Anzeige

Anzeige

Zur Tiermediziner-Community Vets online

Anzeige


Mitmachen und gewinnen
Home » Magazin » Worauf Tierärzte vor dem Schritt in die Selbstständigkeit achten sollten

Worauf Tierärzte vor dem Schritt in die Selbstständigkeit achten sollten

Publiziert: Freitag, 20. Februar 2015

Diesen Artikel teilen:

 
Themen-Special:Juckreiz beim Hund

© chalabala / Fotolia.comAnzeige

Viele Tierärzte möchten eine eigene Praxis gründen. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, um sich selbstständig zu machen. Foto: vetproduction

Viele Tierärzte möchten eine eigene Praxis gründen. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, um sich selbstständig zu machen.
Foto: vetproduction

Der Traum von der eigenen Praxis

Wer davon träumt, sich mit einer eigenen Praxis selbstständig zu machen und sein eigener Chef zu werden, sollte sich vorher genau überlegen, auf was er sich einlässt. Denn eine eigene Praxis ist nicht nur eine finanzielle Belastung, sie erfordert auch großes persönliches Engagement, Organisationsgeschick und Kompetenzen in kaufmännischen Disziplinen und Personalführung. Der Lohn der Mühen ist, dass man die Ausrichtung der Praxis nach eigenen Wünschen gestalten und alle wichtigen Entscheidungen selbst treffen kann.

 

Anzeige

 

Wer, wie, was

Üblicherweise sammeln Veterinärmediziner nach der Approbation erst mehrere Jahre lang als Assistenztierärzte in verschiedenen Kliniken und Praxen Berufserfahrung in diversen Spezialgebieten, bevor sie sich selbstständig machen. Von Vorteil ist es, wenn man sich in dieser Zeit in einem Fachtierarztbereich fortbildet oder eine Zusatzqualifikation erwirbt. Übliche Ausrichtungen sind Fachtierarzt für Kleintiere oder Pferde, oder eine Weiterbildung beispielsweise in Reptilien/Amphibien, Physikalischer Therapie, Verhaltenstherapie oder Akupunktur.

Verpassen Sie keine Neuigkeiten mit unserem kostenlosen Newsletter!

Bleiben Sie immer auf dem Laufenden für das Wohl Ihres Tieres

Lieber gemeinsam statt einsam?

Der Klassiker unter den verschiedenen Formen der Selbstständigkeit ist eine eigene Praxis. In diesem Fall trägt der Praxisbesitzer alleine die komplette Verantwortung ebenso wie das finanzielle Risiko. Die Arbeitsbelastung kann, besonders in der Anfangszeit, sehr hoch ausfallen, ein mehrwöchiger Urlaub oder eine spontane Fortbildung sind meist unmöglich, da die Tierhalter sich darauf verlassen, dass ihr Tierarzt für sie da ist. Nacht- und Wochenend-Dienste stehen deshalb auf der Tagesordnung. Zudem bindet man sich längerfristig an einen Ort – wer einen Partner hat, sollte daher sichergehen, dass dieser das eigene Vorhaben voll unterstützt und Verständnis dafür hat, dass die eigene Praxis besonders in der Anfangszeit Vorrang hat. Wer den Schritt zur eigenen Praxis wagt, wird dafür mit der Entscheidungshoheit und Gestaltungsfreiheit in allen Belangen belohnt: Man ist sein eigener Chef und arbeitet nur für sich und die eigene Kundschaft.

Eine Alternative zur eigenen Praxis ist eine Gemeinschafts- oder Gruppenpraxis. Hier verteilt sich die Last der Verantwortung auf mehrere Schultern. Die Gemeinschaftspraxis stellt dabei eine Form der Berufsausübungsgemeinschaft dar, bei der die beteiligten Partner beziehungsweise Praxen ihre rechtliche Selbstständigkeit aufgeben und die Gemeinschaftspraxis als wirtschaftliche und rechtliche Einheit auftritt. Bei der Gruppenpraxis handelt es sich dagegen lediglich um einen lockeren Zusammenschluss rechtlich unabhängiger Tierärzte, die Synergieeffekte durch die gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Geräten oder Personal nutzen wollen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, als freiberuflicher Spezialist in mehreren Praxen zu arbeiten. Für die Praxen ist dies eine interessante Chance, um ihr Angebotsspektrum beispielsweise um eine kardiologische Sprechstunde zu erweitern. Als Externer hat man dort feste Arbeitszeiten und ein klar definiertes Arbeitspensum, was insbesondere für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von großem Wert ist.

 

Gute Planung ist die halbe Miete

Wer sich für eine eigene Praxis entscheidet, muss nicht gleich eine komplette Neugründung wagen, denn man kann auch in eine bereits bestehende Praxis einsteigen oder sie übernehmen, zum Beispiel wenn der Vorbesitzer aus Alters- oder Gesundheitsgründen seine Praxis aufgeben möchte. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine fertig eingerichtete Praxis, ein eingespieltes Team und ein fester Kundenstamm. Doch was, wenn man lieber seinen eigenen Weg gehen möchte?

