Trächtigkeit, Geburt und Jungtierpflege bei Kaninchen

Jungtier Kaninchen
Ein Kaninchen-Jungtier. Foto: Pixabay.com

Kaninchen zählen zu den Tieren, die für ihre Fortpflanzung, Geburt und Aufzucht normalerweise kaum auf menschliche Hilfe angewiesen sind. Dennoch gibt es viele wichtige Informationen, die Halter*innen rund um das Thema Geburt und Aufzucht von Kaninchen wissen sollten. Erfahren Sie hier mehr zum Thema Nachwuchs bei Kaninchen!

Wann werden Kaninchen geschlechtsreif?

Wann Kaninchen geschlechtsreif werden, hängt unter anderem von der Rasse ab. Während kleine Rassen eher früher fortpflanzungsfähig sind, ist dies bei großwüchsigen Rassen meist später der Fall. Um nicht ungewollt von Kaninchenbabys überrascht zu werden, sollten Kaninchenhalter*innen aufmerksam sein: Ab einem Alter von etwa drei Monaten (z. B. bei Zwergkaninchen) können die Tiere geschlechtsreif sein. Wer sich tierischen Nachwuchs wünscht beziehungsweise Kaninchen züchten möchte, sollte jedoch beachten, dass „Geschlechtsreife“ nicht gleich „Zuchtreife“ ist. Denn wenn Häsinnen zu jung trächtig werden, können Probleme entstehen. Umgekehrt ist es aber auch ratsam, dass die erste Trächtigkeit nicht zu spät erfolgt, da auch dann das Risiko für Komplikationen wieder ansteigt.

Damit ein Kaninchen als zuchtreif gilt, sollte es körperlich voll ausgewachsen sein. Je nach Rasse kann dies nach acht, bei manchen Rassen auch nach zwölf Monaten der Fall sein. Ein Alter von einem bis eineinhalb Jahren gilt für eine Häsin als guter Zeitpunkt für ihren ersten Wurf. Tiere, die älter als vier bis fünf Jahre alt sind, sollten wiederum nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden, da sich auch hier Probleme rund um die Geburt häufen.

Hitze und Paarung

Meist kann man bei der Häsin aufgrund des geröteten und leicht angeschwollenen Genitals erkennen, ob sie in der Hitze ist. Grundsätzlich zählen Kaninchen zu den Tieren, bei denen der Eisprung durch den Deckakt (mitunter auch durch das Aufreiten weiblicher Tiere) provoziert wird. Nach dem Eisprung stehen die Eizellen für einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen zu Befruchtung bereit. Wer Kaninchennachwuchs möchte, sollte Rammler und Häsin am besten in ein separates Gehege mit ausreichend Bewegungsspielraum für das Werbeverhalten setzen und ihnen ein paar gemeinsame Tage gönnen.

Trächtigkeit

Durchschnittlich dauert eine Trächtigkeit bei Kaninchen um die 30 Tage, mit einer Abweichung von zwei bis drei Tagen. Ob eine Paarung erfolgreich war oder nicht, lässt sich nach dem Deckakt allerdings zunächst nicht erkennen. Wer mit Kaninchenzucht bereits Erfahrung hat, kann etwa zwei Wochen nach dem Deckakt die Ungeborenen eventuell ertasten. Für Ungeübte ist es allerdings ratsam, dies lieber durch einen Tierarzt oder einer Tierärztin prüfen zu lassen – oder sich noch etwas in Geduld zu üben, bis sich deutlichere Trächtigkeitszeichen entwickeln. Auch am Verhalten lässt sich beim Kaninchen meist eine nahende Mutterschaft ablesen, etwa wenn die Häsin unruhiger wird, mit dem Nestbau beginnt und sich zum Auspolstern des Nests das Fell am Bauch ausrupft. Dies lässt sich etwa zwei Wochen vor der anstehenden Geburt beobachten. Ganz sicher bestätigt dieses Verhalten eine Trächtigkeit beim Kaninchen jedoch nicht: Scheinträchtige Kaninchen verhalten sich genauso wie trächtige. Unter Umständen verrät ein zunehmender Bauchumfang, dass Kaninchenbabys unterwegs sind – dies ist aber auch nur dann der Fall, wenn ein besonders großer Wurf ansteht. Wer ganz sicher wissen will, ob sein Kaninchen trächtig ist oder nicht, kann dies durch eine Ultraschalluntersuchung beim Tierarzt oder bei der Tierärztin prüfen lassen.

