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Juckreiz beim Hund

Publiziert: Donnerstag, 8. September 2016

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Wenn sich Hunde permanent kratzen, belecken und beknabbern, ist schnell klar: Es juckt! Obwohl viele Hundebesitzer dabei nicht unmittelbar an eine Erkrankung denken, sollte man einen anhaltenden Juckreiz beim Hund nicht verharmlosen. Ist die Haut durch das wiederholte Kratzen in Mitleidenschaft gezogen, ebnet sie Krankheitserregern den Weg und Infektionen können entstehen. Der Hautzustand verschlechtert sich weiter und ein Teufelskreislauf kommt in Gang. Zudem verursacht das ständige Kratzen Stress – sowohl beim Hund als auch beim Herrchen oder Frauchen. Auf Dauer bleiben Spaß und Lebensfreude schließlich auf der Strecke.

Was verursacht Juckreiz beim Hund?

Grundsätzlich gibt es zahlreiche Ursachen für Juckreiz beim Hund. Und nicht immer steckt eine Erkrankung dahinter, wenn sich ein Hund gelegentlich kratzt oder beleckt, etwa im Rahmen der Fellpflege. Juckt sich ein Hund jedoch über den Tag ständig und kommt daher kaum mehr zur Ruhe, handelt es sich um ein Krankheitssymptom.

Ähnlich wie beim Menschen, zählen Allergien zu den Hauptursachen von Juckreiz bei Hunden. Umweltallergien, zum Beispiel gegen Pollen oder Gräser, treten zudem mit einer saisonalen Abhängigkeit, meist in den Frühjahrs- oder Sommermonaten, auf. Bei Hunden, die im Sommer gerne baden, kommt es auch häufiger zu einer „Badedermatitis“. Schuld an dieser Allergieform sind u.a. kleine Wasserparasiten (Zerkarien), weshalb Tierärzte auch von einer Zerkariendermatitis sprechen. Zu den weiteren Allergieauslösern bei Hunden zählen zudem Hausstaubmilben, Schimmel- oder Hefepilze – in solchen Fällen treten die Symptome in der Regel ganzjährig auf. Eine der häufigsten Juckreiz-Auslöser beim Hund sind jedoch Parasiten, insbesondere Flöhe (sogenannte Flohspeichel-Allergie), sowie Milben und Zecken.

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Futtermittel-Allergien als bedeutende Ursache allergischer Hauterkrankungen sind sehr häufig beim Hund anzutreffen. Neben starkem Juckreiz, geröteter Haut oder entzündlichem Hautausschlag können diese sich zusätzlich durch Verdauungsstörungen wie Erbrechen und Durchfall bemerkbar machen.

Doch was geschieht eigentlich im Körper des Hundes bei einer Allergie? Und wie entsteht der Juckreiz?

Im Grunde handelt es sich bei einer Allergie um eine Fehlreaktion des Immunsystems. Vereinfacht ausgedrückt, halten dabei Abwehrzellen bestimmte Stoffe – die eigentlich völlig harmlos sind – für bedrohliche Eindringlinge, die es zu bekämpfen gilt. In einem komplizierten Zusammenspiel von Immunzellen und Botenstoffen kommt es schließlich zu einer Entzündungsreaktion: Blutgefäße weiten sich, die Haut wird rot, schwillt an und beginnt zu jucken.

Neben Allergien können auch Infektionen der Haut mit Bakterien oder Pilzen (vor allem Hefepilzen) zu Hautproblemen führen, die mit starkem Juckreiz einhergehen. In den meisten Fällen stehen jedoch Juckreiz und andauerndes Kratzen am Anfang, wodurch eindringenden Keimen der Weg in die geschädigte Haut geebnet wird. Nicht selten entwickelt sich auf diese Weise ein fataler Teufelskreis, indem sich der Hautzustand des Hundes zunehmend verschlechtert.

