Akupunktur bei Tieren

 

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Definition:

Akupunktur

Der Tierarzt setzt eine Akupunktur-Nadel. Foto: vetproduction

Was ist Akupunktur bei Tieren?

Akupunktur bei Tieren wird erstmals um 1300 vor Chr. erwähnt. Sie ist ein Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die alles Leben und Geschehen als stetiges Auseinandersetzen der Pole Yin und Yang sieht. Dabei ist ein Pol jeweils Ursprung des anderen. Beide Pole unterliegen einem steten An- und Abfluten. So hat jeder Pol zu einer bestimmten Tages- oder Nachtzeit sein Maximum, während der andere dann sein Minimum erreicht.

Die einzelnen Stadien des An- und Abflutens sind in der TCM wiederum fünf lebenserhaltenden Wandlungsphasen zugeordnet. Diese fünf Wandlungsphasen bilden einen Kreislauf. Zwischen ihnen gibt es fließende Funktionszusammenhänge, die sich gegenseitig beeinflussen. Jeder Wandlungsphase sind bestimmte Organe des Tieres zugeordnet.

Solange diese Regulation ungestört funktioniert, ist der Organismus des Tieres im Gleichgewicht und das Tier ist gesund. Bei erheblichen Störungen des Gleichgewichts kommt es laut TCM zu Stauungen im Energiefluss. Daraus entwickelt sich in einem Energiekreis ein Energieüberfluss und im anderen ein Energiemangel. Mögliche Folge ist, dass das Tier krank wird.

Die Akupunktur bei Tieren ist eine Komplementärmedizin, das heißt sie ergänzt die Schulmedizin in vielen Bereichen. Außerdem ist Akupunktur eine Regulationstherapie, die das Tier als Einheit von Körper, Seele und Geist in seiner Wechselbeziehung zu Umwelt und Natur sieht. Dies berücksichtigt der Akupunkteur sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Behandlung des Tieres.

Laut Akupunktur zeichnet sich jedes Tier durch seine eigene seelische und körperliche Verfassung aus, die einem permanenten Wandel unterliegt. Dadurch ist jedes kranke Tier ein Individuum, das wiederum individuell behandelt werden muss. Für den Tierarzt, der die Akupunktur anwendet, bedeutet die Krankheit des Tieres ein Ungleichgewicht seiner körperlichen und geistigen Funktionen.

Um das Tier zu untersuchen, benutzt der Tierarzt bei der Traditionellen Chinesischen Medizin seine fünf Sinne – Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen und Hören. Besonders Zunge und Puls geben dem Tierarzt viele Hinweise auf die Erkrankung des Tieres. Reagiert das Tier bei bestimmten Druckpunkten, die meist genau auf Akupunktur-Punkten und damit auf den Meridianen liegen, mit Schmerzen, ist dies sehr aussagekräftig für die Diagnose.

Solange keine Körperstrukturen des Tieres zerstört sind (z.B. bei einem Knochenbruch), ist jedes Ungleichgewicht des Körpers mit Akupunktur behandelbar. Akupunktur kann Energiestauungen lösen und zur Heilung des Tieres beitragen. Auch um einigen Krankheiten vorzubeugen, ist die Akupunktur bei Tieren geeignet. So lassen sich Ungleichgewichte des Körpers frühzeitig erkennen und behandeln. Ist das Ziel der Akupunktur – die Wiederherstellung der gesundheitlichen Balance des Tieres – erreicht, ist keine weitere Behandlung notwendig. Der Therapieerfolg stellt sich meist nach drei bis zwölf Akupunktur-Sitzungen ein.

Grundsätzlich kann Akupunktur bei jedem Tier angewandt werden, das sich anfassen und damit untersuchen lässt. Traditionell werden vor allem Pferde und Hunde mit Akupunktur behandelt. Auch Papageien, Kaninchen und Katzen tolerieren die Akupunktur meist sehr gut. Bei diesen Tierarten ist Akupunktur aber noch nicht sehr bekannt und wird deshalb seltener angewandt. Bei landwirtschaftlichen Nutztieren wie Rindern, Schafen und Schweinen ist Akupunktur ebenso möglich, wird aber aus wirtschaftlichen Gründen eher selten durchgeführt.

Bei der Akupunktur werden spezifische Punkte in der Haut und Muskulatur des Tieres gereizt. Diese Akupunktur-Punkte liegen vor allem auf den sogenannten Meridianen, die ein Energie-Netzwerk im Körper bilden, welches die Akupunktur-Punkte und Organe miteinander verbindet. Meist und traditionell geschieht dies mithilfe spezieller Akupunktur-Nadeln. Sie lösen entlang ihres Stichkanals vor allem über das Nervensystem Reaktionen im Gewebe des Tieres aus. Die Akupunktur ist nicht schmerzhaft und kann beruhigend oder entspannend wirken. Die Tiere sind danach oft müde, sodass eine anschließende Ruhepause ratsam ist.

