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Häufige Vergiftungen bei Hund und Katze

 

Welche Vergiftungen sind häufig bei Hunden und Katzen?

Eibe

Haustiere können sich unbeabsichtigt mit Haushaltsreinigern, Giftpflanzen wie beispielsweise der Eibe oder Frostschutzmitteln vergiften. Foto: vetproduction

Vergiftungen bei Hunden und Katzen sind unter Tierbesitzern sehr gefürchtet. Die Haustiere können sich unbeabsichtigt mit Haushaltsreinigern, Giftpflanzen oder Frostschutzmitteln vergiften, oder aber sie werden mutwillig mit Rattengift oder anderen Ködern vergiftet. Als Tierhalter will man wissen: Welche Vergiftungen sind möglich? Wie äußern sich Vergiftungen bei Hund und Katze? Wie kann ich selbst Erste Hilfe bei einer Vergiftung meines Tieres leisten? Wie behandelt der Tierarzt meinen vergifteten Hund bzw. meine vergiftete Katze?

Einige häufige Vergiftungen bei Hunden und Katzen finden Sie hier aufgeführt:

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  • Mittel gegen Ektoparasiten (z.B. Amitraz oder Permethrin)

Der Wirkstoff Amitraz ist unter anderem in bestimmten Hunde-Halsbändern gegen Ungeziefer wie Zecken enthalten. Zu einer Vergiftung kann es zum Beispiel kommen, wenn der Hund das Halsband zerbeißt.

Auch Permethrin ist in vielen Präparaten gegen Ektoparasiten (in Form von Spot-Ons oder Sprays) enthalten. Es ist für Hunde, nicht aber für Katzen zugelassen! Vergiftungen treten bei Katzen immer wieder auf, weil Tierbesitzer das Mittel fälschlicherweise auch bei Katzen anwenden.

Typische Symptome einer Amitraz-Vergiftung sind Benommenheit, weitgestellte Pupillen, Schwäche sowie ein verlangsamter Herzschlag. Bei Katzen weisen starkes Speicheln und Krämpfe auf eine Permethrin-Vergiftung hin.

  • Rattengift und Mäusegift

Häufig enthalten Rattengifte und Mäusegifte (Rodentizide) sogenannte Cumarin-Derivate. Diese greifen in die Blutgerinnung von Tieren ein und verursachen lebensgefährliche Blutungen. Insbesondere Rodentizide der 2. Generation (z.B. Diphacinone, Bromadiolone) wirken besonders lange (bis zu vier Wochen). Hunde und Katzen nehmen entweder das Gift direkt auf oder erbeuten Ratten oder Mäuse, die bereits vergiftet sind.

Für den Tierbesitzer ist eine Vergiftung mit Rodentiziden nicht immer nachvollziehbar, zum einen, weil er während der Giftaufnahme oft nicht zugegen ist, zum anderen, weil die ersten Vergiftungssymptome erst zwei bis vier Tage auftreten, nachdem der Hund oder die Katze das Gift gefressen hat.

Auffälligstes Symptom einer Vergiftung mit Rattengift und Mäusegift sind Blutungen aus Maul, Nase, Genitalöffnung und After sowie innere Blutungen des Tieres.

  • Frostschutzmittel (Diethylenglycol)

Vor allem während der kalten Jahreszeit treten gelegentlich Vergiftungen bei Hunden und Katzen durch Frostschutzmittel auf. Nicht selten entstehen zum Beispiel beim Einfüllen des Mittels oder durch beschädigte Autokühler kleine Pfützen.

Hunde und Katzen nehmen das Frostschutzmittel bereitwillig wegen seines süßen Geschmacks auf. Typische Symptome einer Frostschutzmittel-Vergiftung sind ein unsicherer Gang (Torkeln), Benommenheit, Erbrechen, Durchfall sowie Muskelkrämpfe beim Tier.

  • Medikamente (z.B. die Schmerzmittel Acetylsalicylsäure und Paracetamol)

Acetylsalicylsäure und Paracetamol sind Wirkstoffe, die in der Humanmedizin vorwiegend als Schmerzmittel und zur Fiebersenkung eingesetzt werden. Sie können – abhängig von der Dosis – sowohl bei Hunden als auch bei Katzen zu Vergiftungen führen, wobei Katzen empfindlicher reagieren als Hunde.

