Schmallenberg-Virus: Eine Gefahr auch für Haustiere?

Zwei gesunde Ziegen-Lämmer im Affen- und Vogelpark Eckenhagen.
Infizierte neugeborene Lämmer kommen meist tot oder missgebildet auf die Welt. Hier zwei gesunde Ziegen-Lämmer im Affen- und Vogelpark Eckenhagen. Foto: vetproduction

Das Schmallenberg-Virus (SBV) sorgt seit einigen Jahren immer wieder für Infektionen bei Wiederkäuern. Es ist für zahlreiche Totgeburten bei Rindern, Schafen und Ziegen verantwortlich.

Zudem kommen die Neugeborenen infizierter Muttertiere häufig mit schweren Missbildungen auf die Welt. 

Seit 2015 ist ein Impfstoff gegen das Schmallenberg-Virus zur Impfung von Rindern und Schafen in der EU zugelassen.

Viele Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer stellen sich die Frage, ob sich auch Haustiere mit dem Virus infizieren können – oder gar der Mensch? Wir haben die wichtigsten Informationen zum Schmallenberg-Virus für Sie zusammengefasst.

Der Erreger: Was ist das Schmallenberg-Virus?

Beim Schmallenberg-Virus handelt es sich um ein sogenanntes Orthobunya-Virus aus der so genannten Simbu-Serogruppe. Orthobunya-Viren sind eigentlich bei Rindern in Afrika, Asien und Australien verbreitet.

Im November 2011 hat das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) das Schmallenberg-Virus erstmalig bei Rindern in Deutschland nachgewiesen. Die Proben dazu stammen aus einem Betrieb im sauerländischen Ort Schmallenberg – daher wurde der Erreger vorläufig Schmallenberg-Virus genannt.

Viren werden bereits seit langem vorläufig nach ihrem Entdeckungsort benannt. Viele Viren behalten ihre vorläufigen Namen aber auch dauerhaft, wie zum Beispiel das Lassa-Virus.

Wie wird das Schmallenberg-Virus übertragen?

Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass das Schmallenberg-Virus in erster Linie durch Insekten (Gnitzen und Stechmücken) übertragen wird.

Grundsätzlich können Orthobunya-Viren sowohl Insekten- als auch Säugetierzellen infizieren. Die Viren lösen jedoch nur in Säugetieren Erkrankungen aus.

Welche Tiere erkranken am Schmallenberg-Virus?

Bislang haben sich Rinder, Schafe und Ziegen mit dem Schmallenberg-Virus infiziert. Forscher vermuten jedoch, dass sich gegebenenfalls auch Wildtiere (z.B. Rehe, Rothirsche) infizieren können. 

Wie äußert sich das Schmallenberg-Virus?

Infiziert sich ein erwachsenes Tier mit dem Schmallenberg-Virus, treten in der Regel nur milde Beschwerden wie Fieber, Durchfall und Milchrückgang auf. Diese Beschwerden klingen innerhalb weniger Tage wieder ab.

Anders sieht es jedoch bei Neugeborenen aus: Befällt das Schmallenberg-Virus ein trächtiges Tier, kann es den Fetus infizieren und schwere Schädigungen hervorrufen. Häufig kommt es zu Früh- und Totgeburten.

Viele Lämmer und Kälber kommen zudem lebensschwach und missgebildet zur Welt. Häufige Missbildungen sind zum Beispiel Arthrogryposen. Dabei handelt es sich um eine Gelenkstarre. Meist versteifen sich die Gelenke infizierter Tiere so stark, dass sie sich nicht eigenständig fortbewegen können.

Können sich auch Haustiere infizieren?

Ob sich auch Haustiere mit dem Schmallenberg-Virus infizieren können, ist bislang noch unklar. Bei Pferden und Hunden wurden jedoch Antikörper gegen so genannte Akabane-Viren entdeckt. Akabane-Viren gehören, wie auch das Schmallenberg-Virus, zur Simbu-Serogruppe der Orthobunya-Viren. Die betroffenen Tiere hatten jedoch keine Beschwerden. Um das Risiko für Haustiere und weitere Tiere abschätzen zu können, sind entsprechende Untersuchungen auch beim Schmallenberg-Virus geplant.

Besteht ein Risiko für den Menschen?

Nach derzeitigem Kenntnisstand geht man nicht davon aus, dass sich auch Menschen mit dem Schmallenberg-Virus infizieren können. Der Grund: Alle bisher bekannten Orthobunya-Viren stellen keine Zoonose-Erreger dar. Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können.

Laut Angaben des Robert Koch-Instituts sind bislang keine Personen bekannt, die positiv auf das Schmallenberg-Virus getestet wurden. 

Geht eine Gefahr von Fleisch-, Milch- und Wildprodukten aus?

Fleisch-, Milch- und Wildprodukte stellen nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse keine Gefährdung für den Menschen dar und können daher bedenkenlos verzehrt werden.

Weiterführende Informationen

Autor: Dipl.-Sportwiss. Maren Menyes
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum der letzten Aktualisierung: Dezember 2021
Quellen:
Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: https://tierseucheninfo.niedersachsen.de/ (Abruf: Dezember 2021)
Friedrich-Loeffler-Institut (FLI): Informationen zum „Schmallenberg-Virus“. (Abruf: Dezember 2021)

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): „Schmallenberg-Virus“. (Abruf: Dezember 2021)
Robert Koch-Institut (RKI): Informationen zum Schmallenberg-Virus. (Abruf: Dezember 2021)
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Videopodcast zum Schmallenberg-Virus. (Abruf: Dezember 2021)
Gesellschaft für Virologie e.V.: Schmallenberg-Virus europaweit verbreitet. (Abruf: Dezember 2021)