Je nach Ursache rufen Hauterkrankungen beim Hund verschiedene Symptome hervor, darunter:

  • Juckreiz, der sich durch permanentes Kratzen, Lecken, Knabbern oder Scheuern äußern kann
  • Trockene, schuppige Haut
  • Hautkrusten
  • Diffuser oder umschriebener Haarausfall
  • Hautrötungen
  • Pustel, Pickel oder Hautausschlag
  • Wunde, nässende oder eitrige Hautentzündungen

Diagnose bei Juckreiz – den Auslöser aufspüren

Die Liste der Ursachen von Juckreiz beim Hund ist lang – und tatsächlich kann es für Tierhalter und Tierarzt zur Herausforderung werden, dem Auslöser für das quälende Jucken auf die Spur zu kommen. Dennoch lohnt es sich, hier dranzubleiben: Nur wenn die Ursache für die Hautprobleme klar ist, lässt sie sich gezielt behandeln. Beobachtet ein Hundebesitzer, dass sich sein Vierbeiner auffällig oft juckt, sollte er daher immer einen Tierarzt zu Rate ziehen. Dabei gilt: Je frühzeitiger der lästige Juckreiz behandelt wird, desto besser sind die Chancen, den Teufelskreislauf zu durchbrechen und desto geringer ist das Risiko, dass die Haut des Hundes weiter Schaden nimmt.

Bevor der Tierarzt den Hund untersucht, erfolgt in aller Regel zunächst ein ausführliches Gespräch. Anschließend untersucht er den Hund auf seinen allgemeinen Gesundheitszustand und begutachtet schließlich die Haut, zunächst mit bloßem Auge. Im weiteren Verlauf nimmt der Tierarzt meist eine Hautprobe, indem er von der betroffenen Stelle mit einer Skalpell-Klinge etwas Hautmaterial abschabt (Hautgeschabsel). Unter dem Mikroskop lassen sich dann unter Umständen bereits Hinweise auf den Auslöser der Hauterkrankung finden, zum Beispiel bestimmte Milben (wie Demodex-Milben). Um Bakterien und Pilze nachzuweisen, werden im Labor Bakterien- bzw. Pilzkulturen angelegt. Auch ein Blutbild kann Hinweise auf Organprobleme, sowie auf Entzündungen oder Allergien liefern. Das auslösende Allergen lässt sich auf diese Weise jedoch nicht auffinden, dafür sind im Verdachtsfall spezielle Allergietests erforderlich.

Bei manchen Allergien lenkt das jahreszeitliche Auftreten den Verdacht bereits in die richtige Richtung: Kratzt sich ein Hund besonders im Frühling oder Sommer, ist dies ein erster Hinweis auf eine Allergie gegen Pollen oder Gräser, die zu dieser Zeit blühen. Der Hund kann in diesem Fall auf besonders häufige Allergene getestet werden. Bei Futtermittel-Allergien ist hingegen oft Geduld gefragt: Mit einer Ausschlussdiät und einem anschließenden Provokationstest lässt sich jedoch meist klären, worauf der Hund allergisch reagiert. Fragen Sie Ihren Tierarzt, wie das funktioniert.

Die häufige Flohspeichel-Allergie beim Hund lässt sich relativ einfach feststellen, wenn der Hund befallen ist und die Flöhe selbst oder der Flohkot mit dem Flohkamm im Haarkleid nachzuweisen sind. Allerdings kann auch ein einziger Flohstich ausreichen, um beim Hund heftigen Juckreiz auszulösen: Ist dieser jedoch bereits auf einen neuen Wirt übergegangen, ist die Diagnose manchmal schwieriger.

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Welche Therapie hilft bei Juckreiz beim Hund?

Grundsätzlich umfasst die Therapie von Juckreiz beim Hund drei Strategien: Grundsätzliches Ziel ist es, zunächst die Ursache aufzudecken und dann gezielt zu behandeln oder – z.B. bei Parasitenbefall – mit Antiparasitika zu beseitigen. Konnte der Tierarzt eine Infektion der Haut mit Bakterien oder Pilzen nachweisen, bekämpft er die Erreger mit einem Antibiotikum bzw. einem Antipilzmittel (Antimykotikum). Bei oberflächlichen und kleineren befallenen Hautbezirken reichen in der Regel Mittel (Salben), die auf die Haut aufgetragen werden. Bei tiefgreifenden, großflächigen Infektionen kommen Tabletten bzw. Injektionen zum Einsatz.

