Chinchilla-Ernährung: Pellets und Heu für ein langes Leben

Bei der Ernährung von Chinchillas machen viele Tierfreunde aus Unwissenheit typische Fehler. So füttern Sie die kleinen Nager richtig.
Chinchilla
Chinchillas werden als Haustiere immer beliebter. Foto: Pixabay.com

Chinchillas, die pelzigen Nagetiere aus den Anden, gewinnen als Haustiere seit einigen Jahrzehnten zunehmend an Beliebtheit. Doch bei ihrer Ernährung machen viele Tierfreunde aus Unwissenheit typische Fehler. Hier erfahren Sie, wie Sie die kleinen Nager richtig füttern.

Chinchillas natürlich füttern

Warum ist die Ernährung bei Chinchillas so wichtig? Durch das falsche Futter magern Chinchillas unter Umständen ab oder verfetten und entwickeln schwere Krankheiten. Deshalb ist es ratsam, sich bereits vor der Anschaffung über die richtige Chinchilla-Ernährung zu informieren.

Chinchillas werden erst seit wenigen Generationen als Haustiere gezüchtet. Ihre Ernährung sollte sich in jedem Fall danach richten, was sie in ihrem natürlichen Lebensraum fressen würden, denn darauf ist ihr Verdauungstrakt ausgerichtet.

Bei den kleinen Andenbewohnern bedeutet das einen sehr kargen und relativ eintönigen Speiseplan: Wilde Chinchillas fressen vor allem trockene Gräser, Kräuter, Rinden und Blätter, knabbern an Zweigen und Kakteen. Früchte und andere gehaltvolle Nahrung sind in den hohen Berggegenden selten. Chinchillas vertragen sie daher meist nicht gut.

Frisches Heu zur Chinchilla-Fütterung

Der Futter-Bestandteil, welcher der natürlichen Nahrung des Chinchillas am nächsten kommt, ist Heu. Es darf immer in ausreichender Menge im Chinchilla-Käfig vorhanden sein. Am besten reichen Sie es in einer Heuraufe – einem geeigneten Gittergestell –, sodass es nicht so schnell im Käfig verteilt und verschmutzt wird.

Heu enthält vor allem viel Rohfaser, die wichtig für die Verdauung von Chinchillas ist. Zudem dient es der täglichen Gebisspflege, da das Zerkleinern alle Zähne im Maul des Chinchillas beansprucht. Die Zähne der kleinen Nager wachsen ein Leben lang, deshalb ist es wichtig, dass sie ausreichend Gelegenheit haben, diese auf natürlich Weise durch Kauen und Nagen abzunutzen.

Besonders Bergwiesenheu eignet sich gut für die Chinchilla-Ernährung, aber auch gewöhnliches Wiesenheu und Kräuterheu sind gesund und gut verträglich. Wichtig ist, dass das Heu weder zu grün und feucht noch muffig oder faulig ist – dies führt bei Chinchillas womöglich zu schweren Verdauungsstörungen.

Achten Sie auch darauf, das Heu im Chinchilla-Käfig täglich zu wechseln und aufzufüllen.

Trockenfutter und Pellets

Mit gewöhnlichem Heu allein wird allerdings der Nährstoff-Bedarf eines Chinchillas nicht abgedeckt. Da es kaum möglich ist, ihm das vollständige Spektrum an Pflanzen anzubieten, das es in seiner natürlichen Umgebung finden würde, füttern die meisten Chinchilla-Halter und -Halterinnen als Grundnahrungsmittel sogenannte Pellets. Hierbei handelt es sich um ein gepresstes Trockenfutter aus Getreide, Kräutern, Heu und anderen Pflanzen-Bestandteilen.

Achten Sie beim Kauf von Pellet-Nahrung darauf, dass es einen möglichst niedrigen Fettgehalt (unter drei Prozent) und dafür einen möglichst hohen Rohfaser-Anteil hat. Zucker, Melasse und diverse Zusatzstoffe sind in fast allen Pellet-Sorten enthalten – achten Sie daher auf einen möglichst geringen Anteil. Tipps von erfahrenen Chinchilla-Haltern und -Halterinnen helfen Ihnen möglicherweise dabei, eine geeignete Sorte Chinchilla-Pellets zu finden.

Vorsicht bei diesem Futter!

Lassen Sie sich nicht von bunten Packungen mit gemischtem Trockenfutter blenden! Auch wenn die Herstellerfirmen behaupten, dass es für Chinchillas geeignet sei, ist dieses Nagerfutter für die Tiere größtenteils sehr ungesund.

Die darin enthaltenen Bröckchen enthalten in der Regel viel Fett und Zucker. Chinchillas picken sich gerne genau diese Stückchen aus der Mischung und lassen die Pellets links liegen. Dieses „Fast Food“ ist jedoch für Chinchillas auf die Dauer gesundheitsschädlich und führt unter Umständen zu Darmkrankheiten und Organverfettung.

Eines haben Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla gemeinsam: Sie sind Nagetiere – das war es aber auch schon. Denn beim Kauf von Nahrung für den pelzigen Freund sollten Halter und Halterinnen daher auf keinen Fall zu Kaninchen- oder Meerschweinfutter greifen. Es ist nicht für die Chinchilla-Ernährung geeignet und kann für die Gesundheit des Tiers gefährlich und mitunter sogar lebensgefährlich sein.

