Wunden können, je nachdem, wie sie entstanden sind, klein oder großflächig, oberflächlich oder tief sein. Kleine Hautwunden reichen mitunter – entgegen dem äußeren Anschein – bis tief ins Gewebe. Meist bluten Wunden mehr oder weniger stark oder sondern feuchtes Wundsekret ab.
Grundsätzlich kommen Wunden bei Tieren an allen möglichen Körperstellen, zum Beispiel der äußeren Haut, an Schleimhäuten (z.B. Maulhöhle, Zahnfleisch, Vaginal- oder Vorhaut-Schleimhaut, Nasenspiegel) oder an den Augen vor.
Häufige Ursachen von Wunden bei Tieren sind Schnitt-, Stich- oder Bissverletzungen. Auch Schürfverletzungen kommen gelegentlich vor. Oft verletzen sich Tiere an ihren hervorstehenden Körperenden; also an Nase und Maul, Ohren oder Schwanz. Oder sie fügen sich Wunden zu, indem sie sich spitze oder scharfe Gegenstände in die Sohlenballen oder den Zwischenzehen-Bereich eintreten. Auch Verbrennungen, Erfrierungen oder Verätzungen können Hautwunden bei Tieren verursachen.
Hat Ihr Tier eine Wunde, achten Sie zunächst auf Blutungen. Bei stark blutenden Wunden steht die Blutstillung als Erste-Hilfe-Maßnahme im Vordergrund. Bei wenig blutenden Wunden ist es ratsam, das umgebende Fell Ihres Tieres in diesem Bereich zunächst zu kürzen, damit die Haare der Wunde nicht anhaften. In der Regel reicht es, wenn Sie diese mit einer (am besten abgerundeten) Schere kürzen.
Sind Schmutzpartikel oder Fremdkörper in die Wunde Ihres Tieres gelangt, versuchen Sie diese zu entfernen, indem Sie die Wunde gründlich reinigen. Dazu eignet sich idealerweise eine sterile Kochsalz-Lösung; notfalls können Sie die Wunde auch mit lauwarmem Wasser ausspülen. Vermeiden Sie dabei, an der Wunde zu reiben. Anschließend besprühen Sie die Wunde mit einem Hautdesinfektionsspray.
Auch bei relativ kleinen, unauffälligen Wunden sollten Sie Ihr Tier einem Tierarzt vorstellen. Bis zum Erreichen der Tierarzt-Praxis ist es wichtig, die Wunde mit einer sauberen Mullkompresse beziehungsweise einem Verband abzudecken, um sie vor Verschmutzung zu schützen. Hindern Sie Ihr Tier am Belecken der Wunde, zum Beispiel indem Sie ihm einen Halskragen anlegen. Befinden sich größere oder festsitzende Fremdkörper in der Wunde, belassen Sie diese an Ort und Stelle und bringen Sie Ihr Tier zum Tierarzt.
Autor: Pascale Huber, Tierärztin
Datum: Januar 2011
Quellen:
Powell, L. et al.: Small Animal Emergency and critical care. Wiley Blackwell Verlag, 2011
Silverstein, D., Hopper K.: Small Animal Critical Care Medicine. Saunders Elsevier Verlag, 2009
Suter, P.F., Kohn, B. et al.: Praktikum der Hundeklinik. Parey Verlag, 2006
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