Kratzt sich der Hund aufgrund einer Allergie, gilt es den Kontakt mit dem Allergen weitgehend zu vermeiden – ein Kunststück, wie jeder Pollenallergiker weiß. Eine Behandlungsmöglichkeit besteht in der sogenannten allergenspezifischen Immunotherapie (ASIT), die im Prinzip vergleichbar ist mit einer Hyposensibilisierung in der Humanmedizin. Ziel ist es dabei, das Immunsystem schrittweise an das Allergen zu gewöhnen, bis es schließlich toleriert wird und heftige allergische Reaktionen ausbleiben. Wer erfolgreich sein möchte, benötigt jedoch einen langen Atem: Manchmal zieht sich die Behandlung über Jahre hin.

Juckreiz rasch lindern

Damit sich der Hautzustand des Hundes während der Dauer der Diagnostik nicht durch ständiges Kratzen zunehmend verschlechtert, zielt die Akuttherapie darauf ab, den Juckreiz möglichst schnell und effektiv durch Medikamente zu stillen (symptomatische Juckreiz-Therapie). Hier stehen verschiedene Wirkstoffe zu Verfügung. Besonders häufig setzen Tierärzte zur Behandlung allergischer Hauterkrankung sogenannte Glukokortikoide ein, bekannt unter dem Begriff „Kortison“. Kortison wirkt auf das Immunsystem, indem es seine Aktivität drosselt, dadurch hemmt es Entzündungen und kann den Juckreiz rasch reduzieren.

Allerdings greift Kortison gleichzeitig in zahlreiche Stoffwechselfunktionen des Körpers ein und kann – vor allem, wenn es lange oder in hoher Dosierung verabreicht wird – ernste Nebenwirkungen herbeiführen. Wird Kortison bei Hunden eingesetzt, steigert es beispielsweise das Hungergefühl, sodass der Hund an Gewicht zunimmt. Schnell kann sich auch ein vermehrter Harndrang einstellen, was vor allem nachts für Hundebesitzer zur Belastungsprobe werden kann. Bei allergischen Hauterkrankungen, die lokal begrenzt sind, verschreiben Tierärzte zur Behandlung Glukokortikoide in Form von Lotionen oder Salben zum Auftragen auf die Haut.

Kortisonfreie Therapieoptionen bei Juckreiz

Verschiedene Wirkstoffe haben ihren Angriffspunkt ebenfalls im Immunsystem, gehören jedoch nicht zur Gruppe der Glukokortikoide. Zu den kortisonfreien Medikamenten gegen Juckreiz beim Hund zählen:

Ciclosporin
Ein Wirkstoff, der insgesamt selten bei allergischen Hauterkrankungen eingesetzt wird, ist Ciclosporin. Eine juckreizlindernde Wirkung tritt nach 4 Wochen ein. Das Mittel greift in das Immunsystem ein. Zu den häufigsten beschriebenen Nebenwirkungen beim Hund zählen Übelkeit und Erbrechen.

Antihistaminika
Wie auch gegen Allergien bei Menschen, können sogenannte Antihistaminika (z.B. Diphenhydramin, Cetirizin) gegen allergischen Juckreiz beim Hund eingesetzt werden. Allerdings sprechen nur etwa 20 von 100 Hunden mit einer allergischen Hauterkrankung darauf an. Manche Hunde reagieren mit vermehrter Schläfrigkeit auf bestimmte
Antihistaminika.

