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Räude beim Pferd
Donnerstag, 4. August 2011 @ 11:39 In Pferdekrankheiten
Um die Räude beim Pferd zu diagnostizieren, entnimmt der Tierarzt einen Abstrich. Foto: vetproduction
Räude beim Pferd ist eine Hauterkrankung durch Parasiten, die durch verschiedene Räudemilben-Arten hervorgerufen wird. Die Räude äußert sich durch starken Juckreiz und entzündliche Hautveränderungen.
In Europa tritt die Räude beim Pferd nur noch vereinzelt auf. In einigen Ländern besteht eine Meldepflicht dieser Pferdekrankheit.
Die Räude beim Pferd wird durch Räudemilben verursacht. Insgesamt gibt es drei verschiedene Arten: Sarcoptes equi equi (Grabmilbe), Psoroptes equi (Saugmilbe) und Chorioptes equi (schuppenfressende Milbe). Die Übertragung erfolgt zumeist von Pferd zu Pferd. In manchen Fällen ist aber auch eine Ansteckung durch Gegenstände möglich, die von Räudemilben befallen sind, etwa Putzutensilien, Pferdegeschirr oder Streu.
Räudemilben vermehren sich rasch: Bereits kurz nach der Befruchtung legt das Weibchen bis zu 100 Eier ab, aus denen sich in den nächsten Wochen erwachsene Milben entwickeln. Die Milben fühlen sich besonders in nasskalter Umgebung wohl. Daher tritt die Räude beim Pferd bevorzugt in den Herbst- und Wintermonaten auf. Weitere begünstigende Faktoren sind zum Beispiel schlechte Pflege des Pferdes, Mangelernährung mit Untergewicht, langes und dichtes Haar (insbesondere an den Beinen) sowie bestehende Hautkrankheiten.
Je nach Erregerart unterscheidet man drei verschiedene Räude-Formen beim Pferd:
Sarkoptesräude: Die Sarkoptesräude beim Pferd beginnt zuerst im Kopfbereich und greift dann auf die Hals-, Schulter- und Sattelgegend über. Häufig breitet sich diese Räudeform auf den gesamten Körper aus – die Beine bleiben dabei ausgespart. Auf der Haut des Pferdes entstehen kleine Knötchen, Bläschen und Krusten, die stark jucken. An einigen Hautstellen bilden sich kleieartige Beläge. Die Erkrankung ist zudem durch einen großflächigen Haarausfall beim Pferd [1] gekennzeichnet. Aufgrund des starken Juckreizes kratzen sich die Pferde verstärkt an den befallenen Hautstellen. Dadurch entstehen offene Wunden, in denen sich zusätzlich Bakterien ansiedeln und zu Entzündungen führen können. Ein Pferd, das sich mit Sarkoptesräude angesteckt hat, magert oftmals deutlich ab. In schweren Fällen verläuft die Erkrankung sogar tödlich. Die Sarkoptesräude ist auf den Menschen übertragbar und daher in einigen Ländern meldepflichtig.
Psoroptesräude: Im Gegensatz zur Sarkoptesräude beginnt die Psoroptesräude beim Pferd nicht am Kopf, sondern an den Haaransätzen von Mähne und Schweif. Von dort kann sie sich auf den gesamten Rumpf und die Innenschenkel des Pferdes ausbreiten. Die Psoroptesräude beim Pferd äußert sich durch örtlich begrenzten Haarausfall, starken Juckreiz, Knötchen, Borken und Hautverdickungen. Die betroffenen Hautstellen sind außerdem sehr trocken und sehen pergamentpapierartig aus.
Chorioptesräude (Fußräude, Mauke): Die Fußräude beim Pferd ist eine Räudeform, die sich auf die Beine begrenzt. Sie entsteht zumeist an den Fesselbeugen des Pferdes, vor allem bei Pferderassen mit langen Fesselbehängen, etwa Kaltblüter. Der starke Juckreiz, den die Chorioptesmilben auslösen, führt häufig dazu, dass die Pferde permanent mit den Beinen aufstampfen oder versuchen, den Juckreiz durch Anknabbern der betroffenen Hautstellen zu lindern. Bei der Fußräude gibt es drei unterschiedliche Formen:
Um die Diagnose einer Räude beim Pferd zu stellen, lässt der Tierarzt die Milben mikroskopisch nachweisen. Hierzu schabt er zunächst kleine Hautproben an betroffenen Hautstellen ab, zum Beispiel mit einem stumpfen Skalpell. Die entnommene Probe lässt er dann unter dem Mikroskop untersuchen, um den genauen Milbentyp zu identifizieren.
Gegen die Räude beim Pferd kommen spezielle Medikamente zum Einsatz, sogenannte Antiparasitika. Diese Anti-Parasiten-Mittel enthalten chemische Wirkstoffe, welche die Milben abtöten. Sie können entweder als Paste ins Maul (systemische Therapie), als lokale Salbe zum Auftragen oder als Ganzkörper-Spray beziehungsweise Ganzkörper-Waschung angewandt werden. Bei Pferden mit langem Beinbehang empfiehlt es sich zudem, die Haare kurz zu scheren.
Grundsätzlich gilt: Der Tierarzt muss immer den gesamten Pferdebestand behandeln, damit sich die Tiere nicht wieder gegenseitig anstecken. Gegebenenfalls ist auch eine Nachbehandlung der Tiere notwendig, wenn sich bei der Kontrolluntersuchung noch Räudemilben beim Pferd nachweisen lassen. Darüber hinaus ist eine gründliche Desinfektion von Stall, Putzzeug, Sattelzeug und Geschirr erforderlich. In besonders hartnäckigen Fällen ist es ratsam, den Stall für einige Tage leer stehen zu lassen und die Desinfektion noch einmal zu wiederholen, bis alle Räudemilben restlos beseitigt sind.
Die Räude beim Pferd hat in der Regel eine günstige Prognose. Das trifft vor allem auf die Psoroptesräude und Chorioptesräude zu. Die Sarkoptesräude hingegen ist recht aggressiv und schwierig zu behandeln. Besonders für ältere und/oder kranke Pferde kann diese Räudeform daher auch lebensbedrohlich sein.
Der Verlauf der Erkrankung lässt sich durch artgerechte Haltung und ausgewogene Ernährung günstig beeinflussen. Eine nass-kalte Umgebung sowie eine Mangelernährung begünstigen dagegen die Infektion mit Räudemilben.
Es gibt einige Vorsichtsmaßnahmen, um einer Räude beim Pferd vorzubeugen:
Ein Pferd mit Räude sollte bereits bei den ersten Anzeichen der Erkrankung vom Tierarzt behandelt werden. Je früher die Therapie einsetzt, desto weniger breiten sich die Räudemilben auf der Haut aus. Das wirkt sich auch günstig auf die Prognose aus. Zudem senkt eine frühzeitige Behandlung das Risiko, dass sich auch andere Pferde des Bestands mit den Parasiten anstecken.
Autor: Miriam Lossau, Biologin
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum: August 2011
Quellen:
Dietz, O., Huskamp, B.: Handbuch Pferdepraxis. Enke, Stuttgart 2006
Wintzer, H.-J.: Krankheiten des Pferdes: Ein Leitfaden für Studium und Praxis. Parey, Berlin 1999
Quelle: Tiermedizinportal: http://www.tiermedizinportal.de
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