Damit ein trächtiges Kaninchen ein wärmendes Nest vorbereiten kann, muss ihm selbstverständlich genügend Nistmaterial wie lockeres, trockenes, sauberes Heu zur Verfügung stehen.

Wichtig für werdende Kaninchenmütter ist außerdem eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung, die nun etwas energiereicher sein darf als sonst. Gegebenenfalls können Halter*innen durch einen separaten Zugang zum Futter sicherstellen, dass das trächtige Tier auch tatsächlich seine Extrarationen erhält.

Wie bei jeder werdenden Mutter sollten auch trächtige Kaninchen möglichst keinem Stress ausgeliefert sein. Falls es zu Rangordnungskämpfen bei Gruppenhaltung kommt, kann es daher sinnvoll sein, trächtige Tiere zu separieren. In friedlichen Gruppen ist dies normalerweise nicht erforderlich.

Geburt

Meistens gebären Häsinnen ihre Jungen in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden. Oft vollzieht sich die Geburt nahezu unbemerkt und im Stillen. Die Anzahl an Neugeborenen kann stark variieren und zwischen drei und zehn, seltener auch mehr Junge umfassen. In der Regel benötigen Kaninchenmütter keine Hilfe bei der Geburt. Im Gegenteil: Es ist wichtig, dass sich die Tiere unter der Geburt unbeobachtet fühlen. Ist ein Junges geboren, entfernt die Mutter die Eihäute und nabelt Tier für Tier ab. Normalerweise verzehrt die Häsin Geburtsanhänge wie Eihäute und Plazenta.

Kaninchenmütter sind fürsorglich, säubern ihre Babys und säugen sie meist, sobald alle Jungtiere geboren sind. Das Säugen dauert oft nur wenige Minuten. Insbesondere die Erstmilch (Kolostrum) ist für die Gesundheit der Neugeborenen enorm wichtig: Sie ist besonders energiereich und enthält viele Antikörper, die die Nestlinge in ihrer ersten Lebensphase vor Erkrankungen schützen.

Nach dem Säugen bedeckt die Mutter ihre Jungen meist im Nest beziehungsweise verschließt den Zugang zur Nisthöhle und entfernt sich von den Kleinen. In der folgenden Zeit scheint es, als würde sich die Mutter kaum um ihren Nachwuchs kümmern – lediglich ein bis zweimal täglich (meist morgens und abends) kehrt sie zurück zum Nest, um die Jungen zu säugen. In der Zeit dazwischen hält sie sich nicht bei den Kaninchenbabys auf. Hinter diesem Verhalten stecken jedoch keine unzureichenden Muttergefühle – vielmehr schützt die Kaninchenmutter ihren Nachwuchs vor möglichen Fressfeinden, indem sie keine Aufmerksamkeit auf die Jungtiere lenkt.

Kaninchenbabys kommen blind und nackt zur Welt und sind somit anfangs völlig hilflos. In den ersten Lebenstagen besteht ihre wichtigste Aufgabe darin, möglichst viel Muttermilch aufzunehmen, wenn ihre Mutter zum Säugen erscheint. Da sich Kaninchenmütter bereits zum Nestbau vor der Geburt das Bauchfell gerupft haben, finden die Neugeborenen die Zitzen leichter. Zudem verströmt die Zitzenregion besondere Duftstoffe, sogenannte Pheromone, die den anfangs blinden Jungtieren die Suche nach den Zitzen erleichtern.

