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Natürliches Verhalten von Kaninchen

 

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Foto: Pixabay.com

Ob Buddeln, Hakenschlagen, Trommeln oder Zähneknirschen – Kaninchen verfügen über ein breites Verhaltensspektrum und vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten. Das natürliche Verhalten der Tiere gut zu kennen ist Voraussetzung, um ihnen eine angemessene Haltung zu bieten und um Störungen und Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. Erfahren Sie hier mehr zum natürlichen Verhalten von Kaninchen.

Kaninchen verfügen über ein ausgeprägtes Sozialverhalten, etwa die Hälfte all ihrer Verhaltensweisen bezieht sich auf soziale Interaktion und Kommunikation. Dies ist notwendig, da die Tiere bei natürlicher Lebensweise in Gruppen leben. Innerhalb der Gruppe bilden sich Rangordnungen heraus, in der Regel sind ältere Tiere auch die ranghöheren. Für Häsinnen und Rammler bestehen separate Hierarchien. Trifft ein neues Tier auf die Gruppe, wird dieses in der Regel zunächst auf den rangniedrigsten Platz verwiesen. Angriffe können sich dann durch Hinterherjagen, Hochspringen oder auch durch Bisse äußern.

Verliert eine Gruppe das ranghöchste Tier, wird dessen Nachfolge ebenfalls durch Rangordnungskämpfe ausgetragen. Ist die Rangordnung nicht geklärt, kommt es unter Umständen zum Aufspringen („Rammeln“) auf andere Kaninchen – auch, wenn ein Tier kastriert ist oder nur weibliche Kaninchen in der Haltung sind. Ranghöhere Tiere lassen sich von rangniederen putzen. Manche Tiere fordern auch Menschen zu Berührungen auf, indem sie zum Beispiel die Hand anstupsen oder belecken, dabei den Kopf senken und das Hinterteil etwas anheben. Ob sich daraus allerdings eine Rangordnung aus Sicht des Kaninchens ableiten lässt, ist schwer zu sagen beziehungsweise fraglich.

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Ein Kaninchen, das sich wohlfühlt, wirkt überwiegend aufmerksam und interessiert, hoppelt, macht eventuell Luftsprünge oder schlägt Haken, interagiert mit Artgenossen und ist große Teile des Tages mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Zwischen Phasen von Aufmerksamkeit und Aktivität können Zeitspannen der Entspannung liegen, in denen das Kaninchen beispielsweise ruht, sich in Hockhaltung oder in Seitenlage befindet und der Atem ruhig erscheint. Die wieder eintretende Aktivität grenzt dabei das Ausruhen und Entspannen von einem apathischen Verhalten ab.

Ein gesundes Kaninchen putzt sich regelmäßig (jedoch nicht übermäßig), indem es sein Fell beleckt und auch mit den beleckten Vorderpfoten über verschiedene Körperpartien, vorwiegend am Kopf, fährt. Gegenseitiges Belecken drückt Zuneigung aus und macht zugleich die Rangordnung sichtbar. Trächtige (ggf. auch scheinträchtige) Kaninchen zeigen ein typisches Nestbauverhalten, indem sie Heu und Grasbüschel herumtragen und anhäufen und sich Fell ausrupfen.

Körpersprache von Kaninchen verstehen

Durch die Körperhaltung vermögen Kaninchen viel über ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden auszudrücken.

Folgende Körperhaltungen lassen sich typischerweise bei Kaninchen beobachten:

  • „Männchen machen“: Das Tier will sich einen Überblick verschaffen, hält Ausschau nach möglichen Feinden, manche Hauskaninchen stellen sich auch auf die Hinterbeine, wenn man ihnen etwas zu Fressen anbietet.
  • Ruhen: Ruht sich ein Kaninchen aus, sitzt es leicht geduckt, auf alle vier Gliedmaßen gestützt, eventuell hat es die Augen leicht geschlossen. Das Tier ist entspannt, jedoch aus dieser Position immer noch jederzeit fluchtbereit. Auch eine gestreckte Bauch- oder Seitenlage, selten sogar Rückenlage nehmen Kaninchen ein, um sich zu entspannen und auszuruhen.
  • Angst: Eine geduckte Körperhaltung mit flach angelegten Ohren ist ein charakteristischer Ausdruck bei Angst.
  • Ablehnung/Unbehagen: Will ein Kaninchen nicht berührt werden, schüttelt es meist mit den Ohren, auch bei unangenehmen Gerüchen zeigen manche Tiere dieses Verhalten. Ein weiteres bekanntes Anzeichen von Unbehagen ist das Trommeln, bei dem Kaninchen mit beiden Hinterläufen auf den Boden aufschlagen. Es kann sowohl Ausdruck von Beunruhigung als auch von Aggression sein.
  • Abwehr: Als sogenannten Befreiungsschlag bezeichnet man es, wenn Kaninchen mit ihren Hinterläufen nach oben schlagen. Dies lässt sich oft beobachten, wenn Kaninchen am Nacken hochgenommen werden.
  • Erhöhte Aufmerksamkeit: Das Kaninchen nimmt eine aufrechte Körperhaltung ein und hat seine Ohren aufgerichtet. Auch das Naseblinzeln, also das schnelle Auf- und Abbewegen der Nase, ist ein Zeichen für erhöhte Aufmerksamkeit. Bei sehr entspannten Tieren hingegen nimmt die Frequenz des Nasenblinzelns deutlich ab.
  • Drohung: Bei Aggression und Drohung legen Kaninchen die Ohren an.