Anzeige

Wer eine komplette Neugründung anstrebt, sollte sich vorher gründlich informieren. Existenzgründerseminare können hier sehr hilfreich sein, ebenso wie die Dienste zahlreicher Consulting-Firmen. Einer der wichtigsten Punkte vor der Neugründung ist eine Standortanalyse, in der zentrale Fragen geklärt werden sollten, beispielsweise:

  • Welcher Bedarf an tierärztlichen Leistungen besteht in dieser Region?
  • Welches Angebot existiert bereits?
  • Wie ist die vorhandene Infrastruktur?
  • Sind ausreichend Parkplätze vorhanden und ist der potenzielle Standort gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen?
  • Welche Anforderungen an Lage, Größe, Ausstattung und Aufteilung müssen die Räumlichkeiten erfüllen?

Außerdem sollte man sich Gedanken über die Finanzierung machen. Gespräche mit der Bank des Vertrauens gehören ebenso dazu wie ein valider Businessplan. Versicherungen wie eine Berufshaftpflicht-, Berufsunfähigkeits-, Unfall-, Inventar- und Rechtsschutzversicherung sind notwendig, um sich gegen existenzielle Risiken abzusichern. Außerdem ist es empfehlenswert, von den vielen Fördermöglichkeiten für Existenzgründer Gebrauch zu machen. Hierzu gehören beispielsweise der Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit, der Zuschuss der Bundesländer für Beratungskosten oder die Förderdarlehen der KfW Bankengruppe. Außerdem muss der Praxisgründer die Niederlassung bei diversen Behörden anzeigen – wenn in der tierärztlichen Hausapotheke Betäubungsmittel verwendet werden, gehört auch eine Anzeige bei der Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dazu.

 

Praxis-Management: Mehr als nur lästiger Papierkrieg

Vermutlich wird man auch nicht alleine in der Praxis arbeiten wollen, sondern benötigt beispielsweise Unterstützung durch eine oder mehrere tiermedizinische Fachangestellte, später kommen vielleicht noch Assistenztierärzte und/oder Auszubildende hinzu. Die hohe Kunst der Mitarbeiterführung ist jedoch etwas, das man nur selten im Studium lernt. Wer nicht ein entsprechendes Führungskräfte-Seminar besuchen möchte, sollte zumindest einen Blick in einschlägige Ratgeber werfen, um gut für Themen wie Betriebsklima, Umgangsformen, Mitarbeiter-Motivation, Konfliktmanagement, Gesprächsführung, Personalauswahl und Führungsstil gewappnet zu sein.

Neben der Tatsache, dass man plötzlich für Angestellte verantwortlich ist, kommen bei einer eigenen Praxis auch noch kaufmännische Verpflichtungen hinzu. Das Thema Buchhaltung ist zwar bei den meisten Existenzgründern unbeliebt, leider aber dringend notwendig, denn für Selbstständige ist die Buchführung Pflicht. Moderne Buchhaltungs-Software kann einem das Leben deutlich erleichtern, viele Hersteller bieten passende Komplettlösungen an, die alle wichtigen Bausteine zu den Themen Buchhaltung, Lohn und Gehalt, Aufträge und Rechnungen, Warenwirtschaft sowie Urlaubs- und Fehlzeitenverwaltung enthalten. Das Sammeln und Abheften von Lieferscheinen, Rechnungen, Überweisungsbelegen und Bankauszügen kann einem aber auch das schönste Programm nicht abnehmen. Um sich das Leben ein wenig einfacher zu machen, kann es zudem sinnvoll sein, einen Steuerberater zu engagieren. Ein Rechtsanwalt hilft außerdem beim Aufsetzen und Prüfen von Verträgen.

 

 

Weiterführende Informationen

 

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: http://www.existenzgruender.de/DE/Home/inhalt.html
Kaufmännische Software von Lexware: http://www.lexware.de/
Tierärztekammer des Saarlandes: http://www.tierarzt-saar.de/downloads/Praxisgruendung.pdf

 

Autor: Dr. Annukka Aho-Ritter
Datum: Februar 2015
Quellen:
Kayser-Passmann, D. & Knäble, M.: Die Tierarztpraxis – Gründen mit Erfolg. Schlütersche, Hannover 2011
Reuter, H.-J. & Thiele, S.: Die gesunde Tierarztpraxis: Mitarbeiterführung und Motivation. Georg Thieme, Stuttgart 2011
Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW, Startercenter: http://www.startercenter.nrw.de
Agentur für Arbeit, Finanzielle Hilfen für Existenzgründer: http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuerger/FinanzielleHilfen/Existenzgruendung/index.htm

Diesen Artikel teilen:

Weitere interessante Artikel zum Thema: , ,

Anzeige

Anzeige

© chalabala / Fotolia.comAnzeige

Mitmachen & GewinnenNeu Mitmachen und gewinnen
Aktuelle Stellenangebote
Newsletter abonnieren

Verpassen Sie keine Neuigkeiten mit unserem kostenlosen Newsletter!

Auszeichnungen
Gewinner Health Media Award 2016 - Kategorie Tiermedizin