Erst nach etwa zehn Tagen öffnen sich die Augen der Kaninchenkinder. Sehend beginnen sie nun allmählich, ihre Umwelt zu erkunden. Mit rund zwei Wochen lässt sich beobachten, dass Kaninchenjunge Interesse am Futter der Erwachsenen zeigen.

Was Kaninchenhalter*innen nach der Geburt von Jungtieren beachten sollten

Auch wenn Kaninchen meist gut alleine mit der Geburt und Pflege ihrer Jungen zurechtkommen, läuft rund um die Geburt nicht immer alles nach Plan. Es ist daher gut, in regelmäßigen Abständen nach dem Kaninchennachwuchs zu sehen. Dies sollte am besten immer dann geschehen, wenn sich die Mutter gerade nicht bei ihren Kindern aufhält.

Dabei können Sie auf Folgendes achten:

  • Sauberes, trockenes, ausreichend gepolstertes Nest: Geburtsreste oder auch ggf. totgeborene Tiere entfernen, falls erforderlich Nest besser isolieren oder mit einer Wärmflasche versehen.
  • Nestlinge, die außerhalb des Nests liegen, zurücklegen, damit sie nicht auskühlen (das Anfassen der Jungtiere stört die Mutter nicht).
  • Jungtiere sollten sauber geputzt aussehen.
  • Bäuchlein der Kaninchenbabys sollten prall gefüllt (nicht gefältelt) aussehen.
  • Die Tiere sollten sichtbar an Gewicht zulegen (bei Zweifeln ggf. wiegen).

Säugeperiode und Übergang zum normalen Futter

Sind die Kaninchenkinder mehr als zwei Wochen alt, lässt sich beobachten, dass sie sich allmählich – zunächst gehend – aus dem Nest wagen. Manche Tiere scheinen sich auffällig oft zu kratzen, was jedoch kein Anlass zur Sorge ist. Man vermutet, dass die Jungtiere auf diese Weise ihren Gleichgewichtssinn trainieren. Mit etwa drei bis vier Wochen können junge Kaninchen bereits normales Kaninchenfutter aufnehmen, wenngleich sie weiterhin Muttermilch erhalten. Die Säugeperiode kann sich auf bis zu sechs Wochen erstrecken. Sie ist hingegen kürzer, wenn die Mutter bereits wieder trächtig ist. Eine erneute Trächtigkeit ist schon kurze Zeit nach der Geburt möglich.

Nicht immer lässt sich genau beobachten, wann die Häsin ihre Jungen von der Muttermilch entwöhnt, da die Kaninchenkinder überwiegend nachts gesäugt werden. Vermutlich kann die Säugezeit somit auch länger als sechs Wochen andauern.

Gesunde Jungtiere im Alter von vier bis fünf Wochen sind verspielt und mitunter temperamentvoll. Es tut der Mutter daher gut, wenn sie eine Möglichkeit zum räumlichen Rückzug hat.

Ähnlich wie der Kindergarten für Menschenkinder, ist es auch für Kaninchenjunge wichtig, möglichst lange Kontakt zu Altersgenossen zu haben. Auf diese Weise können sie ein gesundes Sozialverhalten entwickeln, das für ihr gesamtes späteres Leben von Bedeutung bleiben wird. Aber aufgepasst: Der Lebenskreis schließt sich, wenn die jungen Kaninchen ein Alter von etwa zwölf Wochen erreichen und selbst geschlechtsreif werden.

Weiterführende Informationen

Autorin: Pascale Huber, Tierärztin, Chefredaktion vetproduction GmbH
Datum: Oktober 2021
Quellen:
Ewringmann, A.: Leitsymptome beim Kaninchen. Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Thieme Verlag, 2016
Schumacher, C.: Rassekaninchen züchten. Ulmer Verlag 2010
Online Informationen der Webseite Kaninchenwiese, unter: www.kaninchenwiese.de (Abruf: 25.10.2021)