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Fettleber beim Vogel

Freitag, 29. Juli 2011 @ 16:56 In Vogelkrankheiten

Definition:

Nymphensittiche sind häufig von einer Fettleber betroffen. Hier ein gesunder Vogel im Affen- und Vogelpark Eckenhagen. Foto: vetproduction

Was ist eine Fettleber beim Vogel?

Eine Fettleber beim Vogel ist eine stoffwechselbedingte, fettige Veränderung der Leber. Verursacht wird eine Fettleber in erster Linie durch eine Fehlernährung und mangelnde Bewegung. Eine Fettleber entsteht insbesondere bei Papageienvögeln, die in der Wohnung gehalten werden. Häufig betroffen sind unter anderem Amazonen und Nymphensittiche.

Ursachen:

Was sind die Ursachen einer Fettleber beim Vogel?

Eine Fettleber beim Vogel kommt vorwiegend durch eine falsche Ernährung zustande. So kann zum Beispiel ein zu kohlenhydratreiches oder fettreiches Futter (z.B. Sonnenblumenkerne) zu einer Fettleber beim Vogel führen. Auch ein Mangel an Vitaminen (z.B. Cholin-Mangel, Biotin-Mangel) und ein Mangel an Aminosäuren (Eiweiß-Bausteine) wie Methionin im Futter kommen als Ursache einer Fettleber beim Vogel infrage.

Zudem ist bei Vögeln, die wenig fliegen, das Risiko für die Entwicklung einer Fettleber erhöht. Von einem Bewegungsmangel sind häufig Vögel betroffen, die in der Wohnung gehalten werden.

Auch Vergiftungen sind als Ursache einer Fettleber beim Vogel möglich. Darüber hinaus kann eine Fettleber durch bestehende, andere Erkrankungen beim Vogel verursacht werden, wie zum Beispiel Nierenerkrankungen (Nephropathien), Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) und Erkrankungen des Magen-Dam-Trakts (Gastroenteropathien).

Symptome:

Wie äußert sich eine Fettleber beim Vogel?

Ein Vogel, der von einer Fettleber betroffen ist, verhält sich unter Umständen völlig unauffällig. Es ist jedoch auch möglich, dass es dem Vogel sehr schlecht geht, was sich eventuell darin äußert, dass er apathisch ist oder dass er nichts mehr frisst. Infolgedessen kann es dazu kommen, dass der Vogel stark abnimmt.

Darüber hinaus sind bei einer Fettleber folgende Symptome beim Vogel möglich:

  • Adipositas (Fettsucht)
  • Schwellung am Bauch
  • Übermäßiger Wachstum des Schnabels
  • Schlechter Zustand des Schnabelhorns (z.B. brüchig)
  • Blutungen unter dem Schnabelhorn
  • Gefieder-Störungen (z.B. Farbveränderungen)
  • Juckreiz
  • Schwere Atmung
  • selten: Gelb bis grün gefärbter Urin

Diagnose:

Wie wird eine Fettleber beim Vogel diagnostiziert?

Zur Diagnose einer Fettleber nimmt der Tierarzt zunächst eine körperliche Untersuchung am Tier vor. Dabei sieht er sich den Vogel an und prüft zum Beispiel, ob sich das Gefieder verändert hat. Ist die Leber stark vergrößert, kann der Tierarzt diese gegebenenfalls ertasten.

Darüber hinaus stehen dem Tierarzt weitere Untersuchungs-Methoden zur Verfügung, die Hinweise auf das Vorliegen einer Fettleber beim Vogel liefern. So lässt sich anhand einer Röntgen-Untersuchung oder einer Ultraschall-Untersuchung meist eine Vergrößerung der Leber feststellen. Zudem kann der Tierarzt eine Endoskopie (Spiegeluntersuchung) beim Vogel durchführen, wobei er unter anderem die Größe und die Farbe der Leber erkennen und somit beurteilen kann.

Die Leberwerte des Vogels überprüft der Tierarzt mithilfe einer Blut-Untersuchung. Im Blutbild zeigt sich im Falle einer Fettleber meist eine Erhöhung der Leberenzyme, der Gallensäuren sowie des Cholesterin-Spiegels. Um die Diagnose einer Fettleber beim Vogel abzusichern, entnimmt der Tierarzt gegebenenfalls erkranktes Gewebe (Gewebeproben-Entnahme, Biopsie) und lässt dieses untersuchen.

