Anzeige

Anzeige

Zum Portal für Tiermedizinische Fachangestellte TFA-Portal.de Zum Portal für Tierärzte und Tiermedizin-Studenten

Anzeige


Home » Tierkrankheiten » Kaninchenkrankheiten » Tyzzer‘s Disease beim Kaninchen

Tyzzer‘s Disease beim Kaninchen

 

Diesen Artikel teilen:

 

Foto: pixabay.com

Die Tyzzer’s Disease beim Kaninchen ist eine Infektionskrankheit des Magen-Darm-Traktes, die durch das Bakterium Clostridium piliforme ausgelöst wird. Die Erkrankung spielt vor allem in größeren Kaninchenbeständen einer Rolle. Sie kann aber auch bei Einzeltieren, insbesondere bei Jungtieren, auftreten. Vermehrt sich das Bakterium plötzlich sprunghaft im Magen-Darm-Trakt eines betroffenen Kaninchens, kann das eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung auslösen. Aufgrund der sich anschließenden Entstehung von Giftstoffen (Toxinen) können komplette Darmabschnitte des Tieres gelähmt werden. Außerdem können die Toxine in das Blut übertreten und in der Folge starke allgemeine Vergiftungserscheinungen auslösen (Enterotoxämie).

 

Anzeige

Ursachen

Der auslösende Erreger der Tyzzer’s Disease ist Clostridium piliforme. Das Bakterium wird in erster Linie über verschmutztes Futter oder über Einstreu übertragen. Jungtiere nehmen den Erreger über ihr Maul oder bereits während der Trächtigkeit über den Mutterkuchen (Plazenta) der Mutter auf. Nachdem der Erreger in den Körper gelangt ist, siedelt er sich zunächst im Darmtrakt an. Von hier aus kann er sich dann über Blut- und Lymphgefäße ausbreiten. So kann der Erreger im weiteren Verlauf auch Leber und Herz besiedeln.

Clostridium piliforme ist in den meisten Fällen nicht alleinig für den Ausbruch der Tyzzer’s Disease verantwortlich. In vielen Fällen sind Kaninchen mit dem Bakterium infiziert, weisen aber keinerlei Symptome oder Beschwerden auf. An der Tyzzer’s Disease erkranken häufig Jungtiere, die frisch von der Mutter getrennt wurden ungefähr im Alter von drei bis acht Wochen. Die Trennung verursacht Stress bei den Jungtieren, wodurch ein Ausbruch der Erkrankung wahrscheinlich zu begünstigt wird. Das Risiko für einen Ausbruch der Krankheit steigt auch dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, z.B. bei schlechten Fütterungs- und Haltungsbedingungen oder durch Medikamente, die die Abwehr hemmen.

Nicht bei allen Kaninchen, die den Erreger in sich tragen, kommt es jedoch zwangsläufig zum Ausbruch der Tyzzer’s Disease. Viele Kaninchen tragen den Erreger dauerhaft in sich, ohne jemals Symptome zu entwickeln. Tiere, die das Bakterium in sich tragen, ohne daran zu erkranken, stellen ein permanentes Risiko für andere Kaninchen in derselben Zucht dar. Sie scheiden den Erreger dauerhaft aus. Hinzu kommt, dass das Bakterium Clostridium piliforme Formen– sogenannte Sporen – entwickeln kann, die ein Jahr und länger außerhalb des tierischen Organismus überleben können. Das ist vor allem problematisch für die gezielte Bekämpfung der Tyzzer’s Disease in Kaninchenzuchten.

Symptome

In den meisten Fällen tritt die Tyzzer’s Disease beim Kaninchen plötzlich und heftig (akut) auf. In der Regel sind Jungtiere betroffen, die zwischen drei und acht Wochen alt sind. Die Infektion führt bei diesen Kaninchen in kürzester Zeit zu sehr schweren Durchfällen. Mit dem Durchfall verliert das Kaninchen in kurzer Zeit viel Flüssigkeit und Mineralstoffe, was binnen weniger Stunden bis Tage lebensbedrohlich werden kann /oder zum Tod führen kann. In diesem Zeitraum nehmen die betroffenen Tiere keinerlei Futter an und sind teilnahmslos.

