Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei Tieren

Pferd auf der Wiese
Bei großen Tieren wie Pferden kann eine Blasenspiegelung leichter durchgeführt werden. Foto: vetproduction

Definition:

Was ist eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei Tieren?

Eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) ist ein bildgebendes Verfahren, um das Innere der Harnblase von Tieren darzustellen. Durch die Kamera eines Endoskops untersucht die Tierärztin oder der Tierarzt die Schleimhaut und das Innere von Blase, Harnröhre und Teilen der Harnleiter. Ohne Blasenspiegelung wäre es notwendig, das Tier zu operieren und die Bauchwand und die Blase zu eröffnen, um das Organ von innen zu sehen.

Tierärztinnen und Tierärzte raten zu einer Blasenspiegelung, wenn das Tier Symptome zeigt, die auf eine Erkrankung der Harnröhre, der Blase oder der Harnleiter hindeuten. Beispielsweise wenn Blut im Urin (Hämaturie) des Tieres ist, es Urin verliert (Inkontinenz) oder Schmerzen beim Absetzen von Urin hat.

Durchführung:

Wie wird eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei Tieren durchgeführt?

Die Tierärztin oder der Tierarzt führt eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) in Vollnarkose des Tieres oder unter einem starken Beruhigungsmittel (Sedierung) durch. Hierzu führt der Tierarzt das Endoskop vorsichtig in die Harnröhre des Tieres ein. Das Endoskop ist ein dünner Schlauch mit einer Kamera. Damit er die Schleimhaut nicht verletzt und sie sich nicht über die Kamera legt, spült der Tierarzt während der gesamten Blasenspiegelung mit einer Kochsalz-Lösung.

Der Tierarzt betrachtet die Schleimhaut der Harnröhre und schiebt das Endoskop bis in die Harnblase des Tieres vor. Hier kann er das Innere der Blase beurteilen und sich einen Überblick verschaffen, ob beide Harnleiter an der richtigen Stelle in die Harnblase einmünden. Bei der Blasenspiegelung achtet der Tierarzt weiter darauf, ob Blutungen vorkommen, die Blase entzündet ist oder Tumoren oder Missbildungen vorhanden sind. Falls notwendig, kann er Gewebeproben (Biopsien) von veränderten Stellen der Blase nehmen.

Anwendungsgebiete:

Wann wird eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei Tieren angewandt?

Tierärztinnen und Tierärzte führen eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei Tieren durch, wenn Symptome einer Blasen-, Harnröhren-, oder Harnleiter-Erkrankung vorliegen. Das Tier kann unter einer solchen Erkrankung leiden, wenn es Probleme beim Absatz des Urins hat, häufig presst, Blut im Urin vorkommt (Hämaturie), es Schmerzen hat oder es unkontrolliert Urin absetzt oder verliert (Inkontinenz).

Junge Tiere haben manchmal Missbildungen der Harnleiter. Münden beispielsweise die Harnleiter nicht an der dafür vorgesehenen Stelle in die Blase ein (Ektopische Ureter), verliert das Tier Harn. Bei Pferd und Rind kann die Tierärztin oder der Tierarzt durch die Blasenspiegelung einen sogenannten Urachus persistens diagnostizieren. Dies ist eine Missbildung, bei der auch nach der Geburt des Tieres eine Verbindung zwischen Harnblase und Nabel besteht und sich nicht regelrecht zurückbildet.

Des Weiteren lassen sich bei einer Blasenspiegelung Blasensteine, Polypen und Tumoren diagnostizieren. Die Tierärztin bzw. der Tierarzt kann Gewebeproben (Biopsien) von veränderten Stellen entnehmen, um sie anschließend im Labor beispielsweise auf Entzündungen oder Tumoren untersuchen zu lassen.

Eine Blasenspiegelung kann grundsätzlich bei den meisten Haustieren durchgeführt werden; die Tiere müssen nur groß genug sein. So ist die Harnröhre von Heimtieren wie dem Hamster und dem Kaninchen zu klein, um sie mit Standard-Endoskopen zu untersuchen. Die Zystoskopie ist in größeren Kliniken eine Routineuntersuchung bei Hund, Katze, Pferd und Rind.

Risiken und Komplikationen:

Welche Risiken birgt eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei Tieren?

Eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) bei Tieren ist im Allgemeinen ein risikoarmer Eingriff. Die Tierärztin oder der Tierarzt führt die Zystoskopie unter Vollnarkose durch, weshalb ein gewisses Narkoserisiko besteht. Es ist ratsam, vor der Narkose abzuklären, ob das Herz und der Kreislauf des Tieres fit genug sind.

In seltenen Fällen können die Harnröhre und die Harnblase bei der Blasenspiegelung verletzt werden. Es ist möglich, dass bei der Zystoskopie Keime in die Blase gelangen, die zu Entzündungen führen. Bei männlichen Tieren kann sich dabei auch die Prostata (Vorsteherdrüse) entzünden.

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Weiterführende Informationen

Autor: Dr. med. vet. Iris Kiesewetter
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2021
Quellen:
Baumgärtner, W. Gruber, A.D.: Spezielle Pathologie für die Tiermedizin. Thieme 2020
Kohn, B. Schwarz, G.: Praktikum der Hundeklinik. Enke Verlag 2017
Maddison, J. et al: Vom Symptom zur Diagnose in der Kleintierpraxis. Thieme 2016

Schrey, C.: Untersuchungs- und Behandlungsmethoden bei Hund und Katze, Schattauer, Stuttgart, 2013