Als Anzeichen einer Vergiftung mit Acetylsalicylsäure oder Paracetamol sind Hunde bzw. Katzen apathisch und benommen, haben Durchfall und Erbrechen, in manchen Fällen auch Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Grundsätzlich ist es ratsam, Haustiere in keinem Fall eigenmächtig mit Medikamenten aus der eigenen Hausapotheke zu behandeln. Der Medikamenten-Schrank sollte außerdem verschlossen und nicht für Hund oder Katze zugänglich sein – vor allem, wenn die Tiere alleine und unbeobachtet zu Hause bleiben.

  • Giftpflanzen

Das Spektrum an Pflanzen, die für Hunde und Katzen giftig sind, ist groß. Dabei kann es sich sowohl um wilde Gewächse, als auch um Zierpflanzen im Garten oder innerhalb der Wohnung handeln. Die Vergiftungssymptome durch Pflanzengifte können vielfältig und teilweise sehr unterschiedlich sein. Häufig kommt es zu Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, starkem Speicheln oder zum Schock des Tieres.

  • Organische Phosphorsäureester (z.B. Parathion, E605)

Zu den organischen Phosphorsäureestern zählen viele Insektizide, wie sie im häuslichen Garten oder in der Landwirtschaft verwendet werden. Auch einige Präparate gegen Ektoparasiten (wie Zecken und Flöhe) enthalten verwandte chemische Verbindungen, die in zu hoher Dosierung für Tiere – wie auch für Menschen – giftig wirken können.

Bei Hunden oder Katzen treten als Vergiftungssymptome meist Erbrechen und Durchfall, Muskelzuckungen oder Muskelkrämpfe sowie starkes Speicheln auf. Typisch sind auch eng gestellte Pupillen (Miosis).

  • Kontaktvergiftungen

Bei Kontaktvergiftungen kommt das Gift mit der äußeren Haut oder den Schleimhäuten des Tieres in Berührung und schädigt diese an Ort und Stelle. Dies kann sich in Form von Hautwunden oder verschorften Hautstellen äußern.

Zu Kontaktvergiftungen kann es kommen, wenn Hunde oder Katzen Zugang zu säure- oder laugehaltigen Haushaltsreinigern oder Lösungsmitteln – etwa in Farben oder Lacken – haben.

Wie leiste ich als Tierbesitzer Erste Hilfe bei Vergiftungen?

Ist das Gift nicht bekannt, können Sie als Tierbesitzer nur bedingt Erste Hilfe leisten. Zudem können sich hinter Symptomen wie Durchfall und Erbrechen auch andere Krankheitsursachen verbergen. Die Maßnahmen beschränken sich dann darauf, Ihr Tier sicher zu lagern und schnellstmöglicht zu einem Tierarzt zu bringen.

Bei bestimmten, bekannten Giften können Sie wie folgt bei Ihrem Tier Erste Hilfe leisten:

  • Säuren oder Laugen: Spülen Sie bei Hautkontakt die betroffenen Stellen sofort mit viel lauwarmen Wasser über mehrere Minuten ab (keine Waschsubstanzen verwenden). Scheren Sie gegebenenfalls das Fell im betroffenen Bereich (gilt auch bei anderen Kontaktvergiftungen). Bringen Sie Ihr Tier anschließend sofort zum Tierarzt!

Hat Ihr Tier ein säure- oder laugehaltiges Mittel verschluckt, können Sie ihm reichlich Wasser anbieten beziehungsweise einflößen (soweit möglich). Tun Sie dies nur, wenn es sich mit Sicherheit um eine Säure oder Lauge handelt. Bei anderen Giftstoffen könnte sonst die Aufnahme des Gifts in den Körper beschleunigt werden!

Bei einer Vergiftung mit ätzenden Substanzen – versuchen Sie auf keinem Fall, bei Ihrem Tier Erbrechen auszulösen!

Erste Fragen des Tierarztes bei Vergiftungen

Haben Sie bei Ihrem Hund oder Ihrer Katze den Verdacht auf eine Vergiftung, stellt Ihnen der Tierarzt (am besten bereits telefonisch) folgende Fragen:

  • Um welche Tierart und Rasse handelt es sich?
  • Wie alt und wie schwer ist das Tier?
  • In welchem gesundheitlichen Zustand befindet sich Ihr Tier? (Symptome beschreiben)
  • Ist das Gift bekannt? (z.B. Medikament, Reinigungsmittel, Pflanze, etc.)
    In diesem Fall ist es hilfreich, wenn Sie vorhandene Pflanzenteile, Verpackungen oder Beipackzettel mit in die Tierarzt-Praxis bringen!
  • Wann hat Ihr Tier das Gift aufgenommen?
  • Wie viel Gift hat Ihr Tier aufgenommen? (Bei Medikamenten z.B. auch Dosierung, Häufigkeit der Anwendung, usw.)
  • Wie wurde das Gift aufgenommen? (Hautkontakt oder Verschlucken)

Wie behandelt der Tierarzt Vergiftungen?