In seltenen Fällen nimmt die Tyzzer’s Disease einen dauerhaften (chronischen) Verlauf, in dem die Durchfälle sich mit Phasen abwechseln, in den die Kaninchen stabil sind und keine Durchfälle haben. Die betroffenen Kaninchen magern in der Regel dann stark ab, haben ein struppiges Fell und verringerte Kraft und Ausdauer.

Anzeige

Diagnose

Da der Erreger im Inneren der Körperzellen lebt (intrazellulär) und sich außerhalb der Zelle nicht vermehren lässt, ist es bei der Tyzzer´s Disease schwierig, eine sichere Diagnose zu stellen. Mit den herkömmlichen Untersuchungsmethoden, wie zum Beispiel einer Anzüchtung der Bakterien (Bakterienkultur) aus einem Abstrich, ist der Erreger nicht nachweisbar.

Der Tierarzt kann den Erreger grundsätzlich mit Hilfe von speziellen Untersuchungen auf molekularbiologischer Ebene im Blut und im Kot der Tiere nachweisen. Dieser Nachweis ist allerdings nicht absolut zuverlässig und kann manches Mal zu falschen Ergebnissen führen. Es kommt erschwerend hinzu, dass die Tyzzer’s Disease in den meisten Fällen sehr schnell zum Tode führt. Eine sichere Diagnose am lebenden Tier ist deshalb oft nicht mehr möglich. Nach dem Tod eines infizierten Kaninchens ist ein definitiver Nachweis des Erregers durch eine Gewebeproben-Entnahme (Biopsie) aus Darm oder Leber möglich. Durch eine mikroskopische Untersuchung lässt sich der Erreger im so entnommenen Gewebe nachweisen. Dies kann für die weitere Behandlung oder Hygienemaßnahmen bei Haltung von mehreren Kaninchen von großer Bedeutung sein.

Behandlung

Bei schweren Durchfällen ist es in einem ersten Schritt dringend notwendig, den Flüssigkeitsverlust der Tiere auszugleichen. Dazu verabreicht der Tierarzt dem Kaninchen Flüssigkeit mittels Infusionen. So können dem Tier auch lebensnotwendige Elektrolyte zugeführt werden. Um den Erreger der Tyzzer`s Disease zu eliminieren kann der Tierarzt das betroffene Kaninchen mit verschiedenen Antibiotika behandeln. Diese Behandlung führt allerdings nicht immer zum gewünschten Erfolg, insbesondere, wenn die ersten Krankheitssymptome bereits aufgetreten sind. Die akuten Durchfälle sind meist so schwerwiegend, dass viele Kaninchen versterben, bevor die Antibiotika wirken können.

Bei chronischen Verläufen siedelt sich Chlostridium piliforme häufig in Leber und Herz der erkrankten Tiere an. Bei den betroffenen Kaninchen kommt es dann im weiteren Verlauf der Infektion zu unheilbaren Schädigungen dieser Organe.

Eine Antibiotika-Behandlung ist vor allem für alle Partnertiere, die Kontakt zum erkrankten Kaninchen hatten, sehr wichtig; auch wenn sie selber noch keine Symptome der Tyzzer’s Disease zeigen. Die Antibiotika können bei Ihnen unter Umständen den Ausbruch und das Fortschreiten der Erkrankung verhindern.

Prognose

Häufig tragen Kaninchen den Erreger Chlostridium piliforme über Jahre in sich, ohne jemals Symptome zu entwickeln. Sie sind aus unbekannten Gründen gegen den Erreger resistent. Wenn ein Kaninchen akut an der Tyzzer’s Disease erkrankt, ist die Prognose ungünstig. Durch die schweren Durchfälle verliert das Kaninchen in sehr kurzer Zeit so viel Wasser und Mineralstoffe, dass ihm in der Regel nicht mehr geholfen werden kann.