Januskinase-Hemmer
Ein Wirkstoff aus der Gruppe der sogenannten Januskinase-Hemmer ist Oclacitinib. Er stellt die neueste Entwicklung für die Behandlung von allergischem Juckreiz bei Hunden dar. Der Wirkstoff wirkt gezielt auf die Entzündung, indem er Zellbotenstoffe hemmt, die den Juckreiz vermitteln beziehungsweise verstärken. Januskinase-Hemmer lindern den Juckreiz rasch. Eine Linderung ist meist innerhalb des ersten Behandlungstags sichtbar. Die Mittel lassen sich in Form von Tabletten gut dosieren und leicht verabreichen. Dank ihrer zielgerichteten Wirkweise ist eine gute Verträglichkeit gegeben.

Ergänzende Therapie gegen Juckreiz
Neben Medikamenten gibt es verschiedene ergänzende Mittel, die den Juckreiz beim Hund lindern, indem sie die Barrierefunktion der Haut verbessern. Dazu zählen zum Beispiel essenzielle Fettsäuren (z.B. Omega-3-Fettsäuren) sowie kühlende und feuchtigkeitsspendende Shampoos und Lotionen.

Da Juckreiz beim Hund viele verschiedene Ursachen haben kann, entscheidet der Tierarzt immer individuell, welche Therapie sich im Einzelfall am besten eignet.

Was Sie selbst tun können

Wenn Ihr Hund sich auffällig oft kratzt, warten Sie nicht zu lange ab, sondern lassen Sie Ihren Vierbeiner bald von einem Tierarzt untersuchen. Wichtig ist, vor allem den Juckreiz möglichst schnell und effektiv zu unterbinden und die Ursache herauszufinden und anschließend gezielt zu behandeln.

Vermeiden Sie, dass sich durch den Juckreiz der Allgemeinzustand Ihres Hundes weiter verschlechtert, denn:

  • Durch permanentes Kratzen verstärkt sich die Hautentzündung und der Juckreiz nimmt weiter zu.
  • Die Haut verliert ihre natürliche Schutzfunktion und Krankheiterreger dringen ein, und die Infektion als Folge verstärkt weiter den Juckreiz.
  • Ständiger Juckreiz verursacht Stress, Verhaltensänderungen können die Folge sein, der Spieltrieb lässt nach, Aggressionen können auftreten.
  • Juckreiz als Stressfaktor stört schließlich auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier, gemeinsamer Spaß und Lebensfreude bleiben auf der Strecke.

Damit die Therapie anspricht, ist es außerdem wichtig, dass Sie:

  • Behandlungspläne genau einhalten.
  • vorgesehene Kontrolluntersuchungen bei Ihrem Tierarzt wahrnehmen.
  • prophylaktische Maßnahmen ergreifen (z.B. nahtloser Schutz durch Antiparasitika bei Hunden mit Flohspeichel-Allergie).

Sprechen Sie Ihren Tierarzt auf die verschiedenen – auch kortisonfreien –Therapieoptionen gegen Juckreiz an und lassen Sie sich beraten. Handeln Sie bei Juckreiz schnell, um Komplikationen, wie z.B. Sekundärfinfektionen, zu vermeiden. Ist der Juckreiz erst einmal besiegt, kehren auch Freude und Lebensenergie zurück – aktiv sein, unbeschwert Kuscheln und Herumtollen steht dann nichts mehr im Wege.

Weiterführende Informationen:

Autor: Pascale Huber, Tierärztin
Datum: August 2016
Quellen:
Käsmayr, R.: Chronischer Juckreiz. Magazin Der Hund. Ausgabe 4/2016
Neiger, R.: Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze. Vom Leitsymptom zur Diagnose. Kleintier.konkret Praxisbuch. Enke Verlag, Stuttgart 2014
Online-Informationen der European Medicines Agency (EMA): http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/veterinary/002688/WC500152068.pdf (Stand: 07/2013)
Peters, S. Koch H.-J.: Dermatologie Atlas Hund. Krankheitsbilder und typische Verteilungsmuster. Enke Verlag, Stuttgart 2013
Suter, P. et al.: Praktikum der Hundeklinik. Enke Verlag Stuttgart 2012

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