Behandlung:

Wie kann eine Fettleber beim Vogel behandelt werden?

Zur Behandlung einer Fettleber muss der Vogel Diät halten. Im Zuge dessen erhält der Vogel fettreduziertes Futter. Das Futter sollte zudem genügend Vitamine (z.B. Vitamin-B-Komplex und Vitamin-E-Komplex) aufweisen. Darüber hinaus sollte man als Tierhalter dafür sorgen, dass der Vogel regelmäßig die Möglichkeit zum Fliegen bekommt.

Frisst der Vogel nicht mehr, ist eine Zwangsernährung erforderlich. Dabei erhält der Vogel Flüssigkeiten, Nährstoffe und Elektrolyte zur Unterstützung der Leberfunktion. Die Zwangsernährung erfolgt so lange, bis der Vogel wieder eigenständig frisst. Darüber hinaus erhält er gegebenenfalls Aminosäure-Präparate. Diese gibt man dem Vogel mit dem Trinkwasser. Um den Appetit des Vogels anzuregen und zur Unterstützung der Leber bekommt der Vogel unter Umständen Medikamente mit dem Wirkstoff Lactulose.

Prognose:

Wie ist die Prognose, wenn der Vogel eine Fettleber hat?

Generell besitzt die Leber viele Reserven. Die Prognose einer Fettleber beim Vogel hängt jedoch vom Ausmaß der Erkrankung ab. Ist die Fettleber bereits so stark ausgeprägt, dass der Vogel Symptome wie eine Verfärbung des Urins oder eine Apathie zeigt, muss man mit einer deutlichen Schädigung der Leber rechnen. Daher ist die Prognose einer Fettleber beim Vogel vorsichtig zu stellen.

Frisst der betroffene Vogel nicht mehr, ist die Prognose schlechter. Auch Vögel, die im Zuge der Erkrankung ein sogenanntes hepatoenzephales Syndrom entwickeln, haben eine schlechte Prognose. Denn dabei handelt es sich um das Endstadium einer Fettleber, das durch die gestörte Entgiftungs- und Stoffwechselfunktion der Leber zustande kommt. Das hepatoenzephale Syndrom geht mit einem gestörten Bewusstsein des Vogels einher und äußert sich unter anderem in Krampfanfällen und Bewegungsstörungen.

Vorbeugen:

Wie kann man einer Fettleber beim Vogel vorbeugen?

Um einer Fettleber beim Vogel vorzubeugen, ist es ratsam, dafür zu sorgen, dass der Vogel gesunde beziehungsweise abwechslungsreiche Nahrung erhält, das heißt: Das Futter sollte unter anderem genügend Vitamin B und Vitamin E aufweisen. Zudem darf es nicht zu fetthaltig sein. Grundsätzlich sollte das Nahrungsangebot auf die jeweiligen Bedürfnisse des Vogels abgestimmt sein.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, dem Vogel regelmäßig die Möglichkeit zum Fliegen zu geben, da sich durch ausreichende Bewegung das Risiko für die Entstehung einer Fettleber senken lässt.

Wann zum Tierarzt?

Muss ein Vogel mit einer Fettleber zum Tierarzt?

Zeigt ein Vogel die Symptome einer Fettleber, ist es ratsam, umgehend einen Tierarzt aufzusuchen. Nur ein Tierarzt kann die Fettleber diagnostizieren und eine angemessene Behandlung (z.B. Zwangsernährung, Aminosäure-Präparate) einleiten. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen des Vogels.

 

 

Weiterführende Informationen

Autor: Dipl.-Sportwiss. Maren Menyes
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum: Juni 2011
Quellen:
Fehr, M. et al.: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche, Hannover 2008

Kaleta, E. et al.: Kompendium der Ziervogelkrankheiten. Schlütersche, Hannover 2007
Pees, M.: Leitsymptome bei Papageien und Sittichen. Enke, Stuttgart 2011
Wiesner E. et al.: Lexikon der Veterinärmedizin. Hippokrates, Stuttgart 2000 


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