Kräuter, Blätter, Sprossen und Blüten

Als Ergänzung zu Heu und Pellets sind verschiedene Kräuter und Blätter wertvolle Bestandteile in einer gesunden Chinchilla-Ernährung. Löwenzahn, Disteln, Brennnesselkraut, Melisse und viele andere Kräuter und Gewächse sind nicht nur lecker für die kleinen Nager, sondern enthalten auch viel Kalzium und andere wertvolle Mineralstoffe.

Am besten verdaulich sind sie im getrockneten Zustand. Einige Chinchillas vertragen aber auch frische Kräuter sehr gut, wenn sie langsam daran gewöhnt werden.

Im Frühling und Sommer können Sie an geeigneten Stellen durchaus selbst einige Wildkräuter für Ihre Chinchillas sammeln. Eine günstigere und gesündere Nährstoffquelle gibt es kaum. Allerdings sind im Handel auch fertige Mischungen getrockneter Kräuter, Wurzeln, Sprossen und Früchte erhältlich, die sich in moderaten Mengen gut als Zusatz für die Ernährung von Heim-Chinchillas eignen.

Vorsicht: Frisches Gras aus dem Garten ist für die kleinen Nager dagegen zu nährstoffreich und fügt dem Tier womöglich großen Schaden zu.

Obst, Gemüse und Nüsse

Die meisten Chinchilla-Halter und -Halterinnen, die ihren Tieren Obst und Gemüse zu fressen geben, meinen es eigentlich gut – schließlich ist Frischfutter auch für andere Nagetiere gesund. Doch anders als bei der Kaninchen- oder Meerschweinchen-Ernährung, macht frisches Obst und Gemüse nur einen sehr kleinen Anteil des Kleintier-Speiseplans aus.

Der Verdauungstrakt von Chinchillas ist nicht darauf ausgelegt und so reagieren die Tiere meist mit Durchfall. Wenn Chinchillas Durchfall haben, verlieren sie oft ihren Appetit oder sitzen teilnahmslos im Käfig. Auch Schmerzenslaute oder ein aufgeblähter Bauch weisen auf Durchfall hin.

Als besonderes Leckerchen darf auch ein Chinchilla gelegentlich ein Stückchen Apfel oder ein bis zwei Rosinen fressen. Größere Mengen würden aber bereits seiner Verdauung schaden. Ähnliches gilt für Nüsse und Kerne: Als Leckerei sind sie prinzipiell gut geeignet, jedoch enthalten sie sehr viel Fett. Eine einzelne Erdnuss oder Haselnuss verfüttern Sie am besten alle zwei bis drei Wochen.

Insgesamt haben Chinchillas ein recht empfindliches Verdauungssystem. Wie gut sie ihr aktuelles Futter vertragen, lässt sich recht einfach an ihrem Kot ablesen: Kleine, glatte Bröckchen deuten auf eine gesunde Verdauung hin. Ist der Kot länglich und schmierig, hat das Chinchilla Durchfall.

Harte Bröckchen mit rauer Oberfläche deuten hingegen auf eine Verstopfung hin. Dies passiert zum Beispiel, wenn man das Chinchilla-Futter zu schnell gewechselt hat. Wenn Sie die Ernährung Ihrer Chinchillas umstellen möchten, gehen Sie lieber langsam vor und mischen Sie nach und nach mehr von dem neuen Futter unter das bisherige.

Sollten Durchfall und Appetitlosigkeit andauern, suchen Sie bitte eine Tierarzt-Praxis auf, um die Ursachen und das weitere Vorgehen medizinisch abzuklären. Ein richtig ernährtes Chinchilla dankt Ihnen die Fürsorge mit einer soliden Gesundheit und einem langen Leben.

Was noch wichtig ist bei der Chinchilla-Haltung

Kann man Chinchillas streicheln?

Chinchillas mögen es nicht, wie Hunde oder Katzen gestreichelt zu werden. Auch mögen sie es in der Regel nicht, getragen und auf den Arm genommen zu werden.

Wie hält man ein Chinchilla?

Die artgerechte Haltung von Chinchillas ist aufwändig. So gibt es beispielsweise Minimalanforderungen an die Käfiggröße. Dieser sollte mindestens 100 Zentimeter lang, 50 Zentimeter breit, 150 Zentimeter und 120 Zentimeter hoch sein.

Zudem brauchen Chinchillas Rückzugsmöglichkeiten in erhöhter Lage, Nagemöglichkeiten wie Äste oder Weichholz und Sand zur Pflege und Reinigung des Fells.

Wie alt werden Chinchillas?

Die Lebenserwartung der dämmerungs- bis nachtaktiven Chinchillas liegt bei ungefähr 22 Jahren

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Weiterführende Informationen

Autor: Christina Trappe, B.A.
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum der letzten Aktualisierung: März 2022
Quellen:
Schweizer Tierschutz STS: Chinchilla (Abruf: März 2022)
Fox, J.: Chinchillas. Artgerecht halten, pflegen und züchten. Cadmos Verlag, Schwarzenbek 2009
Ewringmann, A.: Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu. Enke, Stuttgart 2005
Cremer, S.: Das große Chinchilla-Handbuch. Books on Demand, Hamburg-Norderstedt 2002