Beim chronischem Verlauf treten Durchfälle nur phasenweise auf und infizierte Kaninchen können die Erkrankung für einen längeren Zeitraum überleben. Über die Zeit breitet sich der Erreger allerdings stark im Körper aus. Wenn er die Leber und das Herz befallen hat, ruft er dort unheilbare Schäden hervor.

Vorbeugen

Clostridium piliforme ist weit verbreitet und kommt häufig in der normalen Darmflora vieler Kaninchen vor. Über den Kot infizierter Tiere kann sich der Erreger zudem sehr leicht verbreiten. Außerdem bildet der Erreger Sporen, also sehr stabile Dauerformen, die auch außerhalb des Körpers lange Zeit überleben und infektiös bleiben können. Einer Infektion mit dem Erreger und damit einer möglichen Erkrankung an der Tyzzer’s Disease lässt sich also nur schwer grundlegend vorbeugen.

Wurde einer Infektion mit Chlostridium piliforme bei einzelnen Tieren in einem Bestand nachgewiesen, ist es besonders wichtig, der Verbreitung des Erregers entgegenzuwirken. Nur so ist es möglich, andere in der Gruppe lebende Tiere vor einer Ansteckung zu schützen. Es müssen alle Gegenstände, die mit dem Erreger in Kontakt gekommen sein können, gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Außerdem ist es ratsam, schlecht zu reinigende Einrichtungsgegenstände oder Spielzeuge zu entsorgen.

Trotz all dieser Maßnahmen ist es oft nicht möglich, den Erreger vollständig zu bekämpfen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, die verbleibenden Tiere genau zu beobachten. Nur so kann der Tierhalter sofort handeln, wenn weitere Kaninchen Symptome der Tyzzer’s Disease zeigen.

Wann zum Tierarzt?

Wenn Ihr Kaninchen erste Symptome einer Infektion mit Clostridium piliforme erkennen lässt – also zum Beispiel Fressunlust und ein auffällig ruhiges Verhalten – sollten Sie mit ihm umgehend zum Tierarzt gehen. Diese Symptome gilt es in jedem Fall ernstzunehmen, auch wenn sie allgemein bei einer Reihe von Beschwerden auftreten können. Für ein Kaninchen ist es fatal, über längere Zeit nicht zu fressen. Der Verdauungstrakt des Kaninchens ist nicht auf Fastenperioden ausgelegt. Die Chancen, dass Kaninchen von der Tyzzer’s Disease geheilt werden, sind umso größer, je früher der Tierarzt die richtige Diagnose stellen kann.

 

Weiterführende Informationen

Autor: Dr. med. vet. Philipp A. Zimmermann
Datum: Mai 2017
Quellen:
Rolle M. et al: Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. Enke-Verlag, Stuttgart 2010
Erwingmann A.: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus – Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Enke Verlag Stuttgart 2007
Gabrisch K et al.: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2008
Merck: The Merck Veterinary Manual – Overview of Tyzzer’s Disease (http://www.merckmanuals.com/vet/index.html). Letzter Aufruf Mai 2017

Anzeige

Anzeige

Aktuelle Umfrage
Empfinden Sie die Tierarztkosten als zu hoch?
  • Ja 82%, 262 votes
    262 votes 82%
    262 votes - 82% von allen Abstimmungen
  • Nein 18%, 58 votes
    58 votes 18%
    58 votes - 18% von allen Abstimmungen
Abstimmungen insgesamt: 320
Freitag, 15. September 2017
Aktuelle Stellenangebote
Newsletter abonnieren

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

Auszeichnungen
Gewinner Health Media Award 2016 - Kategorie Tiermedizin