Akustische Kommunikation bei Kaninchen

Kaninchen können akustisch kommunizieren, wenn dies auch selten vorkommt beziehungsweise recht unauffällig ist. So kann etwa ein leises Mahlgeräusch der Zähne Ausdruck von Wohlbefinden sein. Dies darf jedoch keinesfalls mit dem „Zähneknirschen“ verwechselt werden, welches vor allem auftritt, wenn ein Tier Schmerzen hat.

Leise quiekende Geräusche können bei schmackhaftem Futterangebot als eine Art Bettelgeräusch interpretiert werden. Auch wenn Rammler um eine Häsin werben, ist diese Lautäußerung mitunter zu hören.

Grunzen, Fauchen oder Knurren hingegen sind ein Zeichen von Ablehnung, zum Beispiel, wenn sich ein weibliches Tier von einem Rammler bedrängt fühlt.

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Schreie äußern Kaninchen sehr selten, sie sind Ausdruck von äußerster Angst oder extremen Schmerzen.

Schmerzen und Leiden bei Kaninchen erkennen

Als Beutetier wäre es für ein Kaninchen in freier Wildbahn fatal, wenn es durch Schwäche oder Lautäußerungen offensichtlich krank erschiene. Kaninchen leiden daher meist still. Dennoch können Kaninchenhalter durchaus frühzeitig erkennen, wenn ein Gesundheitsproblem vorliegt, und rechtzeitig handeln. Voraussetzung ist, die Tiere entsprechend aufmerksam zu beobachten und typische Verhaltensweisen zu kennen, die auf eine Störung hinweisen.

Kaninchen fressen relativ kontinuierlich über den Tag, dennoch lässt sich eine gewisse Steigerung der Nahrungsaufnahme in der Dämmerung, das heißt am Morgen und am Abend beobachten. Somit kann eine deutlich reduzierte oder vollständig eingestellte Futteraufnahme, einschließlich des Kotfressens, ein Hinweis auf Schmerzen oder Krankheit bei Kaninchen sein. Zugleich können Verdauungsstörungen, wie Verstopfung oder Durchfall sowie verringerter Harnabsatz auftreten. In manchen Fällen kann jedoch das Trinkverhalten und damit verbunden der Harnabsatz entsprechend gesteigert sein.

Gestresste oder erkrankte Tiere wirken oft apathisch beziehungsweise teilnahmslos, bewegen sich deutlich weniger und wenden sich meist vom Licht ab. Auch ihre Körperhaltung kann auffällig sein, zum Beispiel eine gestreckte Lage, Gewichtsverlagerung auf die Vorder- oder Hinterläufe (bei Schmerzen im Bereich der Gliedmaßen) oder Kopfschiefhaltung. Die Atmung kann beschleunigt sein. Außerdem können folgende Anzeichen auf ein Gesundheitsproblem hinweisen:

  • Ungerichteter Blick, halbgeschlossene Augen
  • Ggf. Hervortreten oder Einsinken der Augäpfel
  • Zähneknirschen
  • Ungewohnt aggressives Verhalten
  • Gesträubtes Fell
  • Auffällig gesteigerte oder reduzierte Fellpflege
  • Ggf. Ausrupfen des Fells
  • Flache (statt gewölbte) Wangenpartie, flach angelegte und horizontal verlaufende Schnurrhaare (Vibrissen)
  • Angelegte Ohren
  • Schmerzenslaute bei Berührung oder auch ohne Einfluss von außen

Damit Kaninchen sich wohlfühlen und gesund bleiben, sind eine artgerechte Ernährung und Haltung Voraussetzung. Doch auch unter den besten Haltungsbedingungen sind Stress oder Krankheit nicht ausgeschlossen – daher ist es wichtig, einen Blick für das normale Kaninchenverhalten zu entwickeln, um Störungen frühzeitig zu erkennen. Auf diese Weise lassen sich Störfaktoren in der Umgebung rechtzeitig beseitigen oder Krankheiten erkennen und behandeln, bevor sie zur ernsten Bedrohung für das Tier werden. Nicht zuletzt bringt das Beobachten der Tiere Kaninchenhaltern auch Freude und stärkt die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Weitere Informationen

Autorin: Pascale Huber, Tierärztin, Chefredaktion, vetproduction GmbH
Datum: März 2021
Quellen:
Baumgärtner, W. Gruber, A.D.: Spezielle Pathologie für die Tiermedizin. Thieme 2020
Schneider, B., Döring, D.: Verhaltensberatung bei kleinen Heimtieren. Schattauer Verlag, Stuttgart 2017

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