmer als der Transport auf dem Arm. Eine Transportbox ist im Tierhandel erhältlich, oder Sie verwenden ein geeignetes Gefäß aus dem Haushalt.

Achten Sie dabei darauf, dass die Box stabil ist und das Tier mit ausreichend Luft versorgt wird. Damit das Meerschweinchen nicht ganz so ängstlich ist, geben Sie noch ein wenig Einstreu aus dem Käfig hinzu. So sind Sie im Fall der Fälle gut auf die Fahrt in die Tierarzt-Praxis vorbereitet.

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Weiterführende Informationen

Autor: Klaudia Fernowka, B.A.
Tiermedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Philipp A. Zimmermann
Datum der letzten Aktualisierung: November 2022
Quellen:
Baumgärtner, W. Gruber, A.D.: Spezielle Pathologie für die Tiermedizin. Thieme 2020
Gabrisch, K.; Zwart, P.: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche, Hannover 2014
Descher, Birgit et. al.: Meerschweinchen: Heimtier und Patient. Enke Verlag, Stuttgart 2012
Ewringmann, Anja et.al.: Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu. Enke Verlag, Stuttgart 2012