Eine Sonderform der Akupunktur ist die Ohr-Akupunktur. Hier werden bestimmte Punkte an der Innenseite der Ohrmuschel des Tieres gereizt. Sie findet immer begleitend zur Körper-Akupunktur statt. Die gemeinsame Wirkung der beiden Akupunktur-Formen ist tiefgreifender und hält länger an. Für jede Tierart gibt es spezielle Ohrkarten. Die Ohr-Akupunktur kann sich bei Tieren schwierig gestalten, da man das Ohr des Tieres mit Nadeln reizt. Vor allem das Pferd als Fluchttier reagiert dabei oft ungeduldig. In diesem Fall kann die Laser-Akupunktur empfehlenswert sein. Hunde und Katzen tolerieren die Ohr-Akupunktur mit Nadeln eher. Eine weitere Form der Akupunktur bei Tieren ist die Goldakupunktur oder Goldimplantation bei Hunden. Dabei werden dem Tier kleine 24-karätige Golddraht-Stückchen dauerhaft an gelenksnahen Akupunktur-Punkten implantiert.

Durchführung:

Wie wird eine Akupunktur bei Tieren durchgeführt?

Bei der Akupunktur bei Tieren wird traditionell mit Nadeln gearbeitet. Der Tierarzt stimuliert die Akupunktur-Punkte durch das Stechen der Nadeln, durch Moxibustion, und in jüngster Zeit auch durch Reizung der Punkte mit Strom oder Laserlicht. Anders als beim Menschen, ist bei der Akupunktur bei Tieren ein Placebo-Effekt nicht möglich, da nur objektive Befunde erhoben werden.

Die Lage der Akupunktur-Punkte wird bei Tieren unter Berücksichtigung der anatomischen Besonderheiten von denen des Menschen abgeleitet. Dabei werden auch Unterschiede der einzelnen Tierarten berücksichtigt. Für die Diagnostik und Therapie sind eine genaue Kenntnis der Grundlagen der Akupunktur und der Lage der Punkte wichtig.

Traditionell werden bei der Akupunktur bei Tieren feine Nadeln an ausgewählten Punkten durch Haut und tiefergelegene Schichten vorgeschoben und dort je nach Krankheit und Individuum stimuliert. Dies regt die Ausschüttung verschiedener körpereigener Stoffe an, die wiederum Reaktionen des Körpers auslösen und seine Selbstheilungskräfte aktivieren. Dies soll den Körper des Tieres in sein energetisches Gleichgewicht zurückbringen.

Akupunktur-Nadeln sind massive Nadeln aus unterschiedlichen Materialien. Meist sind sie aus Stahl gefertigt und 0,15 bis 0,3 mm dick. Es gibt auch Nadeln aus Silber oder Gold. Bei der Nadelung wird das Gewebe nur auseinander gedrückt und nicht verletzt. Selbst Blutgefäße werden durch den besonderen Schliff nur zur Seite geschoben. Der Einstich der Akupunktur-Nadeln ist für das Tier kaum schmerzhaft und löst, sobald der Akupunktur-Punkt erreicht ist, das Nadelgefühl aus. Dieses lässt sich am ehesten mit einem Kribbeln oder Schweregefühl um die Nadel herum beschreiben. Die Nadeln sollten dann etwa 20 Minuten lang wirken.

Die Laser-Akupunktur wird von Tieren sehr gut toleriert. Dabei wird mit Laserlicht statt Nadeln gearbeitet. Dies ist völlig schmerzfrei und besonders zur Behandlung ängstlicher und scheuer Tiere sinnvoll.

Bei der Goldakupunktur oder eigentlichen Goldimplantation werden dem Tier kleine 24-karätige Golddrahtstückchen dauerhaft an gelenksnahen Akupunktur-Punkten implantiert. Sie reizen so über eine lange Zeit den Akupunktur-Punkt. Die Goldimplantation muss unter keimfreien (sterilen) Bedingungen durchgeführt werden und erfordert deshalb eine kurze Narkose.

Manchmal ist es bei einer Akupunktur-Behandlung sinnvoll, Wärme in den Körper des Tieres zu leiten. Diese Methode heißt Moxibustion. Auf das Griffstück der Akupunktur-Nadel wird ein kleiner Kegel Beifußkraut gesteckt und entzündet. Das Beifußkraut brennt sehr langsam ab und führt so Hitze zum Akupunktur-Punkt.

 

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