Bei Vergiftungen besteht die wichtigste tierärztliche Maßnahme darin, das Gift möglichst rasch und vollständig aus dem Körper des Tieres zu entfernen. Tierärzte bezeichnen dieses Vorgehen als „Dekontamination“.

Entgiftung (Dekontamination)

Zur Entgiftung des Tieres stehen dem Tierarzt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche er wählt, richtet sich danach, welches Gift das Tier aufgenommen hat.

  • Entleerung des Magens:

Eine Entleerung des Magens ist nur dann sinnvoll, wenn der Hund oder die Katze das Gift vor weniger als zwei Stunden aufgenommen hat. Voraussetzung ist, dass das Tier bei Bewusstsein ist und feststeht, dass es sich nicht um ätzende Substanzen (Säuren, Laugen) oder Lösungsmittel handelt. Der Tierarzt spritzt dazu ein Mittel, welches Erbrechen auslöst (Emetikum), beim Hund beispielsweise Apomorphin, bei der Katze Xylazin.

  • Entleerung des Darms:

Ist der giftige Stoff bereits weiter in den Darm des Tieres gelangt, verabreicht der Tierarzt eventuell ein Mittel, welches den Darm schneller entleert. Der Enddarm lässt sich mithilfe eines Klistiers beziehungsweise Einlaufs entleeren.

  • Giftaufnahme im Magen-Darm-Trakt verhindern:

Um zu verhindern, dass der giftige Stoff vom Darm in den Blutkreislauf des Tieres gelangt, verabreicht der Tierarzt meist Aktivkohle. Diese hat die Eigenschaft, viele Giftstoffe an ihrer Oberfläche zu binden. Das Tier scheidet die Aktivkohle (mitsamt des gebundenen Gifts) über den Darm wieder aus. Allerdings binden bestimmte Gifte wenig an Aktivkohle (z.B. Frostschutzmittel, Laugen, Säuren oder Lösungsmittel).

  • Beschleunigte Ausscheidung des Gifts über die Nieren:

Befindet sich das Gift bereits im Blutkreislauf des Tieres, besteht eine wichtige Behandlungsmaßnahme zum einen darin, den Giftstoff zu verdünnen. Zum anderen soll das Gift möglichst schnell mit dem Harn ausgeschieden werden. Zu diesem Zweck erhält das Tier Infusionen über die Vene. Gleichzeitig verabreicht der Tierarzt ein harntreibendes Mittel (Diuretikum, z.B. Furosemid).

  • Gegengift (Antidot)

Gegen manche Gifte stehen Gegenmittel (Antidote) zu Verfügung. Voraussetzung ist, dass das jeweilige Gift bekannt ist. Beispiele für Gifte, für die ein Antidot existiert, sind:

  • Giftstoff: Amitraz, Antidot: Atipamezol
  • Giftstoff: Cumarin-Derivate, Antidot: Vitamin K1
  • Giftstoff: Frostschutzmittel, Antidot: Ethanol (Ethylalkohol)
  • Giftstoff: Paracetamol, Antidot: Acetylcystein
  • Giftstoff: E605, Antidot: Atropin

Wichtige Adressen bei Vergiftungen

Wichtige Informationen zu Vergiftungen, sowohl für Tiere als auch für Menschen, erhalten Sie über Giftnotrufzentralen. Im Internet finden Sie unter www.toxinfo.org auch alle Telefonnummern und Adressen regionaler Giftinformationszentren in Ihrer Nähe.

 

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Weiterführende Informationen

Autor: Pascale Huber, Tierärztin
Datum: Januar 2011
Quellen:
Informationen der toxikologischen Abteilung des Klinikums rechts der Isar: www.toxinfo.org (Abruf: Januar 2011)
Suter, P.F., Kohn B.: Praktikum der Hundekrankheiten. Parey Verlag, Berlin 2006

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