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Hunde mit Handicap – trotz Behinderung aktiv

Publiziert: Dienstag, 2. April 2013

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Hund bei der Augenuntersuchung

Verschiedene Augenkrankheiten können eine Sehbehinderung beim Hund nach sich ziehen. Foto: vetproduction

Auch ein behinderter Hund kann ein glücklicher Hund sein – das berichten immer wieder die Besitzer von Hunden mit Handicaps. Dennoch zeigen sich viele Menschen verunsichert, wenn sie auf Spaziergängen einen Hund mit körperlicher Behinderung sehen. Typische Reaktionen sind etwa: „Oh, der Arme hat ja nur drei Beine! Was ist denn mit ihm passiert?“ oder „Der Hund ist blind? Kann der denn überhaupt frei laufen?“ Dabei ist das Problem für den behinderten Hund oft weniger gravierend als für den Menschen.

Unter Tieren gibt es keine Diskriminierung aufgrund von Behinderungen. Meist spielen Hunde mit Handicap vollkommen normal und unbeschwert mit ihren gesunden Artgenossen. Scham und sozialen Rückzug kennen sie nicht. Auch ein blinder Hund rennt gelegentlich in vollem Tempo über die Felder, ein tauber Hund kann auf Kommandos „hören“ und ein Hund mit drei Beinen bewegt sich manchmal so geschickt und energiegeladen, dass seine Behinderung auf den ersten Blick gar nicht auffällt.

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Wenn Sie also darüber nachdenken, zum Beispiel aus dem Tierschutz einen körperlich beeinträchtigten Hund zu adoptieren, konzentrieren Sie sich vor allem darauf, dass er charakterlich zu Ihnen passt. Trotz Behinderung handelt es sich in erster Linie einfach um einen Hund, der seine ganz individuellen Eigenschaften mitbringt und der genauso erzogen werden muss wie jeder andere Hund auch. Zu jedem Handicap gibt es jedoch einige Tipps, die Hund und Besitzer den Alltag erleichtern können.

 

Sehbehinderte und blinde Hunde

Blindheit bei Hunden ist gar nicht so selten. Während eine Progressive Retina-Atropie (PRA) oder ein Grauer Star (Katarakt) beim Hund meist erst nach und nach das Sehvermögen verschlechtern, können eine Augenverletzung oder eine Plötzliche erworbene Retinadegeneration (SARD) dafür sorgen, dass der Hund quasi über Nacht erblindet. Auch verschiedene andere Krankheiten wie etwa Hirntumoren oder ein Grüner Star (Glaukom) beim Hund können Ursachen für eine Erblindung sein.

Blindheit und Sehstörungen sind für Hunde allerdings oft gar kein so großes Handicap: Sie haben nicht nur scharfe Ohren, sondern auch einen hervorragenden Geruchssinn. Bei blinden Hunden sind diese Sinne in der Regel noch stärker ausgeprägt als bei sehenden und die Vierbeiner können sich problemlos in ihrer Umgebung orientieren. Ein paar Tricks gibt es allerdings, um einem blinden Hund den Alltag zu erleichtern:

  • Ein gerade erblindeter Hund kann sich manchmal besser orientieren, wenn sein Besitzer ein Fußglöckchen trägt. Auch Glöckchen an den Halsbändern von anderen Hunden und Katzen im Haushalt können sinnvoll sein, damit der Hund nicht erschrickt, wenn er sie nicht kommen sieht.
  • Gezielt eingesetzte Düfte, zum Beispiel ätherische Öle, können einem blinden Hund als Orientierungshilfe dienen. So findet er in einer neuen Umgebung schnell seinen Schlafplatz oder Wassernapf wieder.
  • Auf Spaziergängen können einige akustische Signale dem blinden Hund helfen, sich genauso gut orientieren zu können wie ein sehender Artgenosse. Um dem Hund einen Richtungswechsel anzuzeigen, kann der Besitzer zum Beispiel klatschen, klopfen oder rufen. Auch Signale wie „Achtung!“ oder „Vorsicht!“ sind hilfreich, um den Hund zu warnen, wenn er auf ein Hindernis zuläuft.

 

Schwerhörige oder taube Hunde

Im Gegensatz zur Blindheit ist Taubheit bei Hunden in den meisten Fällen angeboren. Relativ häufig sind taube Dalmatiner, aber auch bei Australian Shepherds, Deutschen Schäferhunden, Bullterriern und verschiedenen Spaniels sind taube Welpen gar nicht so selten. In schweren Fällen können auch Ohrinfektionen beim Hund dazu führen, dass er sein Gehör verliert.

Meist merken Außenstehende einem tauben Hund sein Handicap zunächst überhaupt nicht an. Auch im Freilauf und im Spiel wirken gehörlose Hunde zumeist völlig normal. Auch taube Hunde bellen übrigens – einige sogar sehr viel oder sehr laut, andere „jodeln“ auch oder machen andere ungewöhnliche Geräusche, da sie ihre eigenen Lautäußerungen nicht hören können.

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Wichtig bei der Erziehung eines tauben Hundes ist es, dass er eine enge Bindung zu seinem Besitzer aufbaut und vor allem auf Spaziergängen häufig Blickkontakt sucht. Es ist kein Problem, einem tauben Hund eine Reihe von Handzeichen beizubringen, die Signale wie „Sitz“, „Platz“, „Hier“ oder „Nein“ repräsentieren. Allerdings kann er die Kommandos nur dann befolgen, wenn er auch in jeder Situation – etwa wenn ein anderer Hund oder ein Jogger des Weges kommen – Blickkontakt zu seinem Besitzer aufnimmt.

 

Zweibeinige und dreibeinige Hunde

Besonders bei Hunden aus Tierschutzorganisationen, die sich zum Beispiel um Straßenhunde aus Süd- und Osteuropa kümmern, kommt ein ganz spezielles Handicap vor: Sie laufen nur auf drei Beinen. In manchen Fällen sind sogar lediglich zwei Beine übrig. Häufig stecken dahinter Verkehrsunfälle oder schwere Misshandlungen, die lange Zeit nicht behandelt wurden, bis letztlich nur noch eine Amputation übrig blieb.

Ein fehlendes Vorderbein ist in der Regel auffälliger als ein fehlendes Hinterbein, da bei gesunden Hunden mehr Gewicht auf den Vorder- als auf den Hinterbeinen lastet. Doch auch Hunde mit amputiertem Vorderbein können bei entsprechendem Training ausgiebige Spaziergänge mitmachen und mit anderen Hunden toben.

Jetzt folgen:

Hunde mit nur zwei Beinen können sich unter bestimmten Voraussetzungen besser fortbewegen, als viele sich vorstellen können. Besonders kleine und leichte Hunde schaffen es manchmal, sich jahrelang auf den Hinterbeinen hüpfend fortzubewegen. Besser ist für den zweibeinigen Hund allerdings die Hilfe durch einen speziellen Hunde-Rollstuhl, der die Knochen und Gelenke der übrigen Gliedmaßen entlastet. Meist handelt es sich um einen Eigenbau, in den der Hund mit einem Geschirr eingespannt werden kann. Mit solchen Konstruktionen haben schon viele Menschen ihren behinderten Hunden ein großes Stück Lebensqualität wiedergeschenkt.

Bei Hunden mit nur zwei oder drei Beinen werden die übrigen Gelenke anders und stärker belastet als bei gesunden Hunden. Es kann demnach sinnvoll sein, Medikamente zur Stärkung des Gelenkknorpels zu geben, um einer Arthrose beim Hund vorzubeugen. Auch Verspannungen der Muskeln, zum Beispiel im Rücken, sind nicht selten. Dabei helfen einfache Maßnahmen wie ein warmer, weicher Schlafplatz ohne Zugluft und die Möglichkeit, regelmäßig schwimmen zu gehen. Das entlastet nicht nur die Gelenke und stärkt den Rücken, sondern macht vielen Hunden auch großen Spaß – egal ob mit Handicap oder ohne.

 

 

Weiterführende Informationen

 

 

Autor: Christina Trappe, B.A.
Tierärztliche Qualitätssicherung: Dr. med. vet. Michael Koch
Datum: März 2013
Quellen:
Homburg, Christina: Wissenswertes über dreibeinige Hunde. Tierphysiotherapie und Tierheilpraxis (http://www.tierphysiotherapie-homburg.de/news/wissenswertes-uber-dreibeinige-hunde/, letzter Abruf: 03/2013)
Suter, Peter F. et al: Praktikum der Hundeklinik. Parey Verlag, Stuttgart 2006
Yin, Sophia A. et al: Praxisleitfaden Hund und Katze. Schlütersche Verlag, Hannover 2007

 

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